Entremet mit Erdbeeren – Kuchen ganz ohne backen

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Entremets – etwas für Dazwischen, zwischen den Gängen. Das war früher so beim großen Tafeln. Da gab es zwischen den Gängen süße und herzhafte Speisen, durchaus auch törtchen-ähnliches. Heute sind Entremets eher als Dessert bekannt. Das Entremet mit Erdbeeren war mein eigens produzierter Geburtstagskuchen, den ich nur mit dem Gatten und mir selbst teilen konnte, konnte ja niemand kommen, zumindest nicht an meinen Tisch.

So ein bisschen dazwischen fühlt sich Leben ja auch gerade an. Nicht mehr richtig wie das alte Leben und vielleicht auch noch nicht ganz im neuen angekommen. Persönlich geht es mir prima, ich vermisse an sich nichts, meine Tage sind gefüllt mit bereichernder Arbeit im Krisen-Coaching für Mitarbeitende in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen in Deutschland, natürlich über télétravail, wie man in Frankreich sagt, home office sagt hier niemand. 

Leben während der Ausgangssperre in Südfrankreich

Die Ausgangssperre hat sich verlängert bis zunächst 11. Mai, on verra… Auch hier also ein weiteres Dazwischen. Zumindest in unserem Dorf führt die Gewöhnung an die Situation nicht dazu, dass man nachlässig wird. Der Gang zum Markt zeigt, alle desinfizieren sich die Hände, Geld für die kleinen Ziegenkäse wird abgezählt in eine Box geschmissen, das Obst und Gemüse wird nicht angefasst, sondern vom Marktverkäufer in den mitgebrachten Korb gepackt. In der Regel wird beim Preis auf was Gerades nach unten gerundet, sodass auch hier nicht mit viel Geld hantiert wird. Oder man schreibt eben einen Scheck aus – also ich nicht, das habe ich bei der Eröffnung des französischen Bankkontos einfach mal abgelehnt. Interessantes zeigt sich – entgegen meiner Annahme, ich wäre in meiner deutschen Überpünktlichkeit gegen 9:55 Uhr bei Öffnung 10:00 Uhr der einzige Mensch auf dem Platz an der Mairie, zeigte sich ein anderes Bild. Die letzten beiden Male standen bereits 5!!! Damen vor mir. Natürlich getrennt von den geklebten Markierungen und aus der Nähe beobachtet von adretten, attraktiven Gendarmen.

Man muss schon ein bisschen anstehen, aber das wird genutzt, um sich zu unterhalten, auch auf die Entfernung geht das. Man richtet sich ein, ich auch…und vergleiche mein Ich mit dem, das sonst so in der Großstadt unterwegs ist. Der Gatte sagt, ich hätte ein weiches Gesicht, grad gar keine Falten, glatt wie die Oberfläche von meinem Entremet mit Erdbeeren, bevor die Erdbeeren draufgelegt wurden 😉 Brigitte, die Frau von Patrick, unserem Fleischer, trägt jetzt einen Visor, der mich irgendwie ein bisschen an eine Mischung aus Jordi la Forge aus Star Trek und den Stormtroopern aus Star Wars erinnert, Brigitte aber nicht abträglich ist und außerdem nun mal ein super Schutz ist! Punkt! Über den Dorffunk gibt es gelegentlich wieder Durchsagen, letzte Woche wurde zum Nähen von Masken aufgerufen. 

Kuchen ganz ohne backen 

Es liegt mir nicht so sonderlich, mich ganz genau an Angaben zu halten. Deshalb werde ich wohl auch kein passables Brot backen können, schon wegen der peniblen Abmessungen von Zutaten. Früher konnte ich auch nicht auf der Linie ausschneiden und beim Ausmalen verstand ich auch nicht, weshalb man nicht „drüber malen“ darf. Das Backen von Macarons war eine selbstauferlegte Kasteiung, die ich immer nur für den guten Zweck auf mich genommen habe. 

Somit ist Kuchen ganz ohne Backen und mit der Möglichkeit, eher so pi mal Daumen vorzugehen, total mein Ding. Keine Sorge, die Rezeptangaben sind exakt und korrekt berechnet, ich hatte aber mehr Masse, die dann einfach in Gläschen abgefüllt und als Dessert den Nachbarn eine Freude machte. 

