Assiette des vendanges – Roquerones mit gerösteter Paprika, Tomaten, Ei und Zwiebeln

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Assiette des Vendanges heißt der Teller, den seine Großmutter gerade gebracht habe, sagt Florent. Wir stehen im kühlen Produktionsraum in der ersten Etage in der Rue du Grenache Nr. 5 in Collioure. Angenehm kühl, sodass ich beschließe, das Interview auszudehnen, um möglichst lange der heißen Julisonne mit 35 Grad im Schatten zu entkommen. Die Damen der Manufaktur zerlegen stoisch Anchovis um Anchovis und schlichten sie auf ein Blatt Papier, in einer Akuratess, die Ihresgleichen sucht. Weiterlesen

Rituale und Neuerungen

Relativ entspannt gestaltete sich unsere Anreise ins „gelobte Land“. Die gesamte Route du Sud, also sowohl die „La Catalana“ als auch die „La Languedocienne“ sind momentan eine Großbaustelle. Nicht auszumalen, wie in diesem Jahr der Sommer ausgesehen hat.

Ich erinnere spontan gruselige Erfahrungen mit dem „Samedi noir“ vor einigen Jahren…:(

Aktuell nahezu 100 km Straßenverengungen, 2 statt 3 Spuren – kein Spass bei 30 Grad Außentemperatur. Als nächtliche Reisende zwischen den Welten gab’s für uns Blinkelichter soweit das Auge reichte, mit der Option für epileptische Anfälle – kein Dauerlicht, sondern Dauer-Geblinke.

Ein teures Photo wird uns wohl die contrôle de la vitesse bescheren, merde aber was soll’s!

Unser Hausberg, der Canigou, der magische Berg der Katalanen, hüllte sich gestern in Wolken und trägt auch schon eine Schneespitze. Auch hier hält langsam aber sicher der Herbst Einzug. Weiterlesen

Nizza-Salat zum Ersten

Vor einigen Tagen hatte Confiture de Vivre den ersten Geburtstag – ein Jahr Blogging über Land und Leute, Essen und Trinken, Restaurantbesuche und viele andere Dinge der süßen Seite des Lebens. Wenn das nicht Grund zum Feiern ist!!!

Das Bloggen ist mir zur Passion geworden und beeinflusst mein Leben in vielerlei Hinsicht. Ja, ich möchte sagen, ich ziehe daraus Kraft, Energie und Kreativität für das Leben an sich.

Da man sich als Geburtstagskind immer etwas wünschen darf, wünsche ich mir noch mehr Austausch. Ich sehe viele Besucher hier bei Confiture und bin so neugierig, was sie zu sagen haben, möchte Erfahrungen teilen und Anregungen bekommen.

Nun, zum ersten Geburtstag hab ich mir und meinem Liebsten eine Kleinigkeit zubereitet, einen Snack, natürlich französisch inspiriert – auch meine Obsession fürs Gallische ist über das Jahr weiter gewachsen- einen Nizza – Salat oder viel schöner „La Salade Niçoise“.

Bild: Georgette Simon

 

Der Nizza-Salat ist auch so ein Urgestein aus dem Süden Frankreichs. Ob er tatsächlich zuerst in Nizza zubereitet wurde, daran scheiden sich die Geister. Auch über die Zutaten ist man sich nicht abschließend einig. Klar ist, dass der große Meister Auguste Escoffier 1903 in seinem Guide culinaire ein Rezept erwähnte. Es bestand unter anderem aus gekochten Kartoffeln, Tomaten, Sardellen, schwarzen Oliven, grünen Bohnen und Kapern.

So, und da fängt meine Beziehung zum Salade Niçoise an. Ich war in meiner Kindheit bestimmt kein Suppenkasper, in unserer Familie wurde streng darauf geachtet, dass gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Bis auf Kartoffeln und Tomaten hätte man mich allerdings mit allen genannten Zutaten jagen können – und zwar weit!

Wie konnte aus der übergroßen Abneigung gegenüber aller Ingredienzen eine langanhaltende „Liebesbeziehung“ werden?

Die Geschichte ist schnell erzählt.

Den ersten und bisher allerbesten Nizza-Salat habe ich in einer kleinen, rumpligen Kaschemme in Agde gegessen. In Frankreich wird man nämlich gern überrascht. Wir lernten über die Jahre, dass ein heruntergekommenes Äußeres von Cafés, Landgasthöfen und Restaurants nicht für die Qualität der Küche steht und mit kulinarischen Offerten der besonderen Art gepunktet werden kann.

