Hühnchen in Weißwein-Crème-Sauce mit Roquefort, Champignons und Reis aus der Camargue

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(der Beitrag enthält Werbung) Es herbstet kräftig und auch wenn wir dieses Jahr reichlich mit später Sonne beschenkt werden, ist es Zeit für wärmende Gerichte. Die Cocotte auf dem Gas ist gefüllt mit einem formidablen Hühnchen, das mit seinem Gütesiegel Label Rouge von bester Qualität zeugt, und möchte eine Liaison mit der Weißwein-Crème-Sauce mit Roquefort und Champignons eingehen. Die vergangene Reise durch die Provence und in die Camargue brachte neben eindrücklichen Erfahrungen auch ein ordentliches Paket Riz de Camargue ein, der das Gericht komplettiert. 

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Riz de Camargue IGP

Wir treffen Marc Bermond auf seinem Anwesen Les Montilles de Capette. Freundlich, zugänglich und stolz ist er, ein Gardian auch, der neben dem Reis Pferde und Stiere züchtet, ohne die die Camargue nicht die Camargue wäre. Mit dem Geländewagen geht es durch die Reisfelder. Es ist Ende September und die Ernte steht kurz bevor. Das Wetter hat es über das Jahr gut gemeint. Der Reis wird zwischen April und Mai gesät und gegen Ende September geerntet, abhängig von der Sorte. Neben dem bekannten roten Riz de Camargue, baut Marc auch braunen und schwarzen Naturreis an. Alles in Bio-Qualität, wobei er selbst das nicht für so entscheidend hält. Eine Selbstverständlichkeit ist es, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Wie er es sagt, lässt keinen Zweifel zu und wahrscheinlich würde es auch der Stolz und die Verbundenheit zu seinem Landstrich verbieten. Die Camargue ist nicht die Provence, auch wenn sie zum Département Bouche-du-Rhône gehört.

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Die Rhône ist es aber, die die Kanalsysteme zur Bewässerung der Reisfelder speist und dafür sorgt, dass der Reis les pieds dans l’eau et la tête au soleil hat – also die Füße im Wasser und den Kopf in der Sonne. Eine Herausforderung ist die Arbeit. Wasserstand und Temperatur wollen kontrolliert werden, um den Reis optimal wachsen zu lassen. Ohne das Süßwasser der Rhône würde die Camargue eine Salzwüste sein. Und das wissen sie hier, auch Marc betont das. Aber bei allem Fachsimpeln, Marc will zurück zum Thema Essen – was sonst. Henri IV soll bereits im 16. Jahrhundert seine Untergebenen aufgefordert haben, einen Reis in höchster Qualität anzubauen. Zu seinem Poulet am Wochenende wollte er eine wohlschmeckende Beilage. Dann war es eine ganze Weile sehr ruhig um den Reis, bevor Anfang der 1940er Jahre der Anbau wiederbelebt wurde. Wir sitzen kurze Zeit später zu Tisch bei Reis und Fleisch und was die Camargue so hergibt und erleben eine Gastfreundschaft der besonderen Art.

Der Reis der Camargue trägt die geschützte geografische Herkunftsbezeichnung IGP – L’indication géographique protégée. Nur Wenigen ist tatsächlich bekannt, dass in Frankreich Reis angebaut wird und das in so hervorragender Qualität. Besonders der rote Reis, der seine Farbe dem tonreichen Boden verdankt, ist Kennern ein Begriff. Die Kochzeit ist etwas länger, der Geschmack und die Aromen sind unvergleichlich – kräftig, nussig, warm-erdig duftend – genau passend zum Hühnchen in Weißwein-Crème-Sauce mit Roquefort und Champignons.

Hühnchen-label-rouge-gütesiegel-le-vrai-du-gout

Hühnchen-le-vrai-du-gout-Rezept

Geflügel mit Gütesiegel – Label Rouge 

Geflügel, das das Gütesiegel Label Rouge trägt, stammt aus Freilandhaltung. Die Bauern unterliegen in ihrer Arbeit strengen Kontrollen und müssen die Richtlinien eines offiziell verabschiedeten Lastenhefts erfüllen. 

