Eier natürlich färben – mit Rotwein, Calendula und mehr

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Seit 21 Tagen ist unser physischer Bewegungsradius eingeschränkt. Wir haben uns daran gewöhnt, eine neue Alltäglichkeit aufgebaut, leben eine neue Form von Normalität und fühlen uns sehr privilegiert. 

Leben während der Confinement in Südfrankreich

Ab heute hat der Wochenmarkt in unserem Dorf wieder geöffnet, mit Sicherheitsvorkehrungen, die man sich so hätte nicht im Traum ausgemalt, aber es geht, wie so vieles dieser Tage. Die Französische Regierung hat nun eine elektronische Variante der Attestation de déplacement dérogatoire zur Verfügung gestellt und das ständige Ausdrucken von Papier zum Ausfüllen entfällt. 

Nach einer Woche mit 12 h -Tagen online am Schreibtisch und viereckigen Augen abends, habe ich das Wochenende dazu genutzt, Ostereier zu färben und mich gedanklich auf ein paar Tage ohne viel Arbeit einzustellen. 

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Heil-und Wildkräuter für Küche und Kosmetik 

Unsere Rundgänge durch die Garrigue sind das pralle Eintauchen in den Frühling. Es blüht allerorts. Für die Ostereier und eine neue Seifenproduktion wanderten neben Rosmarin und Thymian auch Calendula und Kamille in den Korb. 

Ostereier natürlich färben – was funktioniert hat

Zum Färben von Ostereiern hatten sich für mich bisher Zwiebelschalen und Rote Bete bewährt. Nun habe ich Rosmarin-Nadeln und-wurzeln, Calendula-Blüten, Kurkuma und Rotwein probiert.

Ich nehme es gleich vorweg – der Rotwein war der Gewinner und brachte das für mich schönste Färbe-Ergebnis – wer hätt’s gedacht 😉 

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Auch Calendula und Kurkuma haben sich sehr hübsch entwickelt. Kurkuma gibt, je nach Dosierung, eine Färbung zwischen gelb und dunkel-orange, Calendula ein helles Gelb. Leider haben die Rosmarin-Nadeln trotz dem Einweichen über Nacht nicht funktioniert. Sie geben wohl nicht genügend Farbstoff ab. Rosmarin-Wurzeln geben einen rosafarbenen Sud, der weiße Eier leicht färbt. 

Überhaupt und wohl auch logisch nachvollziehbar – weiße Eier scheinen die Farbe intensiver anzunehmen. Die hier genutzten waren alle braun, sodass alle Farben dunkler und erdiger wirken. 

Für den Sud habe ich 40-60 g Kurkuma bzw. ca. 100 g Calendula genommen auf 1 l Wasser, dazu 1 EL Essig. Über Nacht stehen lassen, dann aufkochen und die Eier darin für 15 min kochen. Im Anschluss abschrecken, abtrocknen und mit Olivenöl einreiben. 

Die Eier mit Rotwein zu färben war das Einfachste. 1 l Rotwein zum Kochen bringen, 1 EL Essig dazu und die Eier ebenfalls für 15 min kochen. Im Anschluss abschrecken, abtrocknen und mit Olivenöl einreiben. 

Löwenzahn werde ich in den kommenden Tagen für Aufgüsse trocknen, Calendula kommt in die Seifen und Heilbalsam. 

Bonne semaine!

Frühlingsfrisches aus dem Süden Frankreichs

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In unserem Süden – in den Hügeln der Corbières – frühlingt es schon gewaltig und ebendieser lässt sein blaues Band wie wild flattern. Auch wegen der Tramontana, die noch kräftig um die Ecken fegt und die Hände kühlt, die doch so gern schon die wilden Spargelspitzen pflücken wollen. 

Nächste Woche beginnt aber zunächst die Fastenzeit und auch wir werden uns wieder einige Tage innerer und äußerer Einkehr gönnen und nicht mehr Nützliches entlassen, Adieu sagen und Platz machen für alles Neue, Helle, Erfrischende und Lebendige.

