Leben in Südfrankreich und ein Frühlingssalat

Frühling-Salat-vegetarisch-Fenchel

Noch immer kommt es uns an manchen Tagen unwirklich vor. Unwirklich und gleichzeitig so normal, wie morgens Zähne putzen oder Teewasser aufsetzen. 

Unser Leben in Südfrankreich ist wahr, real, zum Anfassen und Kneifen, spürbar jeden Tag auf’s Neue – beim Weg zum Bäcker, zum x-ten Mahl in der Autowerkstatt – ich kann mittlerweile sehr gut über Bremsscheiben und Radmutternschlüssel parlieren – oder wenn wir mit Freunden zum Feiertag bei einem gemeinsamen Barbecue sitzen. Unser Haus hält uns sicher, die Mauern tragen uns, auch wenn die Tramontana mit mehr als 100 km/h vom Mont Tauch runterrennt. 

Ein Leben, das wir hier noch mehr im Wechsel der Jahreszeiten füllen. Holz machen, vorsorgen für den kommenden Winter, Kräuter sammeln und eben das essen, was auf dem Markt gerade angeboten wird. Ich will nicht alles von hier schön reden und alles in Deutschland schlecht, aber es ist erstaunlich, in welcher Qualität selbst auf dem kleinsten Dorfmarkt Obst und Gemüse angeboten und darüber gesprochen wird 😉 So viel Zeit muss sein!

Wir leben hier, mit ähnlich viel Arbeit wie in Deutschland, und trotzdem ruhiger und entspannter. Die Mittagspause darf auch eine Stunde sein, es gibt ein Glas Wein dazu und wenn der Nachbar gerade um die Ecke biegt, wird ein kurzer Schwatz gehalten. (Der sowieso immer sagt, wir wären verrückt, weil wir so viel arbeiten…) 

wilder-Fenchel-Südfrankreich

Erstaunlich und für mich die helle Freude, ist alles das, was hier von allein, ohne jegliches Zutun, wächst. Aus den Ritzen vom Haus wachsen die aromatischsten Fenchelpflanzen, die ich jemals gegessen habe. Erstaunlich noch viel mehr, dass der Gatte, sonst hochallergisch auf ebendiesen, ihn ohne jede Nebenwirkung genießen kann. Löwenzahn und Calendula sind zart und intensiv, Rosmarin und Thymian sowieso. 

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Und so muss ich nur mit dem Messer vor die Haustür treten und mein Körbchen füllen, um uns ein Essen auf den Tisch zu zaubern. Nach einer 8-tägigen Fastenkur schmecken und riechen wir alles noch viel intensiver als vorher, gleichzeitig ist das Bedürfnis groß, nur wenig und ausgewählt zu essen. Eigentlich total einfach, viel Gemüse, das, was Saison hat und dabei vertrauen, das der Körper einem schon sagt, was er braucht und was gut tut. 

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Insofern ist hier gar nicht von einem Rezept zu sprechen, sondern in diesem Frühlings-Salat findet sich alles, was Markt und Umland zu bieten haben – Fenchel, Radieschen, Saubohnen, Löwenzahn, Basilikum. Ansonsten darf auch die Vinaigrette sehr sparsam ausfallen – Olivenöl, Zitronensaft, etwas Salz und Pfeffer, dazu gibt es ein ganz kleines bisschen Manouri-Käse – der natürlich nicht hinterm Haus wächst 😉 

Allen sei ein wenig Ermunterung geschickt, einfach mal zu machen und nicht so viel über Rezepte nachzudenken, sondern sich auf das gute Bauchgefühl zu verlassen, damit liegt man meistens richtig. 

Bon appétit! 

 

 

 

La Sainte Tartine – Kreuzkümmel-Fladenbrot mit Ringelbete-Meerrettich-Aufstrich und Melonenrettich

Tartine-Rezept-Frankreich-französische-Küche

Aujourd’hui c’est la Sainte Tartine! Was, wie jetzt? 

Eine kleine Vorgeschichte… Unsere Nachbarin Laurence ist eine Meisterin des apéritif dînatoire. Ihre Häppchen sind köstlich und sie wird nicht müde, sich immer wieder etwas Neues auszudenken. Niemals fehlen ihre Tartines. Brotscheiben werden mit Tapenaden bestrichen, Käse und Feigenconfiture kommen zusammen oder Schinken und Honigsenf. Die Tartine, was im Deutschen so schnöde als belegtes Brot daherkommt, hat seit 3 Jahren einen Feiertag!