Nicht immer leicht, wie wir im Gespräch mit einem kleinen Betrieb während einer Landwirtschaftsmesse erfahren. Häufig scheitert eine Zertifizierung gerade für kleinere Bauernhöfe, da die Kosten sich nicht amortisieren. Die Geflügelzüchter wollen hochwertige Ware anbieten und arbeiten quasi nach nach den strengen Qualitätskriterien, aber der Zugang zum Markt bleibt ihnen verwehrt. 

Wer kann, kaufe sein Geflügel am besten direkt beim Erzeuger. Gerade in Frankreich erleben wir immer wieder eine große Offenheit, wenn wir unser Interesse bekunden. Die Produzenten zeigen gern, wie sie arbeiten und machen kein Geheimnis darum. Möchte man in Deutschland Geflügel aus Frankreich kaufen und Perlhuhn, Huhn und Co. genießen, lohnt sich das Augenmerk auf das Siegel Label Rouge.

Champignons-Zwiebeln-le-vrai-du-gout

saisonales Gemüse  

Der Herbst duftet auch immer nach Pilzen – Steinpilze, Morcheln, bald auch wieder Trüffel und natürlich Champignons. Ob man nun im Wald selbst auf die Suche geht, auf dem Markt fündig wird oder im gut sortierten Supermarkt einkauft, auch hier lohnt sich ein kritischer Blick. In Frankreich kaufen wir restlos alle Zutaten bei Direkterzeugern. Selbst auf dem Markt empfiehlt es sich, nachzufragen, woher Obst und Gemüse kommen. Oft kaufen Händler auf dem Großmarkt ein. 

Roquefort AOP

Bei Käse sind wir sehr wählerisch und kaufen lieber sehr wenig aber in bester Qualität. Für einen Lieblings-Käse, den Roquefort gilt das auch. Der Käse aus Schafsmilch, der ursprünglich aus dem kleinen Dorf Roquefort-sur-Soulzon im Aveyron stammt, erhielt 1925 das AOC Gütesiegel als erster Käse überhaupt in Frankreich. Der Edelschimmel-Käse aus der Milch der Lacaune-Schafe ist sicher gewöhnungsbedürftig. Wessen Gaumen noch unerfahren ist, der wählt beim Maître Fromager einen Roquefort pas trop fort aus. Dann bekommt man einen milden Käse, der weniger bissig wirkt und ein guter Einstieg ist. 

Alle Zutaten beisammen! Ich serviere das Hühnchen in Weißwein-Crème-Sauce mit Roquefort und Champignons. Auf Instagram gibt es reichlich weitere Eindrücke unter dem Hashtag #legoutduvrai und #francebonappetit. 

Bon appétit!

Auch bei meinen Kolleginnen Maja, Simone und Tine gibt es ganz köstliche Rezepte mit französischen Zutaten. Unbedingt vorbeischauen! 

Dieser Beitrag entstand in einer Kooperation mit dem Französischen Landwirtschaftsministerium

