Leben in Südfrankreich und ein Frühlingssalat

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Noch immer kommt es uns an manchen Tagen unwirklich vor. Unwirklich und gleichzeitig so normal, wie morgens Zähne putzen oder Teewasser aufsetzen. 

Unser Leben in Südfrankreich ist wahr, real, zum Anfassen und Kneifen, spürbar jeden Tag auf’s Neue – beim Weg zum Bäcker, zum x-ten Mahl in der Autowerkstatt – ich kann mittlerweile sehr gut über Bremsscheiben und Radmutternschlüssel parlieren – oder wenn wir mit Freunden zum Feiertag bei einem gemeinsamen Barbecue sitzen. Unser Haus hält uns sicher, die Mauern tragen uns, auch wenn die Tramontana mit mehr als 100 km/h vom Mont Tauch runterrennt. 

Ein Leben, das wir hier noch mehr im Wechsel der Jahreszeiten füllen. Holz machen, vorsorgen für den kommenden Winter, Kräuter sammeln und eben das essen, was auf dem Markt gerade angeboten wird. Ich will nicht alles von hier schön reden und alles in Deutschland schlecht, aber es ist erstaunlich, in welcher Qualität selbst auf dem kleinsten Dorfmarkt Obst und Gemüse angeboten und darüber gesprochen wird 😉 So viel Zeit muss sein!

Wir leben hier, mit ähnlich viel Arbeit wie in Deutschland, und trotzdem ruhiger und entspannter. Die Mittagspause darf auch eine Stunde sein, es gibt ein Glas Wein dazu und wenn der Nachbar gerade um die Ecke biegt, wird ein kurzer Schwatz gehalten. (Der sowieso immer sagt, wir wären verrückt, weil wir so viel arbeiten…) 

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Erstaunlich und für mich die helle Freude, ist alles das, was hier von allein, ohne jegliches Zutun, wächst. Aus den Ritzen vom Haus wachsen die aromatischsten Fenchelpflanzen, die ich jemals gegessen habe. Erstaunlich noch viel mehr, dass der Gatte, sonst hochallergisch auf ebendiesen, ihn ohne jede Nebenwirkung genießen kann. Löwenzahn und Calendula sind zart und intensiv, Rosmarin und Thymian sowieso. 

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Und so muss ich nur mit dem Messer vor die Haustür treten und mein Körbchen füllen, um uns ein Essen auf den Tisch zu zaubern. Nach einer 8-tägigen Fastenkur schmecken und riechen wir alles noch viel intensiver als vorher, gleichzeitig ist das Bedürfnis groß, nur wenig und ausgewählt zu essen. Eigentlich total einfach, viel Gemüse, das, was Saison hat und dabei vertrauen, das der Körper einem schon sagt, was er braucht und was gut tut. 

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Insofern ist hier gar nicht von einem Rezept zu sprechen, sondern in diesem Frühlings-Salat findet sich alles, was Markt und Umland zu bieten haben – Fenchel, Radieschen, Saubohnen, Löwenzahn, Basilikum. Ansonsten darf auch die Vinaigrette sehr sparsam ausfallen – Olivenöl, Zitronensaft, etwas Salz und Pfeffer, dazu gibt es ein ganz kleines bisschen Manouri-Käse – der natürlich nicht hinterm Haus wächst 😉 

Allen sei ein wenig Ermunterung geschickt, einfach mal zu machen und nicht so viel über Rezepte nachzudenken, sondern sich auf das gute Bauchgefühl zu verlassen, damit liegt man meistens richtig. 

Bon appétit! 

 

 

 

knackiger Wintersalat mit Apfel, Persimon und Fenchel

knackiger-Salat-mit-Apfel-Persimon-FenchelZu oft vergesse ich über der Arbeit, eine Mittagspause zu machen. Gar nicht gut und gar nicht passend, wo Essen doch meine Leidenschaft ist. Wenn mir dann, irgendwann gegen 14 Uhr einfällt, dass mein Frühstück schon 7 Stunden zurück liegt, muss es meist schnell gehen. Unterzuckerung lässt mich und meinen Magen knurrig werden. Gerade jetzt braucht man nicht nur etwas vitaminreiches, noch besser ist es, wenn das, was man auf dem Teller hat, auch noch ein bisschen gegen das Einheitsgrau hilft. Ein knackiger Wintersalat mit Apfel, Persimon und Fenchel kann da Wunder wirken. Weiterlesen

sleepless nights – und eine Fenchel-Käse-Suppe

Was kann man schlaflosen Nächten Gutes abgewinnen? Ich zunächst nicht viel – tauchen sie bei mir auf, ist der nächste Tag zumeist von minderer Qualität. Ich gehöre zu den Menschen, die, wenn sie nicht ihre 8 Stunden Schlaf abbekommen, eigentlich nicht auf dem Zenith der körperlichen Leistungsfähigkeit sind, von der geistigen wollen wir mal gar nicht reden. Weiterlesen

Mini-Patissons à la Catalane

Eigentlich hatte ich mich für eine Fenchel-Roquefort-Tarte entschieden. Doch dann sind mir auf dem Heimweg, beim Gemüsehändler des Vertrauens, die kleinen gelben Bischofsmützchen begegnet. Und sie riefen ganz laut: „Nimm uns mit, wir sind ganz heiß darauf, gefüllt und gegrillt zu werden“. Wer möge sich da erwehren und nein sagen – ich nicht. So durften die kleinen Patissons, die Zwergenausgabe des gemeinen Gartenkürbis‘, mit nach Hause.

An sich ist die Varietät des Cucurbita eher schnöde, neutral im Geschmack und ohne  eine gewisse Behandlung langweilig – von außen also mehr Schein als Sein aber mit der Option zu Größerem.

Zunächst habe ich alle Mützchen gekappt und die Gelblinge ausgehöhlt. Dabei sollte man vorsichtig ans Werk gehen, ansonsten hat man sie ratzfatz durchgeschnitten und es ist’s gewesen mit dem Befüllen.

Die Farce habe ich, getreu meiner Vorliebe und mit Ausblick auf einen baldigen Besuch, à la Catalane vorbereitet, also mit Anchovis, Kapern und rotem Paprika. Sie sollten den sommerlichen Abendbrottisch nicht allein zieren und so entschied ich mich für eine Escalivada, köstliches, leicht gesalzenes Grillgemüse aus dem Ofen.

Fenchel, Tomaten, Paprika und Zwiebeln werden dafür mit Rosmarin und Thymian, mit reichlich vom besten Olivenöl, im Ofen gegrillt.

Die Mini-Patissons brauchen mit ihren gefüllten Leibern nicht mehr als 10 Minuten (bei 180 Grad) im Ofen und auf dem Teller eine kleine, frische, süß-scharfe Tomatensauce mit etwas Salbei.

Ein wenig geröstetes Brot und ein Gläschen Wein machen den Abend perfekt.

Hallo Sommer, du kannst zurück kommen und am Tisch Platz nehmen, bon Appétit !