langsames Reisen – kulinarisch durch Frankreich – Espace Gourmand Capucin am Viaduc de Millau

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Nahezu fünf Wochen langsames Reisen durch Frankreich mit kulinarischem Fokus liegen hinter uns. Für jeden Reisetag, an dem auch Kilometer zu bewältigen waren, hieß das:

  • die Gesamt-Strecke pro Tag darf nicht länger als 500 km sein, bzw. nicht mehr Zeit als 5 Stunden beanspruchen
  • es werden morgens maximal 3 Stunden gefahren
  • es gibt ein ausgedehntes Déjeuner von mindestens 2,5 Stunden
  • das Restaurant wird im Vorfeld recherchiert und von uns beiden für gut befunden
  • wir trinken in jedem Fall Wein
  • am Nachmittag wird die restliche Strecke bewältigt und dabei überlegt, welches Restaurant abends in Betracht kommt

„Besser essen auf Raststätten“ war gleich zu Anfang ein Thema – kulinarisch durch Frankreich zu reisen, bedeutete für uns auch, gelegentlich auf Autobahnen unterwegs zu sein. Wie unglaublich schlecht Raststätten-Essen oft ist und wie unglaublich teuer noch dazu, hat sicher jeder schon hinlänglich erlebt. Da machen Deutschland und Frankreich keinen großen Unterschied. 

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Am Viadukt von Millau erlebt man kulinarisch kein blaues, dafür ein umso größeres köstliches, erstaunliches, überraschendes Wunder.

Der beeindruckendes Brückenbau des Meisters Michel Virlogeux führt in Südfrankreich die Autoroute A75 über den Fluss Tarn. Wir fahren die A75 gen Süden und sind in vielerlei Hinsicht erstaunt.

Die Aussicht aus dem Fenster in die Cevennen hinein ist wunderschön, die Strecke super ausgebaut, es herrscht wenig Verkehr und das zur Hauptreisezeit. Wie nervig ist im Gegensatz dazu die fast immer verstopfte A7 aus Lyon in den Süden. Gemütlich zuckeln wir mit vielen Ah’s und Oh’s durch’s Land und freuen uns auf die Rast am Viadukt – nicht nur der Aussicht wegen.viaduc-de-millau-raststätte-espace-gourmand

Mit dem Espace Gourmand CAPUCIN hat die Familie Bras alles richtig gemacht. Michel Bras, langjähriger Sternekoch, ließ sich von einem alten Kochutensil, dem Capucin, inspirieren. Das wurde im Aveyron lange Zeit zur Fleischzubereitung benutzt. Die Form erinnert an ein Spitztütchen, eine Kapuze, ein spitz zulaufendes Hörnchen. Er ließ sich die Form patentieren und so entstand die Idee für die Capucins, die nun serviert werden.

Ein Teig aus Buchweizen wird in die Form gebracht und ausgebacken, schnell und auf den Punkt, wenn der Gast sein Capucin geordert hat. Keine 10 Minuten dauert das, dann wird es mit den besten Produkten der Region gefüllt, nachzulesen auf den kleinen Kärtchen, die in jedem Capucin stecken.

Michel Bras, wollte, zusammen mit seinem Sohn Sébastien und Bruder André, das Aveyron und die Region Midi-Pyrenées auf die Zunge bringen, den Gaumen kitzeln und dabei „Fast Cooking“ im „Slow Food Modus“ erlebbar machen.

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Allerbeste Zutaten, frisch verarbeitet, schnell und dazu wohlschmeckend? Geht das? 

Und wie!!! 

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Die teuersten Capucins kosten knapp 13€ und sind gefüllt mit schwarzen Trüffeln, Aubrac-Rind und Aligot. Man erinnere sich bitte was fettig-triefende Currywürste mit einer Sauce, die den Namen nicht verdient hat, an deutschen Raststätten kostet. Der Preis ist bei der Qualität ausnahmslos gerechtfertigt. Dazu gibt es eine hervorragende hausgemachte Limonade – einzig hier mussten wir auf Wein verzichten – verständlich und nachvollziehbar und beim Espresso nach dem Capucin sind wir bereits entschädigt. 

Während der Espresso mit starkem Druck ins Tässchen gepresst wird, tunkt die überaus freundliche Dame im Service jeweils einen kleinen, länglichen Sandkeks in Salz-Schoko-Karamell und lässt ihn auf unsere Espressi warten. 

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Schon allein wegen der Capucins lohnt sich eine Pause an der Raststätte und natürlich auch wegen des wunderbaren Blicks auf das Viadukt von Millau. Wir fahren wieder vorbei!  C’est sûr!