Hühnchen in Weißwein-Crème-Sauce, Roquefort, Champignons und Reis aus der Camargue
Serves 4
ein weiteres Rezept - le goût du vrai
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Prep Time
45 min
Cook Time
1 hr
Total Time
1 hr 45 min
Prep Time
45 min
Cook Time
1 hr
Total Time
1 hr 45 min
Ingredients
  1. 1 Huhn ca. 1,5 kg
  2. 400 g Champignons
  3. 4 mittelgroße Zwiebeln
  4. 400 g Camargue Reis
  5. 3 EL Olivenöl
  6. 500 ml kräftiger Weißwein, trocken
  7. 200 g Crème fraîche
  8. 100 g Roquefort
  9. Salz, Pfeffer
  10. 1-2 Scheiben Baguette
  11. 1 Bund glatte Petersilie
Instructions
  1. Insofern das Huhn noch nicht küchenfertig zerteilt ist, das zuerst vornehmen.
  2. Die Zwiebeln schälen, in grobe Stücke schneiden. Die Champignons putzen und in Stücke schneiden.
  3. In einer Cocotte oder großen Pfanne die Zwiebeln in Olivenöl anschwitzen und dann die Hühnerteile dazu geben. Von allen Seiten anbraten. Dann mit dem Weißwein ablöschen und bei kleiner Hitze abgedeckt weiter köcheln lassen.
  4. In der Zwischenzeit den Reis mit Salzwasser ansetzen und kochen.
  5. Die Champignons in Olivenöl scharf anbraten und dann bei mittlerer Hitze langsam Farbe nehmen lassen. Mit wenig Salz und Pfeffer würzen. Beiseite stellen.
  6. Den Roquefort in kleinen Stücke bröseln. Zusammen mit der Crème fraîche zum Hühnchen geben. Gut verrühren. Zum Abbinden der Sauce 1-2 Baguette-Scheiben mitköcheln lassen.
  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Champignons dazugeben und erwärmen.
  8. Die Petersilie grob hacken.
  9. Reis und Hühnchen auf Tellern anrichten und mit der Petersilie bestreuen.
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karamellisiertes Kürbis-Maronen-Gemüse mit knusprigem Perlhuhn


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(der Beitrag enthält Werbung)

Wer in Frankreich auf einem Markt unterwegs ist, weiß, dass man zu jeder Jahreszeit aus dem Vollen schöpfen kann. Obst und Gemüse, Geflügel, Fleisch, Käse, Honig – es ist ein Schlaraffenland von Erzeugnissen bester Qualität. Seit Jahren sind wir landauf, landab unterwegs, um lokale Produkte zu entdecken, mit den Erzeugern ins Gespräch zu kommen und vor allem zu lernen. Zu lernen, wie Anbau oder Aufzucht ablaufen, wie Familienrezepte weitergegeben werden und auch, wie sich die französische Küche in den unterschiedlichen Landesteilen verändert, von länderübergreifenden Einflüssen geprägt wird und sich modernisiert. 

Mit schier kindlicher Neugier und Entdecker-Gaumen sind wir unterwegs und sind nach jedem Erlebnis ganz ergriffen vom Stolz der Menschen, wenn ihre Produkte anbieten, der Würde und dem Respekt, der Lebensmitteln entgegen gebracht wird und der hervorragenden Qualität, die nicht zuletzt auch ein Ergebnis der langjährigen Bemühungen und Etablierung von Gütesiegeln ist.

Das karamellisierte Kürbis-Maronen Gemüse mit knusprigem Perlhuhn ist ein einfaches Gericht, bei dem die einzelnen Zutaten für sich stehen dürfen und jetzt ganz prima in den Herbst passen. 

Kastanien und Maronen 

Im Parc naturel Haut Languedoc wachsen seit Jahrhunderten unzählige Esskastanien-bäume. Überraschend ist die Vielzahl an Sorten, auf dem Markt von St.-Pons-de-Thomières haben wir allein 12 Sorten gezählt und das waren noch nicht alle. Es gibt einen Unterschied zwischen Marrons und Châtaigne, über den hier, zusammen mit einem Rezept für Kastaniensuppe, zu lesen ist.

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Alles aus Esskastanien

Das Kastanienmehl ist äußerst nahrhaft und lässt sich gut im Kastanienbrot verarbeiten. Zusammen mit Rosenkohl waren sie in den Herbst-Tartines  ein echter Knaller. In Frankreich gibt es zu fast jedem Produkt auch ein Fest und so werden auch die Kastanien jedes Jahr an zahlreichen Orten gefeiert. Zur Fête de la Chȃtaigne reisen wir immer wieder gern, nicht nur wegen der köstlichen gerösteten Kastanien, sondern auch wegen des guten Biers, das daraus gemacht wird.