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Erdbeeren in Südfrankreich

Die Erdbeeren, die ich auf dem Markt bekomme, sind aus der Gegend und auch schon Freiland. Das ist im Süden nicht ungewöhnlich. Garriguette und Mara de Bois sind frühzeitig zu bekommen und sind echte Frühlingsboten. In der Ebene um Perpignan gedeiht Obst und Gemüse unter guten Bedingungen. Auch im Winter gibt es viele Sonnenstunden und zeitig im Frühjahr können es auch schon über 20 Grad sein. 

Rezept für Entremet mit Erdbeeren

Das Rezept erfordert kein großes Können, nur ein bisschen Geduld, da es einige Schritte hat. Lohnend ist es allemal und in der Zeit dazwischen, während des Wartens, kann man Kontakt zu seinen Lieben aufnehmen. 

Bon appétit!

für eine Springform von 20 cm

Vorbereitungszeit: 1 h, plus ca. 5 h zum Festwerden im Kühlschrank

Zutaten

für den Boden:

150 g Kekse 

125 g Butter 

für die Füllung:

150 g Fromage blanc, alternativ Quark

150 g Crème fraîche 

150 ml Crème Fleurette, alternativ süße Sahne 

4 Blätter Gelatine 

für die Erdbeer-Glasur:

100 g Erdbeeren 

40 ml Verveine-Sirup, alternativ ein anderer Sirup oder 50 g Zucker 

Saft einer halben Zitrone 

2 Blätter Gelatine 

außerdem:

150 g weiße Schokolade

100 g frische Erdbeeren 

8 große Minze-Blättchen 

1 Eiweiß

3 EL weißer Zucker 

Zubereitung 

  1. Die Butter in einem Topf schmelzen lassen. Die Kekse in der Küchenmaschine fein zerbröseln, dann die Butter dazu geben und zu einer Masse verrühren. Keksmasse in die Springform füllen und gleichmäßig andrücken. 
  2. Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Fromage blanc und Crème fraîche in einer Schüssel verrühren. Crème Fleurette im Topf erhitzen, Gelatine ausdrücken, dann dazugeben, einrühren, kurz aufkochen lassen und vom Herd nehmen. Langsam in die Schüssel geben und verrühren. Die Masse in die Springform füllen und abkühlen lassen. Dann im Kühlschrank ca. 2-3 h fest werden lassen.
  3. Für die Minzblättchen das Eiweiß steif schlagen. Jedes Blättchen mit Eiweiß bestreichen und in Zucker wälzen. Backblech mit Papier auslegen und die Blättchen bei 50 Grad für 30 min im Ofen trocknen.
  4. 2 Blätter Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Für die Erdbeeren-Glasur die Erdbeeren waschen, Blüte entfernen und in Stücke schneiden. Mit dem Sirup und Zitronensaft aufkochen, dann pürieren und bei geringer Hitze köcheln lassen. Die ausgedrückte Gelatine dazu geben und kurz aufkochen lassen.
  5. Die Glasur auf die Masse in der Springform geben und gleichmäßig verstreichen. Im Kühlschrank fest werden lassen.
  6. Die weiße Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen. Wenn Crème-Masse und Erdbeer-Glasur komplett fest geworden sind, die Schokolade auf der Oberfläche verteilen. Fest werden lassen.
  7. Die restlichen frischen Erdbeeren waschen, abtrocknen, einige halbieren. Auf dem Entremet anrichten und mit einigen Minze-Blättchen dekorieren. 

La Sainte Tartine – Kreuzkümmel-Fladenbrot mit Ringelbete-Meerrettich-Aufstrich und Melonenrettich

Tartine-Rezept-Frankreich-französische-Küche

Aujourd’hui c’est la Sainte Tartine! Was, wie jetzt? 

Eine kleine Vorgeschichte… Unsere Nachbarin Laurence ist eine Meisterin des apéritif dînatoire. Ihre Häppchen sind köstlich und sie wird nicht müde, sich immer wieder etwas Neues auszudenken. Niemals fehlen ihre Tartines. Brotscheiben werden mit Tapenaden bestrichen, Käse und Feigenconfiture kommen zusammen oder Schinken und Honigsenf. Die Tartine, was im Deutschen so schnöde als belegtes Brot daherkommt, hat seit 3 Jahren einen Feiertag!