Anfahrt:

L’autoroute A75 Ausfahrt (sortie) n°45 « aire du Viaduc »
über die D911 der Ausschilderung « aire du Viaduc » folgen

Öffnungszeiten:

montags bis sonntags ab 9:30 Uhr geöffnet bis ca. 19:00 Uhr 

Terminal #1 – das Pop-up Restaurant der Pourcel-Brüder in Montpellier

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Wer gern kulinarisch unterwegs ist, dem ist womöglich in Montpellier das Le Jardin de Sens der Brüder Jacques und Laurent Pourcel ein Begriff – gewesen, muss man ja dazu sagen, denn das Restaurant gibt es so nicht mehr. Aber frei nach dem Motto – das Restaurant ist tot, es lebe das Restaurant – wird es spätestens 2018 an der Place de la Canourgue wiedereröffnet, mit der gesamten Equipe, wie die Brüder betonen.

Bis dahin muss man aber nicht traurig sein, sondern fährt nach draußen zum Terminal #1, raus aus dem Stadtzentrum, an die Ufer des Flüsschens Lez. Früher war hier der Hund begraben, jetzt entstehen nahezu täglich neue Wohn-und Geschäftshäuser und die Stadt dehnt sich aus – ob man das nun gut oder nicht so gut findet, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Das ehemalige landwirtschaftliche Gebiet am Lez hat sich gemausert und die ersten Mieter bezogen Coworking-Spaces, Wohnungen, Geschäfte und eben auch Restaurants.

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So verhält es sich auch mit dem Terminal #1, dem Pop-up Restaurant der Michelin-Stern-gekrönten Brüder Pourcel. 

Eine alte Halle, am mittlerweile neu entstehenden Marché du Lez, dient aktuell als Restaurant. Großzügige, alte Industriearchitektur und Interieur mit offenporigen Wänden,  dunklem Metall und warmem Holz, gepaart mit sparsam eingesetzten, hochwertigen Beleuchtungskonzepten macht es jung, zugänglich und gemütlich – und das muss man bei dieser Raumgröße erst mal herstellen.

Und so zieht dieses Konzept aktuell das junge Publikum an, egal ob zu Tapas, 5-Gänge-Menü oder zum chilligen Wochenausklang an der Bar.

Die Küche atmet durch und durch das Œufre der Pourcel-Brüder, klassisch französisch, aber zeitgenössisch und orientiert an dem, was die Gegend und die Saison hergeben. Sie stehen selbst am Pass und schicken die Teller. Sowohl Service als auch Küchenmannschaft sind aus dem Le Jardin de Sens mitgekommen und können sich auf die Bedürfnisse der Gäste einstellen. Unkompliziert, hands-on und in positiver Weise distinguiert begleitet der Service durch den Abend und arrangiert aufmerksam und ohne großes Aufhebens auch noch einen Besuch in der Küche.

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Das Menu Terminal mit 6 Gängen zu 87€ am Abend, ohne Getränke, ist für uns absolut angemessen, völlig ohne Schwierigkeiten sind aber auch einzelne Gerichte möglich. Die Portionen sind großzügig bemessen. Auf der Weinkarte findet sich eine gelungene Mischung von Weinen aus der Gegend – besonders schön die Auswahl der AOP Coteaux du Languedoc. Erfreulich auch, dass viele Weine offen im Glas ausgeschenkt werden.

Ein kleiner Tipp – am besten man fährt mit dem Taxi zum Restaurant. Es liegt außerhalb und obwohl die Tram-Linie 3 Richtung Lattes/Pérols/Étang de l’or fährt und an der Station Pablo Picasso hält – die ca. 1 km Strecke ist im Moment noch eher abenteuerlich, ohne Fußweg und seeehr dunkel am Abend. 

Da dieses Restaurant nur flüchtig ist, empfiehlt sich ein Besuch in diesem Jahr. 

Bon Dégustation!

Terminal#1
1408 avenue de la mer
34000 Montpellier

+33 (0)4 99 58 38 38
resa@terminalpourcel.com

sonntags und montags geschlossen

Dienstag bis Samstag mittags 12:00-15:00 Uhr und abends 19:00-23:00 Uhr

Cafés und Concept Stores in Montpellier

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Mir scheint gerade der Winter geeignet, eine bekannte Stadt mit neuen Augen zu entdecken. Das Leben lebt sich noch etwas geruhsamer für Einheimische und die wenigen Besucher. 

Das gute, alte Montpellier ist uns seit langem bekannt, vertraut, eine liebevolle Verbindung trägt uns seit Jahren und ein Besuch ist wie ein gemütliches Abendessen bei Freunden. Man kennt sich, weiß über den anderen Bescheid, kennt die Vorzüge und die kleinen Macken. 

Und trotzdem ist es ab und an Zeit, die Augen neu aufzumachen und ganz unvoreingenommen eine neue Perspektive einzunehmen. Ein frischer Blick ist uns gelungen und Montpellier, unsere langjährige Freundin, hat uns reich beschenkt.

Unsere Tipps für Cafés und Concept-Stores, alle natürlich von uns besucht, probiert und diverse Kleinode erstanden, gibt es hier.

Café Latitude

1 Rue Sainte-Croix – Place de la Canourgue

34000 Montpellier

Extrem freundliche Bedienung, mit großem Interesse, etwas von den Gästen zu erfahren. Eine ruhige Atmosphäre, sehr guter Verbene Tee und petit noir!