In der Vorfreude auf das Danach habe ich auf dem Teller schon einmal Geschmack und Farbe zusammengebracht – garniert mit einer „Tut-uns-Gut“ Gewürzmischung aus chardon-Marie, Fleur de Sel und Piment d’Espelette, dazu getrocknete Kapern und Meerrettich. 

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Weinbergrauke-Frühling-Strauß-Confiture-de-vivre

Seit geraumer Zeit sind mir Wildkräuter, Saaten und Heilpflanzen Begleiter in allen Lebenslagen, im Besonderen bin ich auf den Spuren nach deren kulinarischer Verwendung. So bin ich auf die Weinbergrauke gestoßen, die hier wieder opulent zwischen den Rebzeilen zu finden ist. Die ist dem gemeinen Rucola verwandt und kann ebenso verzehrt werden. Aber sie bringt viel mehr Gaumenfreude! Wild-aromatisches, lebendiges, frisches Grün, das wir auf unseren Wanderungen ernten und – man mag es kaum glauben – bis vor wenigen Jahren noch gnadenlos den Unkrautvernichtern zum Opfer fiel. Was ein Glück, dass es mittlerweile ein Umdenken gibt und Biodiversität im Alltag und im Weinbau angekommen ist. Die Weinbergrauke enthält reichlich Bitterstoffe, die nach einem langen Winter, frugalen Schlemmereien und Co. eine echte Hilfe für Leber und Galle sind. Wer möge da nicht den Zusammenhang erkennen, weshalb es dieses Kraut so gemütlich im Weinberg findet 😉 

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Ein ebenso wunderbares Pflänzchen ist die chardon-Marie oder artichaut sauvage, in Deutschland bekannt als Mariendistel. Diese wird auch Milchdistel genannt. Der Legende nach soll Maria beim Stillen ein wenig Milch verloren haben, die auf die Distel getropft ist und dort weiße Spuren hinterließ. Man bekommt sie als Extrakt zum Einnehmen oder verwendet die Blätter. Für die Küche ist die Saat eine wahre Entdeckung. 

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In Frankreich heißt sie auch artichaut sauvage, wilde Artischocke, da die Blätter und auch das Bittere im Geschmack ähnlich sind. Die chardon-Marie ist eine echte Leber-Schützerin, wirkt reinigend und unterstützt die Galle. 

Für die gekochten Eier gebe ich eine Mischung aus körnigem Frischkäse mit etwas Crème fraîche als Basis auf den Teller. Mariendistel Saat wird in der Mühle fein gemahlen und mit Fleur de Sel und Piment d’Espelette gemischt. Das gibt die Würze. Dazu kommen frisch geriebener Meerrettich und getrocknete Kapern. Für etwas Grün sorgt Feldsalat, der eine einfache Vinaigrette genießt. 

So kann sich der Körper sanft und kräftigend auf den Frühling einstellen und wird zusätzlich unterstützt. Und dann darf es auch wieder ein Gläschen frischer Picpoul de Pinet dazu sein.

Bon app

zum Apéritif – œufs mimosa mit Wasabi Crème fraîche

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Als Kind hatte ich einen Hund, einen Zwergschnauzer. Chipsy war nicht nur höllisch intelligent und sehr gelehrig, nein, er war auch ein Gourmand. Wir verstanden uns ohne große Worte. Stand das Essen auf dem Tisch, tauschten wir einen kurzen Blick aus, und ich konnte gut abschätzen, ob ihm ähnlich der Zahn tropfte wie mir. Er war wählerisch und verstand es, sich auf’s Wesentliche zu konzentrieren. Er fraß den Käse lieber ohne Stulle und auch beim Fleisch zeigte sich seine wahre kulinarische Kompetenz. Eine ganz Reihe frugale Geschichten haben wir zusammen erlebt, eine davon ist die von den gefüllten Eiern. Weiterlesen

Œufs en cocotte oder – wie zaubere ich noch fix eine hübsche Idee zum Osteressen

Die letzten Tage war ich beruflich wieder ordentlich „on the road“ – von einem zum anderen Auftraggeber, auf der Strecke gelegen und wieder Fusseln an den Mund gequatscht – was der Job nun mal so mit sich bringt.