La Sainte Tartine! 

Bereits seit 1596 gibt es die Tartine, als einfaches, jedem zugängliches, kulinarisches Kleinod. Ein belegtes Brot, mit den Händen gegessen, als Kind heiß geliebt – so der Hintergrund. Ein Fest rund um die Tartine zu feiern, hat mehrere Gründe. Das Handwerk soll Beachtung finden und unterstützt und geehrt werden. Der Bäcker, der ein gutes Brot backt, ein Metzger, der Charcuterie herstellt, Der Bauer, der die Milch seiner Tiere zu Käse reifen lässt, Gemüse, das zu einem Belag auf die Tartine kommt. 

Was mit einem einfachen Butterbrot begann, hat sich über die Jahrhunderte entwickelt. Und ist es nicht wunderbar, wie vielfältig und immer wieder neu sich das bescheidene kleine Brot, erfinden kann? 

Seit nunmehr 3 Jahren feiert Frankreich la Sainte Tartine. Die diesjährige Ausgabe wird heute groß in Montpellier gefeiert. Das Team einer kleinen Manufaktur für Brotaufstriche – Rue Traversette – inszeniert diesen Tag und in der Halle Tropisme de Montpellier treffen sich heute Köchinnen und Köche, Produzenten und natürlich Genießerinnen und Genießer, um die Tartine-Kreationen zu probieren.

La baguette – mère de la tartine 

Das Baguette als die Mutter aller belegten Brote wird somit auch gefeiert. Doch auch alle anderen Brote dürfen gefeiert werden 😉 

Das Kreuzkümmel-Fladenbrot ist ein klassisches Hefebrot, der Teig darf sehr lange gehen und bekommt durch den Kreuzkümmel eine schöne würzige Note. Obendrauf kommt Schwarzkümmel. 

Kreuzkümmel-Fladenbrot-Sainte-Tartine

Die Tartinade, besteht aus Ringelbete, die gebacken und mit Saurer Sahne und frisch geriebenem Meerrettich zu einem Aufstrich verarbeitet wird. Der rohe Melonenrettich kommt als Farbtupfer obendrauf. 

C’est tout! Bon appétit! Und ab in die Küche!

Kreuzkümmel-Fladenbrot mit Ringelbete-Meerrettich-Aufstrich und Melonenrettich

für den Ringelbete-Meerrettich-Aufstrich – für ca. 200 g 

Den Aufstrich am besten einen Tag vorher vorbereiten und durchziehen lassen.

3 kleine Ringelbeten

150 g Saure Sahne

geriebener Meerrettich – Menge orientiert sich am Wunsch nach Schärfe

Salz  

1 Melonenrettich 

einige Blätter glatte Petersilie 

1/2 rote Zwiebel

Die Bete jeweils einzeln in Alufolie verpacken. Den Ofen auf 220 Grad vorheizen und die Bete für ca. 1 h backen. Vorsichtig aus der Folie nehmen und komplett abkühlen lassen. Die Saure Sahne und die Bete pürieren. Den Meerrettich reiben. Sowohl Mit Meerrettich als auch Salz abschmecken. Entweder gleich verwenden, am besten aber etwas durchziehen lassen. 

für das Kreuzkümmel-Fladenbrot – für 2 Brote ca. 25 cm Durchmesser 
700 g Weizenmehl Typ 550
1 Würfel frische Hefe
1 TL Zucker
300 ml lauwarmes Wasser
6 EL Olivenöl
2 TL Salz
2 TL Kreuzkümmel für den Teig
2 TL Schwarzkümmel zum Bestreuen

Das Mehl in eine Schüssel sieben und eine Mulde in die Mitte drücken. Die Hefe mit dem Zucker im lauwarmen Wasser auflösen und in die Mulde geben. Nur leicht mit etwas Mehl zu einem Vorteig verrühren. Abdecken und 20 min gehen lassen. 

Salz, Öl und Kreuzkümmel zum Teig geben und alles kräftig verkneten. Abdecken und für 1 h gehen lassen. 

Den Teig kurz durchkneten, zu zwei runden Teiglingen formen, dann zwei Fladenbrote ausrollen. Backpapier auf zwei Backblechen auslegen und die Teiglinge ausrollen. Für weitere 30 min gehen lassen. 