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Geflügel 

Beim Einkauf in Frankreich auf die Gütesiegel zu achten, ist gar nicht schwer. Geflügel, wie Perlhuhn, Enten und Gänse gibt das rote Label Rouge Auskunft und kennzeichnet Produkte, die von höherer Qualität sind und z.B. bei der Haltung auf einen extrem hohen Standard geachtet wird. Produkte mit diesen Kennzeichnungen gibt es auch im deutschen Handel.

Im Département Gers, einem ländlich geprägten Gebiet mit großer Geflügelzucht,  geht auf den Märkten nichts ohne den ansässigen Tierarzt. Vor dem Verkauf werden restlos alle Tiere, die zum Verkauf stehen überprüft. Erfüllt ein Produzent mit seinem Angebot die Kriterien nicht, darf die Ware nicht verkauft werden. Um einen fairen Verkauf sicher zu stellen ist auch immer die Gendarmerie vor Ort. Das wirkt womöglich befremdlich, aber die Einheimischen sind damit vertraut und sind mit den Verkäufern zusammen stolz auf die fantastische Qualität. So stellt man sich auch gern morgens zwei Stunden an, um beste Qualität zu bekommen. 

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Salz – Fleur de Sel 

Auf unserer Reise le goȗt du vrai, die mich mit meinen wunderbaren Kolleginnen Maja, Simone und Tine kürzlich durch Südfrankreich geführt hat, konnten wir auch die Salinen von Aigues-Mortes in der Camargue besuchen und die beeindruckenden Salzberge bestaunen. Kein Gericht kommt bei uns ohne eine gute Prise Fleur de Sel aus. 

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karamellisiertes Kürbis-Maronen-Gemüse mit knusprigem Perlhuhn
Aromenmischung für das Kürbis-Maronen-Gemüse und Marinade für das Perlhuhn

Kürbis und Maronen sind einfache, günstige Zutaten, die hier durch eine Aromenmischung ihren Auftritt bekommen. Das hier verwendete Olivenöl muss den strengen Richtlinien des AOP (Appellation d’origine contrôlée) Schutzsiegels genügen. AOP ist seit 2014 auch für Frankreich bindend, anstatt des früherem AOC (Appellation d’Origine Contrôlée). Der Honig trägt das Siegel IGP (Indication Géographique Protégée), Miel des Cévennes als geschützte geografische Angabe.

Die Marinade für das Perlhuhn lebt vom Moutarde de Meaux, einem grobkörnigen Senf, der schon seit 350 Jahren in der alten Mühle von Meaux hergestellt wird. 

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In Kürze wird es weitere Rezepte mit feinen Zutaten aus Frankreich geben. Bis dahin gibt es auch bei meinen Kolleginnen Maja, Simone und Tine sehr formidable Rezepte. 

Bon appétit!

Dieser Beitrag entstand in einer Kooperation mit dem Französischen Landwirtschaftsministerium.