Im Gegensatz dazu erlebten wir auch schon, dass das beste Haus am Platz einem nach dem Verzehr seiner Speisen noch lange in (übler) Erinnerung bleibt.

Es gab also Nizza-Salat zum Geburtstag, mit allem Drum und Dran.

Knackige grüne Bohnen bildeten den Auftakt.

Dazu kamen schwarze Oliven, früher undenkbar, heute eine meiner heißgeliebten Zutaten.

Und zur Feier des Tages habe ich an Stelle der „normalen“ Hühnereier, Wachteleier genommen. Die sehen in ihrer Kleinheit einfach so bezaubernd aus und schmecken auch köstlich.

Alle anderen wichtigen „Salat-Ausmacher“ waren natürlich dabei: gekochte Kartoffeln, Anchovis, Thunfisch, Tomaten, Blattsalat, Paprika, grüne Gurke und Zwiebeln. Das Dressing habe ich einfach gehalten, mit Zitronensaft, Olivenöl, etwas Dijon-Senf, Salz und Pfeffer.

Ich freue mich auf das nächste Jahr mit und für Confiture de Vivre, Joyeux Anniversaire!

 

Mini-Patissons à la Catalane

Eigentlich hatte ich mich für eine Fenchel-Roquefort-Tarte entschieden. Doch dann sind mir auf dem Heimweg, beim Gemüsehändler des Vertrauens, die kleinen gelben Bischofsmützchen begegnet. Und sie riefen ganz laut: „Nimm uns mit, wir sind ganz heiß darauf, gefüllt und gegrillt zu werden“. Wer möge sich da erwehren und nein sagen – ich nicht. So durften die kleinen Patissons, die Zwergenausgabe des gemeinen Gartenkürbis‘, mit nach Hause.

An sich ist die Varietät des Cucurbita eher schnöde, neutral im Geschmack und ohne  eine gewisse Behandlung langweilig – von außen also mehr Schein als Sein aber mit der Option zu Größerem.

Zunächst habe ich alle Mützchen gekappt und die Gelblinge ausgehöhlt. Dabei sollte man vorsichtig ans Werk gehen, ansonsten hat man sie ratzfatz durchgeschnitten und es ist’s gewesen mit dem Befüllen.

Die Farce habe ich, getreu meiner Vorliebe und mit Ausblick auf einen baldigen Besuch, à la Catalane vorbereitet, also mit Anchovis, Kapern und rotem Paprika. Sie sollten den sommerlichen Abendbrottisch nicht allein zieren und so entschied ich mich für eine Escalivada, köstliches, leicht gesalzenes Grillgemüse aus dem Ofen.

Fenchel, Tomaten, Paprika und Zwiebeln werden dafür mit Rosmarin und Thymian, mit reichlich vom besten Olivenöl, im Ofen gegrillt.

Die Mini-Patissons brauchen mit ihren gefüllten Leibern nicht mehr als 10 Minuten (bei 180 Grad) im Ofen und auf dem Teller eine kleine, frische, süß-scharfe Tomatensauce mit etwas Salbei.

Ein wenig geröstetes Brot und ein Gläschen Wein machen den Abend perfekt.

Hallo Sommer, du kannst zurück kommen und am Tisch Platz nehmen, bon Appétit !

 

 

Beignets de fleurs de courgettes

Die Zucchinipflanzen in unserem Garten stehen gut und bevor die grünen Gartenkürbisse die richtige Größe für die Ernte haben, schnell noch die Blüten nutzen!

So habe ich für meinen Mann und mich 6 Blüten geerntet und mich für Beignets entschieden.

Das Rezept dazu kommt aus dem Südfrankreich-Klassiker von Schinharl und Zipprick. Für die Beignets wird ein Teig aus Eigelb, Mehl, aufgeschlagenem Eiweiß, Salz und Pfeffer und etwas sprudligem Mineralwasser vorbereitet. Darin werden die Blüten geschwenkt und dann in heißem Öl ausgebacken.

Damit es nicht zu mächtig wird, passt eine Tomatenvinaigrette dazu, mit Anchovis, Kapern und frischen Kräutern. Etwas Brot und ein kühler Wein – was will man mehr!