Den Ofen auf 200 Grad Umluft oder 220 Grad Ober/Unterhitze vorheizen. Ein feuerfestes Gefäß mit einem halben Liter kochendem Wasser auf den Ofenboden stellen. 

Nun mit den Fingern kleine Mulden in den Teig stechen. Mit etwas Öl bestreichen und den Schwarzkümmel darüber streuen. In den Ofen schieben und backen. Nach 5 Minuten die Temperatur um 20 Grad reduzieren und die Brote für 20 min backen.

Anrichten 

Das Brot aufschneiden und jeweils mit dem Aufstrich bestreichen. Den Melonenrettich schälen und in feine Scheiben schneiden. Die rote Zwiebel in feine Scheiben schneiden. Diese auf den Tartines platzieren. Mit einigen Blättern glatter Petersilie garnieren. 

 

 

karamellisiertes Kürbis-Maronen-Gemüse mit knusprigem Perlhuhn


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(der Beitrag enthält Werbung)

Wer in Frankreich auf einem Markt unterwegs ist, weiß, dass man zu jeder Jahreszeit aus dem Vollen schöpfen kann. Obst und Gemüse, Geflügel, Fleisch, Käse, Honig – es ist ein Schlaraffenland von Erzeugnissen bester Qualität. Seit Jahren sind wir landauf, landab unterwegs, um lokale Produkte zu entdecken, mit den Erzeugern ins Gespräch zu kommen und vor allem zu lernen. Zu lernen, wie Anbau oder Aufzucht ablaufen, wie Familienrezepte weitergegeben werden und auch, wie sich die französische Küche in den unterschiedlichen Landesteilen verändert, von länderübergreifenden Einflüssen geprägt wird und sich modernisiert. 

Mit schier kindlicher Neugier und Entdecker-Gaumen sind wir unterwegs und sind nach jedem Erlebnis ganz ergriffen vom Stolz der Menschen, wenn ihre Produkte anbieten, der Würde und dem Respekt, der Lebensmitteln entgegen gebracht wird und der hervorragenden Qualität, die nicht zuletzt auch ein Ergebnis der langjährigen Bemühungen und Etablierung von Gütesiegeln ist.

Das karamellisierte Kürbis-Maronen Gemüse mit knusprigem Perlhuhn ist ein einfaches Gericht, bei dem die einzelnen Zutaten für sich stehen dürfen und jetzt ganz prima in den Herbst passen. 

Kastanien und Maronen 

Im Parc naturel Haut Languedoc wachsen seit Jahrhunderten unzählige Esskastanien-bäume. Überraschend ist die Vielzahl an Sorten, auf dem Markt von St.-Pons-de-Thomières haben wir allein 12 Sorten gezählt und das waren noch nicht alle. Es gibt einen Unterschied zwischen Marrons und Châtaigne, über den hier, zusammen mit einem Rezept für Kastaniensuppe, zu lesen ist.

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Alles aus Esskastanien

Das Kastanienmehl ist äußerst nahrhaft und lässt sich gut im Kastanienbrot verarbeiten. Zusammen mit Rosenkohl waren sie in den Herbst-Tartines  ein echter Knaller. In Frankreich gibt es zu fast jedem Produkt auch ein Fest und so werden auch die Kastanien jedes Jahr an zahlreichen Orten gefeiert. Zur Fête de la Chȃtaigne reisen wir immer wieder gern, nicht nur wegen der köstlichen gerösteten Kastanien, sondern auch wegen des guten Biers, das daraus gemacht wird.

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Geflügel 

Beim Einkauf in Frankreich auf die Gütesiegel zu achten, ist gar nicht schwer. Geflügel, wie Perlhuhn, Enten und Gänse gibt das rote Label Rouge Auskunft und kennzeichnet Produkte, die von höherer Qualität sind und z.B. bei der Haltung auf einen extrem hohen Standard geachtet wird. Produkte mit diesen Kennzeichnungen gibt es auch im deutschen Handel.

Im Département Gers, einem ländlich geprägten Gebiet mit großer Geflügelzucht,  geht auf den Märkten nichts ohne den ansässigen Tierarzt. Vor dem Verkauf werden restlos alle Tiere, die zum Verkauf stehen überprüft. Erfüllt ein Produzent mit seinem Angebot die Kriterien nicht, darf die Ware nicht verkauft werden. Um einen fairen Verkauf sicher zu stellen ist auch immer die Gendarmerie vor Ort. Das wirkt womöglich befremdlich, aber die Einheimischen sind damit vertraut und sind mit den Verkäufern zusammen stolz auf die fantastische Qualität. So stellt man sich auch gern morgens zwei Stunden an, um beste Qualität zu bekommen. 