karamellisiertes Kürbis-Maronen-Gemüse mit knusprigem Perlhuhn
Serves 4
einfach und köstlich - le goût du vrai
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Prep Time
45 min
Cook Time
45 min
Total Time
4 hr
Prep Time
45 min
Cook Time
45 min
Total Time
4 hr
Ingredients
  1. 4 Sûpreme vom Perlhuhn
  2. für das Kürbis-Maronen-Gemüse
  3. 500 g Butternut Kürbis
  4. 400 g Maronen, vorgegart
  5. 3 Pimentkörner
  6. 1/2 TL Zimt
  7. 1/2 TL Muskatnuss
  8. 80 g Pekannusskerne, grob gehackt
  9. 3 EL Orangensaft
  10. 4 EL Honig
  11. 1/2 TL geräuchertes Paprikapulver
  12. 4 EL Olivenöl
  13. Fleur de Sel
  14. einige Zweige Thymian
  15. optional einige getrocknete Apfelscheiben
  16. für die Marinade
  17. 2 TL Moutarde de Meaux oder einen anderen körnigen Senf
  18. 1 TL Bockshornkleesaat
  19. 10 Pimentkörner
  20. 2 TL Honig
  21. 6 Pfefferkörner
Instructions
  1. Marinade für das Perlhuhn
  2. Die Zutaten in einem Mörser zermahlen bis eine homogene Marinade entsteht. Das Perlhuhn damit einreiben und mindestens 3 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, besser noch über Nacht.
  3. für das karamellisierte Kürbis-Maronen-Gemüse
  4. Pimentkörner im Mörser zerstoßen. Zimt und Muskatnuss, geräuchertes Paprikapulver, Orangensaft und Olivenöl dazu geben. Die Pekannüsse grob zerstoßen und dazu geben. Alles verrühren. Den Kürbis schälen und in Würfel schneiden.
  5. Für 20 min bei 220 Grad backen. Dann die Maronen dazu geben und die Mischung darauf verteilen. Gut vermischen, sodass Kürbis und Maronen gut nappiert sind.
  6. Für 20-25 min backen, eventuell die Hitze reduzieren, sodass nichts verbrennt.
  7. Aus dem Ofen nehmen und anrichten. Mit einigen Zweigen Thymian garnieren.
  8. Die Perlhuhn Sûpreme in einer Pfanne mit etwas Olivenöl von allen Seiten anbraten und bei sehr geringer Hitze garen. In Scheiben aufschneiden und auf dem Kürbis-Maronen-Gemüse servieren.
Notes
  1. Küchenfertig vorbereitete Sûpreme sind in der Regel nach 5-7 min gar.
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Frühlings-Terrine

Frühling-Terrine-Gemüse-Rezept-Confiture-de-vivre

Der Frühling ist da und mit ihm besagte Gefühle. Wir sind gerade für längere Zeit in Frankreich, ganz fernab von Urlaub, sondern zum Arbeiten. Und es ist herrlich! Ich liebe unseren Landstrich, die Menschen, die Natur, einfach alles! Und Vieles geht mir gehörig auf den Zeiger. Und das ist auch gut so!

Noch vor einigen Jahren hatte ich ganz schön die rosarote Verklärungsbrille auf und schwebte quasi im Dauer-La-La-Frankreich-Land und das war eben nicht gut so. Ich werde niemanden bekehren wollen und darauf dringen, die Augen und Ohren gaaaanz weit aufzumachen, aber ich habe auch ein bisschen die Nase voll, von ständigen Lavendel-Bildern, strahlendem Sonnenschein und dicken Meeresfrüchte-Platten. Ja, das ist Frankreich, aber es hat auch ganz andere Gesichter und für mich gehören sie zu einer reflektierten Lebens-und Arbeitsweise einfach dazu. Über unsere Heimat Deutschland wird ja auch allerorten und von jedem gemeckert, und wenn es über das Wetter ist, wofür nun das arme Deutschland mal auch nichts kann. 

Wenn ich zum vierten Mal in Folge wegen einer nicht zugestellten Paketlieferung zum Postamt muss, jeder Beamte dort etwas anderes sagt und erst, nachdem ich schon etwas fuchtig bin, dann doch in seiner Kammer mein Paket findet, aber nur mit den Schultern zuckt, dann nervt das. 

Wenn in der Karfreitagsprozession bei der Andacht dazu aufgerufen wird, Andersdenkenden und ihrer Religion bloß nicht zu viel Raum zu geben, dann halte ich das für gefährlich und das nicht nur hier im Süden. 

Wenn ich sehe, wie mit dem Müll umgegangen wird, dann bekomme ich das große Grausen. Müllcontainer zur Trennung stehen wohl vermeintlich zur Zierde in der Gegend und werden als Angebot verstanden, nicht als Verbindlichkeit. 

Wenn ich über Wochen nicht planbar mit dem Zug fahren kann, weil für drei Monate die Bahnleute im Streik sind und die Informationspolitik dazu eine Katastrophe ist, dann fällt es mir schwer, Verständnis aufzubringen. 

Über Erfahrungen mit Immobilienmaklern kann ich mittlerweile ein Buch schreiben. Das nur am Rand.

