Olivenbrot mit gefüllten Zucchiniblüten

„Das brauche ich gar nicht erst probieren. So wird das nichts!“ Ich könnte heulen, helfen wird es wohl trotzdem nichts. 

„Was jammerst du denn?“ 

„Ach man, das ist doch zu blöd!“ Noch ein ganz kleines bisschen wimmern und der Gatte nimmt mich bestimmt auf den Schoß. 

Wir stehen beide in der Küche an der Tür nach draußen. Der obere Teil der Tür, die hier Porte fermière genannt wird und zu der ich gern Pferdetür sage, steht weit geöffnet. Der Himmel ist verhangen von dichten, fett mit Feuchtigkeit gefüllten Wolken. Die Luft hängt schwer über unserem Dorf. Von Süden droht bereits weitere klamme Düsternis. 

„Das Brot kann ich vergessen.“ Richtung Süden sieht man kaum noch unsere Katharerburg Château d’Aguilar. Ins wabernde Dunkelgrau ist sie eingepackt, kaum sichtbar die alten Mauern. Ich wende mich zu meiner Arbeitsfläche in der Küche. Küchenwaage und Mehltüte stehen stramm und warten auf ihren Einsatz.

„Der Marin macht mich echt fertig. Immer rauscht er genau zur unpassenden Zeit ran.“ Mir klebt meine Bluse schon am Körper. Dass der Wind s schnell dreht, war nicht vorherzusehen. Auch la météo hat nichts gemeldet. 

„Ja, mit einer krachenden Kruste wird’s wohl nichts werden.“ Der Liebste zuckt die Schultern. „Aber dir fällt bestimmt was ein.“ Er grinst. „Und das wird bestimmt auch sehr lecker.“ Seine Vorfreude ist nicht zu übersehen. 

Wenn der Wind von Süden kommt, vom Meer, dann bringt er uns regelmäßig hohe Luftfeuchtigkeit, labbriges Baguette und mir schlaff runter hängende Haare. 

„Dann wird aus Kruste einfach fluffig, oder?!“ Ich bin wieder obenauf, gerade ist mir die Idee gekommen. Anstatt ein knuspriges Brot zu backen, werde ich ein weiches, flauschiges Olivenölbrot backen, mit schwarzen Oliven und einem frischen Belag. 

Die Zucchiniblüten lachen verheißungsvoll aus der Schüssel. Ziegenfrischkäse ist auch noch da. Zusammen mit Pistou, einer würzigen Kräutersauce, ähnlich dem italienischen Pesto, gibt das eine schmackhafte Füllung. Nur kommt an ein Pistou kein Käse. Die gelben Zucchini sind küchenfertig gepickelt. Schon einige Tage zuvor habe ich die mit Muscat de Rivesaltes Essig und Salz eingelegt. 

Das griffige Weizenmehl Blés de variétés anciennes von Les Maîtres de Mon Moulin ist genau richtig für ein solches Brot. Herrlich wird der Teig aufgehen und sich dann zu einem gleichmäßigen Teig verkneten lassen. Die Mischung aus alten Weizensorten macht sehr bekömmliches Brot. Der Brotteig bekommt reichlich Olivenöl und eine Handvoll klein gehackte schwarze Oliven ohne Stein und bekommt dadurch Kraft. 

Der Belag kann ganz nach Geschmack aussehen. Im Sommer sind Tomaten und Anchovis wunderbar. Dann passt das Brot auch gleich zu einem Apéritif.

Rezept für das Olivenbrot
Zutaten für ein Brot für 4 Personen zum Apéritif
300 Weizenmehl 
1 TL Zucker
1 TL Salz
1 Hefewürfel 
4 EL Olivenöl
150 ml lauwarmes Wasser
1 Handvoll schwarze Oliven ohne Stein, gehackt 

 

Zubereitung

Mehl mit Zucker und Salz in einer Schüssel mischen. Die Hefe zerbröseln und in 150 ml lauwarmen Wasser auflösen, dann zum Mehl geben. Olivenöl zugeben und alles zu einem glatten Teig kneten. Zugedeckt mindestens 30 Min., besser noch 1 Stunde, gehen lassen.

