Confiture für Fortgeschrittene

Mein Mann und ich begehen heute unseren ersten Hochzeitstag, man nennt dieses erste Jubiläum auch Papierene Hochzeit, da wohl die Ehe zum aktuellen Zeitpunkt noch so dünn und rissig wie Papier sei. Nun, darüber lässt sich streiten, die Bezeichnung scheint aus einer Zeit zu stammen, zu der man sich eingangs der Ehe noch nicht lange erprobt hatte (in wilder Ehe haben wir schließlich schon 8 Jahre die
Reißfestigkeit und Langlebigkeit unserer Verbindung geprüft).

Nun, so wollten wir den Tag nach ausgiebigem Rosé-Prickelwasser-Frühstück gebührlich zelebrieren. Ein zünftiges Geo-caching mit anschließendem Besuch einer ebenso zünftigen Lokalität zum Mittag-Brot erschien uns passend. Unser Weg führte durch unsere schöne Saalestadt Richtung Jenzig, den wir schon lange nicht mehr besucht haben. Erinnerte das Wetter heute morgen eher an einen, wenn auch schönen, Herbsttag, für unsere Schatzsuche war es genau richtig. Das Geo-Caching ist wirklich eine feine Sache und belebt einen, sonst eher banalen Spaziergang, ungemein. In Anbetracht der Tatsache, dass mein Holder und ich, dem zweckfreien Müßiggang eher wenig abgewinnen können, ist das eine Freizeitaktivität nach unserem Gusto.

Der Mons zeigte sich gnädig und ließ es zu, dass wir auf unserem Weg das geheime Lager loggen (so heißt das in Caching-Sprech) und uns in die Liste der glücklichen Finder eintragen konnten.

Die neue Gastlichkeit des Jenzighauses überzeugte uns und übertraf sogar unsere Erwartungen um ein Vielfaches. Die Bedienung freundlich und zuvorkommend, die Speisen sehr frisch und äußerst lecker (ich empfehle spontan die wirklich hausgemachte Sülze mit knusprigen Bratkartoffeln) und das alles flott für den hungrigen Wandersmann und die Frau.

Der Rückweg brachte einen weiteren Schatz zutage und mir etwas Arbeit im Nachgang. Die Kornelkirschen sind schon reif und warteten darauf, gepflückt zu werden.

Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, das Rezept für die Kornelkirschen-Confiture schon im Kopf und den nächsten Wildbraten im Herbst (Waidmann’s heil) vor dem inneren Auge, wurde am Wegesrand gezupft. Die kluge Frau hatte vorgebaut und ein Tütchen für den Transport dabei.

Die Kornelkirschen sind zu unrecht verkannte Früchtchen. Ja, sie sind sehr herb und säuerlich und der wenig geübte Gaumen verschmäht sie gern. Roh sehen sie schöner aus als sie schmecken, von sattem rot, mit festem Fleisch, knackig und doch filigran.

Wenn man sie entsprechend verarbeitet, z.B. zu einer Confiture, und schickt ihnen etwas lieblichere und weniger säuerliche Begleiterinnen mit, dann kann was draus werden. Es bleibt ein Aufstrich für Fortgeschrittene, ohne Zweifel, doch ein Herantasten und Probieren lohnt sich. Ich habe die Korneln mit roten Johannisbeeren, Himbeeren und ein wenig Langpfeffer als Confiture eingekocht.

Nicht nur zu Fleisch auch in Verbindung mit einem kräftigen, standhaften Käse kann ich mir die Kornelkirschen-Confiture gut vorstellen.

paradiesische Grillfreuden im Strandgarten

In schöner Regelmäßigkeit ist jetzt im Sommer ein Besuch in J.Kinski’s Strandgarten angesagt. Idyllisch an der Saale hellem Strande gelegen, gibt es nunmehr wöchentlich Grillfreuden der unterschiedlichsten Art.

Feinste Tranchen von der, bei wenig Hitze gegarten, Rinderhüfte versprachen an diesem Wochenende, ein saftiger Gaumenschmaus zu werden. Natürlich durfte das Rindviech vorher um die Ecke weiden und wurde nicht etwa mit dem Sonderzug aus Pankow angekarrt. Ja, überhaupt verschreibt man sich die Köche, der versierten, kreativen und äußerst fleißigen Mannschaft, den regionalen Zutaten – und das ist auch gut so! Gar nicht langweilig, sondern mit viel Raffinesse wurden die Ingredienzen auch diesmal zusammengestellt.

Crossover, euro-asiatisch, eurasisch kamen die Speisen daher.

So frohlockte neben dem zarten, auf der Zunge zergehendem Fleisch ein zünftiger Kartoffelsalat, wunderbar abgeschmeckt mit frischem Korinadergrün und roten Zwiebeln.

Ebenso frisch und gar nicht aufftragend war der Reissalat mit süß-fruchtiger Mango und Avocado. Der frische, leichte Gurkensalat als kleiner Begleiter war eine Wucht.

Als bekennender Dessert-Junkie wurde ich wiederum verzaubert. Ein beerig-frischer Mohn-Cheese-Cake traf im heißen Gläschen mit kühlem Softeis aufeinander und rundete das sehr gelungene Samstag-Abend-BBQ ab.

Über alle Maßen freundlich und flink bringen die lieben Helferlein Speis und Trank zum Gast, dabei gern auch mit kurzem Smalltalk, wie man es sich wünscht und mag. Die Großmeister des Fleisches sind auch nicht auf den Mund gefallen und gern bereit zum Küchenklatsch mit Neugierigen.

Bis auf ganz bald!

P.S. Leider sind die Sommer in unseren Breiten immer viiiiel zu kurz…

zwischen Hochrippe und Hüfte

Leckeres Roastbeef hatte mein Mann gekauft und so gab’s Männerfleisch, bei niedriger Temperatur gegart, sodass es noch schön rosa innen ist. Ich liebe es auch, eigentlich mag ich Fleisch auch richtig blutig oder ganz roh(oh, ich denke gerade an ein leckeres Rindertartar, mit Kapern und Sardellen).

Mitte der Woche hatten wir schon einmal kräftig Fleisch, sehr köstlich mit mediterranem Kartoffelsalat bei unseren Freunden in J. Kinski’s Strandgarten.

Ganz passend  zum Roastbeef fand ich einen katalanischen Brotsalat. Dazu braucht man etwas altbackenes Brot. Dieses wird in dicke Scheiben geschnitten und dann gewürfelt. In der Pfanne knusprig rösten. Tomaten klein schneiden, Kapern, Oliven, 2 Anchovis und ordentlich frische Kräuter dazu (Salbei, Rosmarin, Thymian, Blattpetersilie, Basilikum), mit Öl und Essig, Salz und Pfeffer abschmecken, gern auch einen winzigen Schluck Banyuls und fertig. Dann das Brot untermengen und schon ist der Salat fertig. Das Fleisch hatte ich vor dem Anbraten mit grobem Pfeffer gewürzt. Nach dem Garen nur ein wenig Fleur de Sel darüber streuen, alles andere wäre zu viel. Das Fleisch auf dem Salat anrichten und schmecken lassen.