Beeren hoch drei

Das Wochenende klopft schon an die Tür und bittet alsbald um Einlass!

Für mich heißt das, was kauf ich ein, was bring ich heim – schließlich will ich den weitgereisten und abgespannten Göttergatten verwöhnen! Auch wenn das eine K – Kochen, bei mir an ganz vorderer Stelle steht, als selbstständige, berufstätige und emanzipierte Frau hat man doch auch noch die ein oder andere Verpflichtung neben der Produktion köstlichster Speisen von mannigfaltiger Variation.

Auf dem Markt locken einen momentan allerlei Schließfrüchtchen, in den schönsten Schattierungen von rot und blau. Da werden gleichwohl Erinnerungen aus Kindertagen wach – mit Uroma im Wald Heidelbeeren und Himbeeren sammeln und sich von den Brombeerbüschen tüchtig die Arme aufkratzen lassen, um an die schönsten, drallsten und reifsten Früchte zu kommen.

Eine Auswahl Beeren hat mich besonders angelacht und erklärte sich bereit, eine Tarte zu zieren.

Eine saftige, süß-säuerliche, leichte Tarte sollte es sein, mit einem krossen Mürbteig und noch etwas Pfiff. Leider blieb es mir bisher verwehrt, frische Zitronenverbena in unserem Städtchen oder dem Umland zu finden – ich verstehe es nicht. Sollte jemand wissen, wo ich sie frisch bekommen kann, ich bin für jeden Hinweis dankbar, erkläre mich sofort bereit, ein Gericht damit zu verfeinern und lade zum Essen desselbigen ein.

Ein wenig Kraut gibt den Beeren Putz und so entschied ich mich für Zitronenmelisse.

Die gedeckte Tarte ist wirklich köstlich, besonders lauwarm, wenn der Fruchtsaft den Mürbteig etwas getränkt hat, ein Stückchen von der Tartdecke knuspert und das Gäbelchen in die kühle Crème fraîche stippt…

Ich empfehle die Tarte für den Ausflug zur Schwiegermama – es hebt (im besonderen das Ansehen der Schwiegertochter). Die Mama wird begeistert sein, mit welcher Inbrunst man sich der kulinarischen Hege des geliebten Stammhalters widmet, auf deutsch – die Frau kümmert sich gut= alles bestens!

Für alle Schwiegertöchter und natürlich für alle anderen Interessierten, hier das Rezept dazu:

So, in Anbetracht der gerade wieder sommerlichen Temperaturen, ist auch Eis schlecken wieder en vogue. Beeren gab es ja genügend, die neue Effilee hatte ich auch gelesen (mit tollem Rezept für Popsickles) und die neuen Eis-am-Stil-Förmchen wollten dem Praxistest unterzogen werden.

Sie haben bestanden – ein Brombeer-Joghurt-Eis – feincremig, mit wenig Süße und ganz viel Lust auf mehr Schleckern- das war nur der Anfang!

Und zum Abschluss gibt es noch einen Tipp für ein Wochenend – Frühstückshighlight mit dem Liebsten. Wenn der Besuch bei den Eltern gezehrt hat und am Sonntag ein bisschen ausgeschlafen wurde, holt der Liebste warme Baguette bei Bäcker. Dazu von den restlichen Beeren eine Beerenbutter vorbereiten. Ich danke an dieser Stelle Ree Drummond von Pioneer Woman für diese fantastische Idee.

Man muss nicht unbedingt French Toast machen, um die Beerenbutter zu genießen (ich mag das nicht, ist mir einfach zu tunkig und klebrig). Die Butter auf eine frische, noch warme, Scheibe Baguette und dazu einen Café au lait – das ist doch savoir vivre!

In diesem Sinne warten wir auf morgen und lassen das schöne Wochenende herein, wenn es anklopft und begrüßen es mit frischer Beerentarte, Eis-am-Stil und buttrigen Beeren.

Beste Grüße, Sandy

 

 

 

 

 

 

 

 

Confiture für Fortgeschrittene

Mein Mann und ich begehen heute unseren ersten Hochzeitstag, man nennt dieses erste Jubiläum auch Papierene Hochzeit, da wohl die Ehe zum aktuellen Zeitpunkt noch so dünn und rissig wie Papier sei. Nun, darüber lässt sich streiten, die Bezeichnung scheint aus einer Zeit zu stammen, zu der man sich eingangs der Ehe noch nicht lange erprobt hatte (in wilder Ehe haben wir schließlich schon 8 Jahre die
Reißfestigkeit und Langlebigkeit unserer Verbindung geprüft).

Nun, so wollten wir den Tag nach ausgiebigem Rosé-Prickelwasser-Frühstück gebührlich zelebrieren. Ein zünftiges Geo-caching mit anschließendem Besuch einer ebenso zünftigen Lokalität zum Mittag-Brot erschien uns passend. Unser Weg führte durch unsere schöne Saalestadt Richtung Jenzig, den wir schon lange nicht mehr besucht haben. Erinnerte das Wetter heute morgen eher an einen, wenn auch schönen, Herbsttag, für unsere Schatzsuche war es genau richtig. Das Geo-Caching ist wirklich eine feine Sache und belebt einen, sonst eher banalen Spaziergang, ungemein. In Anbetracht der Tatsache, dass mein Holder und ich, dem zweckfreien Müßiggang eher wenig abgewinnen können, ist das eine Freizeitaktivität nach unserem Gusto.

Der Mons zeigte sich gnädig und ließ es zu, dass wir auf unserem Weg das geheime Lager loggen (so heißt das in Caching-Sprech) und uns in die Liste der glücklichen Finder eintragen konnten.

Die neue Gastlichkeit des Jenzighauses überzeugte uns und übertraf sogar unsere Erwartungen um ein Vielfaches. Die Bedienung freundlich und zuvorkommend, die Speisen sehr frisch und äußerst lecker (ich empfehle spontan die wirklich hausgemachte Sülze mit knusprigen Bratkartoffeln) und das alles flott für den hungrigen Wandersmann und die Frau.

Der Rückweg brachte einen weiteren Schatz zutage und mir etwas Arbeit im Nachgang. Die Kornelkirschen sind schon reif und warteten darauf, gepflückt zu werden.

Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, das Rezept für die Kornelkirschen-Confiture schon im Kopf und den nächsten Wildbraten im Herbst (Waidmann’s heil) vor dem inneren Auge, wurde am Wegesrand gezupft. Die kluge Frau hatte vorgebaut und ein Tütchen für den Transport dabei.

Die Kornelkirschen sind zu unrecht verkannte Früchtchen. Ja, sie sind sehr herb und säuerlich und der wenig geübte Gaumen verschmäht sie gern. Roh sehen sie schöner aus als sie schmecken, von sattem rot, mit festem Fleisch, knackig und doch filigran.

Wenn man sie entsprechend verarbeitet, z.B. zu einer Confiture, und schickt ihnen etwas lieblichere und weniger säuerliche Begleiterinnen mit, dann kann was draus werden. Es bleibt ein Aufstrich für Fortgeschrittene, ohne Zweifel, doch ein Herantasten und Probieren lohnt sich. Ich habe die Korneln mit roten Johannisbeeren, Himbeeren und ein wenig Langpfeffer als Confiture eingekocht.

Nicht nur zu Fleisch auch in Verbindung mit einem kräftigen, standhaften Käse kann ich mir die Kornelkirschen-Confiture gut vorstellen.