Backofen auf 220 Grad Ober-/ Unterhitze (Umluft: 200 Grad) vorheizen. Die gehackten Oliven zum Teig geben, dann den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche durchkneten. Zu einem 2-3 cm dicken Fladen ausrollen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und zugedeckt weitere 15 Min. gehen lassen.

Fladen belegen und noch etwas Olivenöl darüber geben. 

Für ca. 20 Min. backen. Die Backzeit kann variieren, je nachdem, wie der Backofen arbeitet.

Aus dem Ofen nehmen und lauwarm servieren. 

Bon appétit!

 

 

 

 

Salat mit Wildspargel, wildem Rucola, Limonomedica und geriebenem Ziegenkäse demi-sec

C’est le printemps! Es ist Frühling! Spätestens Anfang März seit sich die ersten wilden Spargelspitzen durch ihr stachlig-kratziges Gestrüpp gekämpft haben, ist hier in unserem Dorf allen klar – der Frühling ist da.

Während ich im Homeoffice sitze, wandern draußen schon die ersten Handvoll Spargel vorbei, getragen von stolzen Pflückerinnen. Das heißt für mich, ab nach draußen in die Garrigue, wenn es um Wildspargel geht, schenkt man sich hier nichts. Als wir das Haus kauften, zeigte mir der Makler die Stellen um unser Haus, wo vereinzelt Spitzen sprießen. Verraten hat er seine Stellen nicht, nur, dass sein Omelette tellement très bon sei. 

Das hat mich erst so richtig rausgefordert, long Story short – ich habe seit zwei Jahren meine eigenen Geheimplätze ☺️ Besonders viel Gestrüpp rundherum schützt oft vorm Finden und hält die Vorsichtigen ab. Ich sehe wie ein Luchs und tune meine Augen auf Spargel-Blick. 

Nach unserem zehntägigen inneren Frühjahrsputz gelüstet es mich noch mehr nach viel frischem Grün, am liebsten selbst gepflückt und ohne viel Schnick-Schnack. Eindrücke aus dem Fasten-Tagebuch teile ich hier.

Anfang März stand der letzte Korb Zitrusfrüchte dieser Saison von Agrumes Bachès vor meiner Tür und in ihm auch die Limonomedica. Die Kreuzung aus Zitrone und Cedrat mit aufgeworfener Schale ist mild und kann, in feine Scheiben geschnitten, roh gegessen werden. Im Salat schmeckt nichts frischer. 

Auch der Rucola treibt  sein wildes Unwesen in den Weinbergen. Ich bin so froh, dass hier die meisten auf Bio umgestellt haben und es in den Rebzeilen einfach wachsen darf. Die Senfnoten vom wilden Rucola ergänzen den Dreiklang mit Spargel und Limonomedica. Der Spargel bleibt roh, er ist so fein, dass alles andere ihn nicht besser werden lässt.

Viel Gewürz braucht der Salat nicht. Wenig Fleur de Sel, frischer schwarzer Pfeffer, Olivenöl und ein paar Spritzer Saft der Limonomedica. Von Pénélope hatte ich noch Ziegenkäse semi-sec, also halb getrockneten, im Käsefach. Über den Salat gerieben ist es ein Match made in Heaven. 

Vom Wildspargel hatte ich so viel gejagt, dass es am Ende noch für ein Omelette gereicht hat. Zusammen mit meiner Winzer-Freundin Katie stand ich in der Küche und sie hat die passenden Weine zum Omelette ausgesucht.  Morgens 8:30 Uhr haben uns 500 hungrige Menschen im Netz zugesehen beim Kochen und Wein degustieren. 

Wir hoffen, dass unsere Idee vom Picknick im Weinberg in der Zukunft eine Chance haben kann. Ich brenne darauf, mit Menschen auf Kräuterwanderungen meine wunderschöne Umgebung näher zu bringen und dann gemeinsam am Tisch Platz zu nehmen. 

On verra bien! 

 

 

Pizzette „support your local dealer“

Der Rundgang durch’s Dorf bleibt kurz, aber wichtig und herzerwärmend. Wir sind aufeinander angewiesen. Dieses Gefühl der Verbundenheit, der Solidarität, des Teilens eines gemeinsamen Schicksals, tut gut und stimmt positiv. Die Pizzette „support your local dealer“ ist für mich ein Stück Zurückgeben und Unterstützung in dieser herausfordernden Zeit. Wir gehen hier immer lokal einkaufen, aber jetzt bekommt es noch einmal eine andere Dimension. 