Vieles wird gut angedacht, aber nicht konsequent zu Ende und es begegnet einem eine Form von Ignoranz, die man auch mit allem Augenzudrücken nur als solche bezeichnen kann. Freunde können noch ganz andere Geschichten berichten, ganz unabhängig, ob sie Deutsche, Engländer, Norweger oder selbst Franzosen sind. 

Und trotzdem – ich liebe dieses Land, mit all seinen Macken, Grässlichkeiten, Tunichtguten und dem ganzen Gedöns. Und ich liebe es mehr und mehr, je mehr ich von Mentalität, Staatsapparat und Vorgehensweisen verstehe. Und es bedeutet eben nicht, die Augen zu verschließen, sondern sie noch weiter zu öffnen. Es bedeutet auch, darüber zu sprechen und nicht im eitel Sonnenschein im Lavendelfeld zu verweilen.

Erst das macht für mich eine erwachsene, offene, wahrhaftige Liebe aus. Und dann wird es richtig schön! Genau wie mit dieser unglaublich frischen Frühlings-Terrine, die alles vereint, was die traumhaften Märkte derzeit aufbieten können. 

Petit pois, also frische Erbsen, Saubohnen, die hier Fêve heißen, junge Möhrchen, Frischkäse und jede Menge frische Kräuter. 

Und so serviere ich in diesen wunderbaren Frühling hinein diese Terrine, die wunderbar als Vorspeise passt und die nicht mehr braucht, als ein Stück frisches Baguette.

Bon appétit! Haltet eure Augen und Ohren offen!

Frühlings-Terrine
Serves 4
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Prep Time
30 min
Cook Time
10 min
Total Time
6 hr
Prep Time
30 min
Cook Time
10 min
Total Time
6 hr
Ingredients
  1. 150 g junge Erbsen
  2. 150 g Saubohnen
  3. 5-6 Mini-Karotten
  4. 200 g Frischkäse
  5. 1 Bund Dill
  6. 1 Bund Kerbel
  7. 1 Bund Schnittlauch
  8. 4 Blätter Gelatine
  9. Salz und Pfeffer
  10. Olivenöl
  11. einige Blätter Basilikum
  12. einige Blüten Rosmarin
Instructions
  1. Die Erbsen und Saubohnen aus den Schalen pellen. Die Saubohnen kurz blanchieren, dann abschrecken und aus den inneren Schalen entnehmen. Die Erbsen roh lassen. Beides beiseite stellen.
  2. Die Gelatine in kaltem Wasser auflösen. Ein paar Zweige von Dill, Kerbel und Schnittlauch aufheben, den Rest fein hacken.
  3. 500 ml Wasser zum Kochen bringe. Dann vom Herd nehmen und die Gelatine hinzufügen. Den Frischkäse, dreiviertel der Erbsen und Saubohnen sowie die gehackten Kräuter dazugeben und alles sehr gut verrühren. Salzen und pfeffern.
  4. In eine Terrinenform geben und glatt streichen. Mit Klarsichtfolie abdecken und für sechs Stunden kühlen.
  5. Die restlichen Erbsen, Saubohnen und die Mini Karotten mit etwas Olivenöl nappieren.
  6. Zum Servieren, die Terrine auf eine Platte setzen. Mit den Erbsen, den Saubohnen, den Karotten, ein paar Zweigen der Kräuter, den Basilikumblättern und Rosmarinblüten dekorieren.
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Boles de Picolat

Boles-de-Picolat-Rezept-Frankreich-confiture-de-vivre

Die Boles de Picolat sind ein traditionelles Gericht aus dem Haut – Conflent, einem Teil des französischen Départements Pyrénées-Orientales – katalanisch Pirineus Orientals. Die Küche ist sehr einfach und häufig deftig. Die Zubereitung in der Cocotte verhindert, dass das Essen zu fett wird. Es gibt, wie bei so vielen traditionellen Rezepten, nicht DAS eine. Immer proklamiert die Familie, dass ihres DAS einzig wahrhaftige Rezept ist. 