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Palma – Café und Concept Store

32 Boulevard du Jeu de Paume

34000 Montpellier

sonntags geschlossen

Charlotte ist bezaubernd und serviert nicht nur köstliche Tartelettes, sondern auch hübsche Typography, Kunstdrucke und junge Mode.

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Hybride – Boutique-Café-Fooding

12 Boulevard du Jeu de Paume

34000 Montpellier

sonntags geschlossen

Kaffee und Co. prima, besonders schön ist die Auswahl an Schmuckstücken junger Designer und bezahlbar! Die Kerzen von La Belle Meche sind betörend – einige mussten ins Handgepäck 😉 Perfekt für außergewöhnliche Geschenke!

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Essen und Trinken in Montpellier – Neuentdeckungen

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Es ist immer gut, schon Bekanntes wieder mit neuen Augen zu entdecken. Schön, wenn es einen bewusste Entscheidung ist. So geschehen für uns mit der immer wieder wundervollen Stadt Montpellier im Süden von Frankreich.

Unsere Neuentdeckungen in der Restaurant-Szene, kleine Cafés und Concept-Stores, Handgemachtes und Inspirierendes gibt es jetzt hier und in den kommenden Tagen. 

Das kleine Restaurant Ånga, gelegen zwischen der Place de la Canourgue und der Préfecture, in der Rue du Palais des Guilhem, ist ganz neu und der Name lässt zunächst vermuten, dass es schwedische Küche anbietet – in Südfrankreich?! Mais non! Ganz falsch!

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Cyril Garcia, Arthur Lahmy und Pierre Quatrefages sind ein dynamisches, kreatives und lebensbejahendes Trio mit Küchenerfahrung und für jede Frage offen. Die nach dem Namen klärt sich schnell. Ånga bedeutet im Schwedischen „Dampfgarer“, in Französisch vapeur, und mit genau diesem wird hier quasi alles zubereitet. Gemüse, Fleisch, Fisch – alles von lokalen Produzenten, schonend zubereitet und dann großartig abgeschmeckt.

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Das Mittagsmenü gibt es mit Entrée, Plat und Dessert oder Käse für schlanke 21€, abends für 26€. Die kleine, mit Bedacht ausgewählte Weinkarte macht Lust, die Region und seine Winzer ebenfalls zu entdecken und das lokale Bier aus Mauguio ist süffig und als Apéritif bestens geeignet, um die Geschmacksknospen auf Empfang zu stellen. 

Die Portionen sind großzügig bemessen, machen aber jeweils noch Appetit auf mehr. Alles ist fein abgeschmeckt, jeder Geschmack und jedes Aroma darf sich entfalten.

Besonders angetan sind wir vom simplen, ansprechenden Geschirr. Auch diese Frage findet schnelle Beantwortung. Wir besuchen im Anschluss das lokale Keramik-Atelier 500 degrés.

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Der Bib Gourmand war auch schon da und ist voll des Lobes – wir auch! Die drei jungen Herren machen für uns alles richtig. Es ist dringend geraten, vorher zu reservieren – sowohl für mittags als abends – knapp 25 Plätze sind nicht viel und man sitzt französisch eng beieinander – wer Spaß an Begegnung und Austausch über das köstliche Essen hat, der ist hier richtig! 

Noch mehr Tipps für Montpellier folgen in Kürze!

Bordeaux kulinarisch – Canelés, Macarons und Co.

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(enthält Werbung)

Unsere Tour durch die Spielstätten der Europameisterschaft geht weiter. Heute geht es nach Bordeaux.

Bordeaux ist unbenommen eine der schönsten Städte in Frankreich. Sofort denkt man an Wein, die Nähe zum Atlantik und den Wassersportgebieten, frischen Fisch und Austern aus Arcachon und die Grande Dune du Pilat – die große Wanderdüne. Die Stadt selbst hat besonders kulinarisch so Einiges zu bieten. Im Rahmen der Europameisterschaft gehört das Fußballstadion Matmut Atlantique, auch Stade Bordeaux-Atlantique bekannt, zu den Austragungsorten. Wer Bordeaux, neben dem Fußball, gern erleben will, für den gibt es ein paar Reisetipps.
Eine Erkundung mit dem Fahrrad, das man sich ganz problemlos an vielen Stellen mieten kann, ist eine gute Wahl. Ein gelungener Tag in Bordeaux beginnt am besten morgens, nach dem ersten Café au Lait und einem warmen, buttrigen Croissant, am Marché des Capucins. Die große Markthalle ist wie der „Bauch von Bordeaux“. 

Weitere süße Tipps und das Rezept für die berühmten Canelés de Bordeaux gibt es hier 

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Auftragsarbeit für das Unternehmen Ebay, das gern auf meine Expertise zum Thema Reisen durch Frankreich zurückgegriffen hat und für das ich meine Tipps zusammengestellt habe.

Bereits erschienen sind:

La ville rose – ein Wochenende in Toulouse

Ausgehen in Nizza – Tipps für einen Start in den Abend