Unsere Baguette holen wir bei Sebastien, ohne zu Zögern hat er dem Gatten für einen Pizza-Abend 1 kg Brotteig mitgegeben, ein liebes Wort dazu gab’s obendrauf. Mein Weg führt mich zu Brigitte und Patrick, die die Fleischerei betreiben. Bei ihnen kaufe ich reichlich Saucisse. Die Oliven kommen von einer Winzerin, die auch eine beträchtliche Anzahl Olivenbäume hat und deren Öl hervorragend ist. Aus dem Nachbardorf stammt der Ziegenkäse, die Anchovis natürlich von der Familie Roque aus Collioure, den Rest liefert der Markt und die kleine Superette – ein Mini-Supermarkt. Dort haben im Moment immer nur 5 Personen gleichzeitig Eintritt, ansonsten wartet man draußen. Geht völlig problemlos, niemand murrt und knurrt. Wein bekommen wir von unseren Freunden. Katie und Jean-Marc stellen den einfach hinter’s Haus, wir dafür Bitterorangen-Confiture und eigens hergestelltes Desinfektionsmittel. Das brauchen die wirklich, es geht zur Abfüllung der Weine und dafür dürfen sogar die Abfüllen mit ihr Anlage anreisen. 

Wirklich berührt haben mich Nachrichten von Köchinnen und Köchen aus der gehobenen Gastronomie. Die Köche Guillaume Gomez und Stéphane Méjanès haben die Initiative „Les Chefs Avec les Soignants“ ins Leben gerufen. Die Restaurants sind geschlossen, aber sie kochen für die vielen Pflegekräfte und Ärzte. Fantastisch! Bravo!

Unsere zweite Woche der confinement, der Ausgangssperre, beginnt heute und ich hoffe, dass weiterhin alle die Nerven behalten. Unterstützt eure lokalen Händler, achtet aufeinander und passt gut auf euch auf. 

Prenez soin de vous!!!

 

 

Rosmarin-Flammkuchen mit Ziegenfrischkäse-Crème fraîche, Ziegenkäse und gegrillten Aprikosen aus Frankreich

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(enthält Werbung für den Französischen Obst-und Gemüseverband)

Und schon steht das Wochenende wieder vor der Tür. Zeit, sich Gedanken zu machen, was denn auf den Tisch kommt und was sich so unternehmen lässt. 

Wieso sich nicht den Sommer aus Südfrankreich auf den Teller zaubern und diesen Rosmarin-Flammkuchen mit Ziegenfrischkäse-Crème fraîche, Ziegenkäse und gegrillten Aprikosen aus Frankreich servieren? Langer Name, einfaches Rezept, versprochen! 

In den vergangenen zwei Wochen habe ich wieder eine Menge über Aprikosen aus Frankreich gelernt. So habe ich die Héléna und die Rouge du Roussillon näher unter die Lupe genommen oder besser gesagt, Unmengen davon gegessen.

Aprikosen-aus-Frankreich-Rouge-du-Roussillon

Aprikosen-aus-Frankreich-Sommerliebe-frisch-Confiture-de-vivre-Südfrankreich

Sommerliebe pur – süß, saftig und frisch

Da hat man den Sommer pur auf der Zunge und sofort 1000 weitere Rezeptideen im Kopf. Auch aus dem Anbaugebiet im Gard und dem Vallée du Rhône-Baronnies kommen aktuell schmackhafte, süße und frische Früchte. 

Hier, ganz im Süden wird die Aprikose jedes Jahr gefeiert. Die Fête de l’abricot hat im Juli immer ihren großen Auftritt im Örtchen Rivesaltes. Es gibt ein Aprikosen-Wettessen und eine riesige Abricotade – eine Art Sommerbowle mit reichlich frischen Aprikosen. Bei den Temperaturen ist die einzige Beschränkung, nicht zu viel davon zu trinken 😉 

Dazu wird die Sardana getanzt, ein traditioneller Gemeinschaftstanz, zu dem am Ende immer ein großer Kreis aus vielen Tänzerinnen und Tänzern entsteht und der zum Mitmachen animiert.