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Salz – Fleur de Sel 

Auf unserer Reise le goȗt du vrai, die mich mit meinen wunderbaren Kolleginnen Maja, Simone und Tine kürzlich durch Südfrankreich geführt hat, konnten wir auch die Salinen von Aigues-Mortes in der Camargue besuchen und die beeindruckenden Salzberge bestaunen. Kein Gericht kommt bei uns ohne eine gute Prise Fleur de Sel aus. 

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karamellisiertes Kürbis-Maronen-Gemüse mit knusprigem Perlhuhn
Aromenmischung für das Kürbis-Maronen-Gemüse und Marinade für das Perlhuhn

Kürbis und Maronen sind einfache, günstige Zutaten, die hier durch eine Aromenmischung ihren Auftritt bekommen. Das hier verwendete Olivenöl muss den strengen Richtlinien des AOP (Appellation d’origine contrôlée) Schutzsiegels genügen. AOP ist seit 2014 auch für Frankreich bindend, anstatt des früherem AOC (Appellation d’Origine Contrôlée). Der Honig trägt das Siegel IGP (Indication Géographique Protégée), Miel des Cévennes als geschützte geografische Angabe.

Die Marinade für das Perlhuhn lebt vom Moutarde de Meaux, einem grobkörnigen Senf, der schon seit 350 Jahren in der alten Mühle von Meaux hergestellt wird. 

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In Kürze wird es weitere Rezepte mit feinen Zutaten aus Frankreich geben. Bis dahin gibt es auch bei meinen Kolleginnen Maja, Simone und Tine sehr formidable Rezepte. 

Bon appétit!

Dieser Beitrag entstand in einer Kooperation mit dem Französischen Landwirtschaftsministerium.

karamellisiertes Kürbis-Maronen-Gemüse mit knusprigem Perlhuhn
Serves 4
einfach und köstlich - le goût du vrai
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Prep Time
45 min
Cook Time
45 min
Total Time
4 hr
Prep Time
45 min
Cook Time
45 min
Total Time
4 hr
Ingredients
  1. 4 Sûpreme vom Perlhuhn
  2. für das Kürbis-Maronen-Gemüse
  3. 500 g Butternut Kürbis
  4. 400 g Maronen, vorgegart
  5. 3 Pimentkörner
  6. 1/2 TL Zimt
  7. 1/2 TL Muskatnuss
  8. 80 g Pekannusskerne, grob gehackt
  9. 3 EL Orangensaft
  10. 4 EL Honig
  11. 1/2 TL geräuchertes Paprikapulver
  12. 4 EL Olivenöl
  13. Fleur de Sel
  14. einige Zweige Thymian
  15. optional einige getrocknete Apfelscheiben
  16. für die Marinade
  17. 2 TL Moutarde de Meaux oder einen anderen körnigen Senf
  18. 1 TL Bockshornkleesaat
  19. 10 Pimentkörner
  20. 2 TL Honig
  21. 6 Pfefferkörner
Instructions
  1. Marinade für das Perlhuhn
  2. Die Zutaten in einem Mörser zermahlen bis eine homogene Marinade entsteht. Das Perlhuhn damit einreiben und mindestens 3 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, besser noch über Nacht.
  3. für das karamellisierte Kürbis-Maronen-Gemüse
  4. Pimentkörner im Mörser zerstoßen. Zimt und Muskatnuss, geräuchertes Paprikapulver, Orangensaft und Olivenöl dazu geben. Die Pekannüsse grob zerstoßen und dazu geben. Alles verrühren. Den Kürbis schälen und in Würfel schneiden.
  5. Für 20 min bei 220 Grad backen. Dann die Maronen dazu geben und die Mischung darauf verteilen. Gut vermischen, sodass Kürbis und Maronen gut nappiert sind.
  6. Für 20-25 min backen, eventuell die Hitze reduzieren, sodass nichts verbrennt.
  7. Aus dem Ofen nehmen und anrichten. Mit einigen Zweigen Thymian garnieren.
  8. Die Perlhuhn Sûpreme in einer Pfanne mit etwas Olivenöl von allen Seiten anbraten und bei sehr geringer Hitze garen. In Scheiben aufschneiden und auf dem Kürbis-Maronen-Gemüse servieren.
Notes
  1. Küchenfertig vorbereitete Sûpreme sind in der Regel nach 5-7 min gar.
Confiture de Vivre https://www.confiture-de-vivre.de/