Ich selbst habe bereits mindestens zehn verschiedene Zubereitungen gekostet und jedes Gericht hatte für sich etwas Spezielles. Bei uns gab es die Boles de Picolat zum Osteressen. Ein paar davon habe ich einem waschechten südfranzösischen Katalanen zum Kosten gebracht – noch steht die Antwort aus..

Bon pro’fit- bon appétit!

Boles de Picolat
Serves 4
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Prep Time
30 min
Cook Time
1 hr 30 min
Total Time
2 hr
Prep Time
30 min
Cook Time
1 hr 30 min
Total Time
2 hr
Ingredients
  1. für die Boles
  2. 750 gr. Gehacktes, „halb und halb“ (also Rind und Schwein)
  3. Olivenöl
  4. 50 ml trockenen Weißwein
  5. etwas Mehl
  6. Salz
  7. Pfeffer
  8. 1 Scheibe Weißbrot, Baguette oder ähnliches
  9. 1⁄2 Tasse Milch
  10. 3 Knoblauchzehen
  11. 1 Bund Petersilie
  12. 3 Karotten
  13. 1 rote Paprikaschote
  14. 6 Champignons
  15. 1 Glas weiße Bohnen
  16. für die Sauce
  17. 1 Zwiebel
  18. 5 Knoblauchzehen
  19. 1 Packung pürierte Tomaten
  20. Salz
  21. Pfeffer
  22. Zucker
  23. Piment dʻ Espelette
Instructions
  1. Zunächst das Brot in der Milch einweichen und beiseite stellen. Die Paprikaschote im Ofen grillen bis die Haut schwarz wird, dann herausnehmen, die Haut abziehen und in grobe Streifen schneiden. Besiege stellen. Die Knoblauchzehen schälen und klein hacken, ebenfalls die Petersilie hacken. Karotten waschen und putzen und in kleine, runde Scheiben schneiden. Die Champignons mit einem Stück Küchenpapier vorsichtig putzen, wenn nötig, ein Stück der Stiele entfernen, dann halbieren.
  2. Salz, Pfeffer, Knoblauch und etwas Öl an das Gehackte geben und alles gut vermengen. Die Petersilie und das eingeweichte Brot (vorher gut ausdrücken) zum Gehackten geben
  3. und alles so vermengen, dass eine homogene Masse entsteht.
  4. Etwas Mehl auf einen Teller geben, aus dem Gehackten kleine Kugeln (Boles) formen und im Mehl wälzen. Mit wenig Olivenöl in einer Pfanne rundherum anbraten. Dann vom Herd nehmen und
  5. beiseite stellen.
  6. In der Cocotte die Karotten mit etwas Öl anschwitzen, dann die Champignons dazugeben und ebenfallsanschwitzen, mit dem Weißwein ablöschen, beiseite stellen.
  7. Für die Sauce Zwiebel und Knoblauch schälen, klein hacken und in einem kleinen Topf mit etwas Öl anschwitzen, dann die pürierten Tomaten dazugeben. Salzen und Pfeffern nach Bedarf
  8. und mit etwas Zucker abschmecken. Für eine leichte Schärfe eine Messerspitze Piment dʻ Espelette zugeben und alles gut verrühren. Die Tomatensauce in die Cocotte gießen. Jetzt die
  9. Boles und die Paprika in die Cocotte geben und einmal gut durchrühren. Alles ca. eine Stunde bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Ab und an einmal umrühren. Eine Viertelstunde vor Ende
  10. der Kochzeit, die weißen Bohnen hinzufügen.
  11. Das Ganze kann direkt aus dem Schmortopf serviert werden.
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selbst eingelegte Oliven mit Rosmarin und Knoblauch

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Das Wenigste vom wirklich Wichtigen erschließt sich auf den ersten Blick, ein erstes Hören, Fühlen oder eben den ersten Geschmack. Viele kulinarische Momente, neue sensorische Erfahrungen und Geschmäcker haben sich mir bisher oft erst nach mehrmaligen Probieren erschlossen und sich in ihrer ganzen Schönheit präsentiert. Auch Oliven.