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Sardana-Tanz-Aprikosen-aus-Frankreich-Fete-de-labricot-rivesaltes

Rezepte mit Aprikosen aus Frankreich

Dann darf es auch die Sommerbrause mit Aprikosen-Rosmarin-Sirup sein und als kleiner Starter in ein sommerliches Menü die Tartines mit Frischkäse-Comté-Crème, Pinienkernen und Aprikosen-Bienchen. Alle Rezepte sind super mit Kindern zuzubereiten, Kinder lieben es, den Flammkuchenteig zu kneten und die Kräuter zu zupfen. 

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende und 

bon appétit!

Rosmarin-Flammkuchen mit Ziegenfrischkäse-Crème fraîche, Ziegenkäse und gegrillten Aprikosen aus Frankreich
Serves 4
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Prep Time
1 hr
Cook Time
1 hr
Prep Time
1 hr
Cook Time
1 hr
für den Rosmarin-Flammkuchen-Teig
  1. 12 g frische Hefe (1 Würfel)
  2. 370 g Mehl (Typ 405)
  3. 150 ml Buttermilch
  4. 4 EL Olivenöl
  5. 3-4 Zweige Rosmarin
  6. Salz
für den Belag
  1. 250 g Crème fraîche
  2. 80 g Ziegenfrischkäse, z.B. Picandou
  3. Salz, Pfeffer
  4. 8 Aprikosen aus Frankreich
  5. 3-4 EL Olivenöl
  6. 150 g Ziegenkäse, z.B. Sainte Maure oder Ziegen-Camembert
  7. einige Zweige Zitronen-Thymian und Basilikum
für den Flammkuchenteig
  1. (K) Die Hefe in 50 ml warmem Wasser auflösen.
  2. (K) Die Blättchen vom Rosmarin abzupfen.
  3. (K) Rosmarin-Blättchen hacken.
  4. Mit Mehl, Buttermilch, Olivenöl, 1 TL Salz und Rosmarin zu einem glatten Teig kneten. An einem warmen Ort ca. 1 h gehen lassen.
für den Belag
  1. (K) Crème fraîche und Ziegenfrischkäse in einer Schüssel zu einer Crème verrühren.
  2. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eventuell etwas Olivenöl hinzugeben.
  3. (K) Die Aprikosen waschen, abtrocknen, halbieren, den Stein entfernen.
  4. Die Aprikosenhälften auf der Schnittfläche in der Grillpfanne grillen, dann beiseite stellen.
  5. (K) Den Ziegenkäse zum Belegen in kleine Stücke schneiden oder zupfen.
  6. (K) Einige Blättchen von den Kräutern abzupfen.
Zubereitung Flammkuchen
  1. Den Ofen auf 250 Grad vorheizen.
  2. (K) Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  3. Den Teig in vier gleich große Stücke verteilen oder für kleinere Portionen jeweils eine Handvoll abteilen.
  4. (K) Den Teig ausrollen, mit der Crème bestreichen, etwas Ziegenkäse darauf verteilen. Die Aprikosenhälften mit der Schnittfläche nach oben darauf legen.
  5. Für ca. 8 min im Ofen backen.
  6. Herausnehmen, mit den Kräutern bestreuen und servieren.
Notes
  1. Alle mit (K) gekennzeichneten Rezeptschritte können prima von Kindern ausgeführt werden.
Confiture de Vivre https://www.confiture-de-vivre.de/

Erbsen-Spargel-Ziegenkäse Tartines

rezept-französisch-tartines-spargel-erbsen-ziegenkäse-confiture-de-vivre

Die Sonne lockt derart nach draußen, dass es nun endlich wieder Zeit für einen Apéritif an der frischen Luft wird. Ich sehne mich nach Plaudern im Garten, mit lieben Nachbarn, sonnengewärmter Haut und einem leicht gekühlten Wein mit einem passenden Häppchen. Alles das und einen Gewinn für 6 Glückliche habe ich hier zu bieten. Die Erbsen-Spargel-Ziegenkäse Tartines sind ein Rezept, dass sich so leicht und im Handumdrehen vorbereiten lässt, dass man noch genügend Zeit hat, beim Weinhändler des Vertrauens ein gutes Tröpfchen auszusuchen.  Weiterlesen