„Le Quignon“ – Kolumne: Shopping auf Französisch – Faire les Courses

Es ist nicht zu glauben, heute gibt es schon Leçon 8! Ich hoffe, die letzen Wochen waren abwechslungsreich und erhellend.

Und nun gibt es gleich noch eine Neuigkeit – heute begrüßt euch Micha vom wunderbaren Blog Grain de  Sel – Salzkorn hier zur Kolumne, oh, la la!!! Ja, genau, heute gibt es einen Gastbeitrag. Micha wohnt im bezaubernden Departement Drôme und ist eine wahre Auskennerin, wenn es um die „Marotten“ der Franzosen geht.

Und nun geht’s los, allez!

Wenn ich eines besonders liebe am ländlichen Frankreich, dann ist es die runtergefahrene Geschwindigkeit. Eile mit Weile sagt der Deutsche. Auf französisch heißt das: Doucement le matin et pas trop vite le soir (morgens langsam und abends nicht zu schnell). Was, wie vieles, einen doppelten Boden hat und selbstverständlich auch erotisch gemeint ist. Schließlich wird es mit einem coquetten Blinzeln unterlegt.

Schön erleben kann man die Gemächlichkeit der Boule-spielenden Nation beispielsweise bei einem Bummel über die wunderschönen, sinnlichen, südfranzösischen Märkte.  Weise ist, wer am frischen, frühen Sommermorgen bereits seine Einkäufe getätigt hat. Im Gegensatz zu Deutschland darf man sich sein Obst und Gemüse übrigens selbst raussuchen und nehmen. Dabei verbietet es sich von selbst oder Anstand und gute Erziehung , fünf verschiedene Aprikosen in der Hand gehabt zu haben und sich dann für die sechste zu entscheiden.

Wer allerdings zu spät dran ist, wird nicht nur damit bestraft, dass die schönsten Häppchen bereits von den Markttischen verschwunden sind, sondern ist zudem verdammt, mit vollem Korb Slalom zu laufen. Es ist nämlich eine Eigenart der Fränzis bei einer Begegnung nicht nur ein kurzes *Salut*, *ça gaze?*, *ça va?* usw. auszutauschen, nein, man tchatcht (sprich: tschatscht/=  schwatzt). Und das am liebsten, in dem man dabei mitten im Weg rumsteht. SIE am besten noch mit dem allseits beliebten Hinterherschleif-Wagen und ER  mit einem Hund um die Füße – mindestens. Zählt man die vielen Kinderwagen hinzu, wird das ein beträchtlicher Hindernisparcour.

Leider tchatcht der Fränzi auch gerne dann, wenn er am Zahlen ist. Während der Deutsche seine Geldscheine bereits als letzter in der Reihe gezückt hält, um solch Zahlungsformalitäten reibungslos zum Ablauf zu bringen, bietet sich hier für den Fränzi eine klassische Gelegenheit zu einem belanglosen Plausch an  – und zwar  VÖLLIG unbeeindruckt von der Schlange dahinter. Danach  erst wird in gleicher Seelenruhe die erstandenen Wahren verstaut. Wenn der Deutsche in mir schon erleichtert aufatmet, dass es nun ENDLICH soweit ist und  in der Tasche nach dem Geldbeutel gekruschtelt wird, dann kommt in der Regel das Scheck-Heft zum Vorschein.

 Jaha! Der Fränzi zahlt noch gerne mit Scheck. Was die ganze Geschichte wahrlich nicht abkürzt. Wenn ich dann am Rand in einem Café sitze und das Treiben beobachte, ist es eben dieses Laissez-faire mit allem Drum und Dran, was für mich die südfranzösische Lebensqualität ausmacht. Hier auf dem Land, hier hat man Zeit, hier ist Plaudern erwünscht, hier gibt’s noch Raum für eine Erotik zwischen den Tönen und Krümeln darf man im Café obendrein – sogar mit dem mitgebrachten pain au chocolat aus der Bäckerei.

Wer gern mehr erfahren möchte, kann unter Vive la France bei Micha weiter lesen. Ich sage merci beaucoup chére amie Micha!

Nächste Woche begrüße ich euch wieder wie gewohnt.

Veröffentlicht von Sandy

kulinarische Reisejournalistin, Foodfotografin, Frankreich und dem guten Leben zugetan, mit Vorliebe für Essen und Wein

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