Frühlings-Terrine

Frühling-Terrine-Gemüse-Rezept-Confiture-de-vivre

Der Frühling ist da und mit ihm besagte Gefühle. Wir sind gerade für längere Zeit in Frankreich, ganz fernab von Urlaub, sondern zum Arbeiten. Und es ist herrlich! Ich liebe unseren Landstrich, die Menschen, die Natur, einfach alles! Und Vieles geht mir gehörig auf den Zeiger. Und das ist auch gut so!

Noch vor einigen Jahren hatte ich ganz schön die rosarote Verklärungsbrille auf und schwebte quasi im Dauer-La-La-Frankreich-Land und das war eben nicht gut so. Ich werde niemanden bekehren wollen und darauf dringen, die Augen und Ohren gaaaanz weit aufzumachen, aber ich habe auch ein bisschen die Nase voll, von ständigen Lavendel-Bildern, strahlendem Sonnenschein und dicken Meeresfrüchte-Platten. Ja, das ist Frankreich, aber es hat auch ganz andere Gesichter und für mich gehören sie zu einer reflektierten Lebens-und Arbeitsweise einfach dazu. Über unsere Heimat Deutschland wird ja auch allerorten und von jedem gemeckert, und wenn es über das Wetter ist, wofür nun das arme Deutschland mal auch nichts kann. 

Wenn ich zum vierten Mal in Folge wegen einer nicht zugestellten Paketlieferung zum Postamt muss, jeder Beamte dort etwas anderes sagt und erst, nachdem ich schon etwas fuchtig bin, dann doch in seiner Kammer mein Paket findet, aber nur mit den Schultern zuckt, dann nervt das. 

Wenn in der Karfreitagsprozession bei der Andacht dazu aufgerufen wird, Andersdenkenden und ihrer Religion bloß nicht zu viel Raum zu geben, dann halte ich das für gefährlich und das nicht nur hier im Süden. 

Wenn ich sehe, wie mit dem Müll umgegangen wird, dann bekomme ich das große Grausen. Müllcontainer zur Trennung stehen wohl vermeintlich zur Zierde in der Gegend und werden als Angebot verstanden, nicht als Verbindlichkeit. 

Wenn ich über Wochen nicht planbar mit dem Zug fahren kann, weil für drei Monate die Bahnleute im Streik sind und die Informationspolitik dazu eine Katastrophe ist, dann fällt es mir schwer, Verständnis aufzubringen. 

Über Erfahrungen mit Immobilienmaklern kann ich mittlerweile ein Buch schreiben. Das nur am Rand.

Vieles wird gut angedacht, aber nicht konsequent zu Ende und es begegnet einem eine Form von Ignoranz, die man auch mit allem Augenzudrücken nur als solche bezeichnen kann. Freunde können noch ganz andere Geschichten berichten, ganz unabhängig, ob sie Deutsche, Engländer, Norweger oder selbst Franzosen sind. 

Und trotzdem – ich liebe dieses Land, mit all seinen Macken, Grässlichkeiten, Tunichtguten und dem ganzen Gedöns. Und ich liebe es mehr und mehr, je mehr ich von Mentalität, Staatsapparat und Vorgehensweisen verstehe. Und es bedeutet eben nicht, die Augen zu verschließen, sondern sie noch weiter zu öffnen. Es bedeutet auch, darüber zu sprechen und nicht im eitel Sonnenschein im Lavendelfeld zu verweilen.

Erst das macht für mich eine erwachsene, offene, wahrhaftige Liebe aus. Und dann wird es richtig schön! Genau wie mit dieser unglaublich frischen Frühlings-Terrine, die alles vereint, was die traumhaften Märkte derzeit aufbieten können. 

Petit pois, also frische Erbsen, Saubohnen, die hier Fêve heißen, junge Möhrchen, Frischkäse und jede Menge frische Kräuter. 

Und so serviere ich in diesen wunderbaren Frühling hinein diese Terrine, die wunderbar als Vorspeise passt und die nicht mehr braucht, als ein Stück frisches Baguette.