Meine erste Olive aß ich vor fast 25 Jahren in Pamplona, in einer muffigen, dunklen Tapasbar. Und es war nicht so, dass mich das salzige, verschrumpelte, schwarze Etwas dazu ermutigen wollte, mehr von sich zu kosten. Es war eher mein Anstand, der mich wieder und wieder in das kleine Steingut-Schälchen greifen ließ. Eine Einladung auf ein Bier schlägt man nicht so aus in der Fremde und ich war schon immer neugierig auf die Geschichten der Menschen. Oder womöglich war es doch der sublime Beginn unserer großartigen Liebe.

Niemals würden heute Oliven im Kühlschrank fehlen, niemals würde der erste Einkauf bei Ankunft in der Herzensheimat ohne sie im Korb enden und niemals würde ein gemeinsames Mahl mit Freunden beginnen, ohne dass Oliven zum Apéritif genascht worden wären. Wir lieben uns heiß und innig und wir werden nicht müde, uns gegenseitig unsere Verbundenheit zu beteuern. 

Abgesehen vom Wein gibt es keine vergleichbare Pflanze die mich ähnlich stark fasziniert, anzieht und zu der ich eine so wahrhaftige, tiefe Verbundenheit spüre. 

Ja, ich weiß, es ist eine Olive, aber ja, es ist eben eine Olive, eine Frucht des Lebensbaums, der die Menschen bereits seit Jahrtausenden begleitet, nährt und mit seinem ganzen Sein wohltut. So auch bei mir.

olivenernte-frankreich-hausgemacht-confiture-de-vivre

Im letzten Spätherbst wollte ich es wissen und nebenbei meiner nicht sehr ausgeprägten Fähigkeit des Geduldigseins eine Entwicklungsmöglichkeit geben. 

Der Baum vor’m Haus unserer Freunde in Südfrankreich hatte bereits reichlich Früchte in erntefähigem Zustand und es wäre ein Frevel gewesen, diese nicht zu verarbeiten. Der Baum rief danach. Nein, die Ausbeute war nicht riesig, es war eher das Tun an sich, was sich zutiefst befriedigend und auf eine besondere Art und Weise richtig und passend anfühlte. Ich mag meiner Hände Arbeit, ich mag die Gedanken dabei kommen und gehen sehen und ich mag das Sosein im Moment, ohne Schnickschnack, ohne Beiwerk – das Pure und Einfache. 

Ich vermutete, dass es nicht viel braucht, um die Oliven in genießbare kleine Früchtchen verwandeln zu lassen. Das Wichtigste schien mir Geduld und das Wohlwollen der Freunde, die während meiner Abwesenheit täglich einen liebevollen Blick auf den Ansatz werfen sollten. 

Und nun ist das zweite Mal Erntezeit – nach fast drei Monaten haben wir am vergangenen Wochenende die ersten eigens eingelegten Oliven probiert und es war ein erhebender Moment des Genusses, der uns besonders in seiner simplen Art so berührte. 

Das möchte ich wieder erleben! 

Bon Appétit!

eingelegte Oliven
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Ingredients
  1. für 1 kg Oliven
  2. 1 l Wasser
  3. 100 g Meersalz
  4. Saft von 2 Zitronen
  5. 3 Stengel Rosmarin
  6. 4 Knoblauchzehen
Instructions
  1. Die Oliven zweimal längs einschneiden. In den ersten 5 Tagen in einem Gefäß mit Wasser aufbewahren und das Wasser täglich wechseln. Damit werden den Oliven die heftigen Bitterstoffe entzogen.
  2. Nach 5 Tagen die Salzlauge herstellen. Das Wasser mit dem Salz aufkochen. Den Zitronensaft, Rosmarin und Knoblauch hinzufügen. Die Oliven damit übergießen. In einen Behälter füllen, der verschossen werden kann. (Sehr einfach eignet sich eine große Plastikflasche)
  3. Für mindestens 6 Wochen, besser länger kühl und dunkel stehen lassen, keines Falls jedoch im Kühlschrank.
  4. Zum Verzehr die Oliven abschöpfen und mit etwas Olivenöl beträufeln.
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