Wenn ich an solchen Tagen nach Hause komme, passiert nicht mehr viel Weltbewegendes – einfach nur noch die Dienstklamotte abwerfen, in die Schluffi-Hose steigen (ja, ich brauch das manchmal und es belästigt das Auge meines Mannes nicht – er hat auch eine und ich liebe sie) und was schönes Essen.

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Nizza-Salat zum Ersten

Vor einigen Tagen hatte Confiture de Vivre den ersten Geburtstag – ein Jahr Blogging über Land und Leute, Essen und Trinken, Restaurantbesuche und viele andere Dinge der süßen Seite des Lebens. Wenn das nicht Grund zum Feiern ist!!!

Das Bloggen ist mir zur Passion geworden und beeinflusst mein Leben in vielerlei Hinsicht. Ja, ich möchte sagen, ich ziehe daraus Kraft, Energie und Kreativität für das Leben an sich.

Da man sich als Geburtstagskind immer etwas wünschen darf, wünsche ich mir noch mehr Austausch. Ich sehe viele Besucher hier bei Confiture und bin so neugierig, was sie zu sagen haben, möchte Erfahrungen teilen und Anregungen bekommen.

Nun, zum ersten Geburtstag hab ich mir und meinem Liebsten eine Kleinigkeit zubereitet, einen Snack, natürlich französisch inspiriert – auch meine Obsession fürs Gallische ist über das Jahr weiter gewachsen- einen Nizza – Salat oder viel schöner „La Salade Niçoise“.

Bild: Georgette Simon

 

Der Nizza-Salat ist auch so ein Urgestein aus dem Süden Frankreichs. Ob er tatsächlich zuerst in Nizza zubereitet wurde, daran scheiden sich die Geister. Auch über die Zutaten ist man sich nicht abschließend einig. Klar ist, dass der große Meister Auguste Escoffier 1903 in seinem Guide culinaire ein Rezept erwähnte. Es bestand unter anderem aus gekochten Kartoffeln, Tomaten, Sardellen, schwarzen Oliven, grünen Bohnen und Kapern.

So, und da fängt meine Beziehung zum Salade Niçoise an. Ich war in meiner Kindheit bestimmt kein Suppenkasper, in unserer Familie wurde streng darauf geachtet, dass gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Bis auf Kartoffeln und Tomaten hätte man mich allerdings mit allen genannten Zutaten jagen können – und zwar weit!

Wie konnte aus der übergroßen Abneigung gegenüber aller Ingredienzen eine langanhaltende „Liebesbeziehung“ werden?

Die Geschichte ist schnell erzählt.

Den ersten und bisher allerbesten Nizza-Salat habe ich in einer kleinen, rumpligen Kaschemme in Agde gegessen. In Frankreich wird man nämlich gern überrascht. Wir lernten über die Jahre, dass ein heruntergekommenes Äußeres von Cafés, Landgasthöfen und Restaurants nicht für die Qualität der Küche steht und mit kulinarischen Offerten der besonderen Art gepunktet werden kann.

Im Gegensatz dazu erlebten wir auch schon, dass das beste Haus am Platz einem nach dem Verzehr seiner Speisen noch lange in (übler) Erinnerung bleibt.

Es gab also Nizza-Salat zum Geburtstag, mit allem Drum und Dran.

Knackige grüne Bohnen bildeten den Auftakt.

Dazu kamen schwarze Oliven, früher undenkbar, heute eine meiner heißgeliebten Zutaten.

Und zur Feier des Tages habe ich an Stelle der „normalen“ Hühnereier, Wachteleier genommen. Die sehen in ihrer Kleinheit einfach so bezaubernd aus und schmecken auch köstlich.

Alle anderen wichtigen „Salat-Ausmacher“ waren natürlich dabei: gekochte Kartoffeln, Anchovis, Thunfisch, Tomaten, Blattsalat, Paprika, grüne Gurke und Zwiebeln. Das Dressing habe ich einfach gehalten, mit Zitronensaft, Olivenöl, etwas Dijon-Senf, Salz und Pfeffer.

Ich freue mich auf das nächste Jahr mit und für Confiture de Vivre, Joyeux Anniversaire!