Bon appétit! Haltet eure Augen und Ohren offen!

Frühlings-Terrine
Serves 4
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Prep Time
30 min
Cook Time
10 min
Total Time
6 hr
Prep Time
30 min
Cook Time
10 min
Total Time
6 hr
Ingredients
  1. 150 g junge Erbsen
  2. 150 g Saubohnen
  3. 5-6 Mini-Karotten
  4. 200 g Frischkäse
  5. 1 Bund Dill
  6. 1 Bund Kerbel
  7. 1 Bund Schnittlauch
  8. 4 Blätter Gelatine
  9. Salz und Pfeffer
  10. Olivenöl
  11. einige Blätter Basilikum
  12. einige Blüten Rosmarin
Instructions
  1. Die Erbsen und Saubohnen aus den Schalen pellen. Die Saubohnen kurz blanchieren, dann abschrecken und aus den inneren Schalen entnehmen. Die Erbsen roh lassen. Beides beiseite stellen.
  2. Die Gelatine in kaltem Wasser auflösen. Ein paar Zweige von Dill, Kerbel und Schnittlauch aufheben, den Rest fein hacken.
  3. 500 ml Wasser zum Kochen bringe. Dann vom Herd nehmen und die Gelatine hinzufügen. Den Frischkäse, dreiviertel der Erbsen und Saubohnen sowie die gehackten Kräuter dazugeben und alles sehr gut verrühren. Salzen und pfeffern.
  4. In eine Terrinenform geben und glatt streichen. Mit Klarsichtfolie abdecken und für sechs Stunden kühlen.
  5. Die restlichen Erbsen, Saubohnen und die Mini Karotten mit etwas Olivenöl nappieren.
  6. Zum Servieren, die Terrine auf eine Platte setzen. Mit den Erbsen, den Saubohnen, den Karotten, ein paar Zweigen der Kräuter, den Basilikumblättern und Rosmarinblüten dekorieren.
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La Semaine du Goût® – Woche des Geschmacks – Gemüse à la française

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Bereits seit 1990 wird in Frankreich La Semaine du Goût® organisiert und zelebriert. Eine Woche, die ganz im Zeichen des Geschmacks steht. Das Ziel ist, die französische Küche mit ihren landestypischen Färbungen zu feiern, über Produkte aufzuklären und zu informieren. Das Bewusstsein um Vielfalt und Reichhaltigkeit und die Wichtigkeit des Erhalts steht dabei genau so im Fokus wie der Geschmack selbst. 

Auch mich begeistern französische Märkte mit ihren überbordend gefüllten Ständen immer wieder auf’s Neue. Und immer wieder macht mich auch die Beliebigkeit in großen französischen Supermärkten traurig. Umso wichtiger ist es deshalb, das Wissen um gute Produkte, deren Herstellung und Nutzung weiterzugeben. In tausenden Aktionen werden im Besonderen auch Kinder und Jugendliche informiert. Mittlerweile hat sich La Semaine du Goût® über die Landesgrenzen hinweg verbreitet.

In Deutschland organisiert das  Institut français Deutschland anlässlich der Woche des Geschmacks mit 25 Fachabteilungen zahlreiche Aktionen.

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Vom 10. bis 14. Oktober 2016 wird auf der Facebook-Seite des Institut français Deutschland eine Sonderaktion zum Thema „Gemüse à la Française“ veranstaltet. Auf kurzweilige Art werden alte französische Gemüsesorten vorgestellt, die vor allem für ihren hervorragenden Geschmack stehen. Gleichzeitig gibt es Empfehlungen aus den Fachabteilungen  zum Thema Kunst und Konsum in der heutigen Gesellschaft.

Die Aktion endet am Freitag mit einem Gewinnspiel, in Kooperation mit Staub Deutschland.  Mit dieser Aktion möchte das Institut die französische Tradition der Woche des Geschmacks in seinem deutschlandweiten Netzwerk bekannt machen und damit eine Sicht auf die Gastronomie, die sowohl Savoir-vivre als auch kritisches Konsumverhalten miteinander verbindet.

Also Mitmachen, Neues erfahren und dabei etwas gewinnen! Bonne chance! 

gemuese-la-semaine-du-gout-confiture-de-vivre-woche-des-geschmacks

Woche des Geschmacks.Confiture de vivre