La Sainte Tartine! 

Bereits seit 1596 gibt es die Tartine, als einfaches, jedem zugängliches, kulinarisches Kleinod. Ein belegtes Brot, mit den Händen gegessen, als Kind heiß geliebt – so der Hintergrund. Ein Fest rund um die Tartine zu feiern, hat mehrere Gründe. Das Handwerk soll Beachtung finden und unterstützt und geehrt werden. Der Bäcker, der ein gutes Brot backt, ein Metzger, der Charcuterie herstellt, Der Bauer, der die Milch seiner Tiere zu Käse reifen lässt, Gemüse, das zu einem Belag auf die Tartine kommt. 

Was mit einem einfachen Butterbrot begann, hat sich über die Jahrhunderte entwickelt. Und ist es nicht wunderbar, wie vielfältig und immer wieder neu sich das bescheidene kleine Brot, erfinden kann? 

Seit nunmehr 3 Jahren feiert Frankreich la Sainte Tartine. Die diesjährige Ausgabe wird heute groß in Montpellier gefeiert. Das Team einer kleinen Manufaktur für Brotaufstriche – Rue Traversette – inszeniert diesen Tag und in der Halle Tropisme de Montpellier treffen sich heute Köchinnen und Köche, Produzenten und natürlich Genießerinnen und Genießer, um die Tartine-Kreationen zu probieren.

La baguette – mère de la tartine 

Das Baguette als die Mutter aller belegten Brote wird somit auch gefeiert. Doch auch alle anderen Brote dürfen gefeiert werden 😉 

Das Kreuzkümmel-Fladenbrot ist ein klassisches Hefebrot, der Teig darf sehr lange gehen und bekommt durch den Kreuzkümmel eine schöne würzige Note. Obendrauf kommt Schwarzkümmel. 

Kreuzkümmel-Fladenbrot-Sainte-Tartine

Die Tartinade, besteht aus Ringelbete, die gebacken und mit Saurer Sahne und frisch geriebenem Meerrettich zu einem Aufstrich verarbeitet wird. Der rohe Melonenrettich kommt als Farbtupfer obendrauf. 

C’est tout! Bon appétit! Und ab in die Küche!

Kreuzkümmel-Fladenbrot mit Ringelbete-Meerrettich-Aufstrich und Melonenrettich

für den Ringelbete-Meerrettich-Aufstrich – für ca. 200 g 

Den Aufstrich am besten einen Tag vorher vorbereiten und durchziehen lassen.

3 kleine Ringelbeten

150 g Saure Sahne

geriebener Meerrettich – Menge orientiert sich am Wunsch nach Schärfe

Salz  

1 Melonenrettich 

einige Blätter glatte Petersilie 

1/2 rote Zwiebel

Die Bete jeweils einzeln in Alufolie verpacken. Den Ofen auf 220 Grad vorheizen und die Bete für ca. 1 h backen. Vorsichtig aus der Folie nehmen und komplett abkühlen lassen. Die Saure Sahne und die Bete pürieren. Den Meerrettich reiben. Sowohl Mit Meerrettich als auch Salz abschmecken. Entweder gleich verwenden, am besten aber etwas durchziehen lassen. 

für das Kreuzkümmel-Fladenbrot – für 2 Brote ca. 25 cm Durchmesser 
700 g Weizenmehl Typ 550
1 Würfel frische Hefe
1 TL Zucker
300 ml lauwarmes Wasser
6 EL Olivenöl
2 TL Salz
2 TL Kreuzkümmel für den Teig
2 TL Schwarzkümmel zum Bestreuen

Das Mehl in eine Schüssel sieben und eine Mulde in die Mitte drücken. Die Hefe mit dem Zucker im lauwarmen Wasser auflösen und in die Mulde geben. Nur leicht mit etwas Mehl zu einem Vorteig verrühren. Abdecken und 20 min gehen lassen. 

Salz, Öl und Kreuzkümmel zum Teig geben und alles kräftig verkneten. Abdecken und für 1 h gehen lassen. 

Den Teig kurz durchkneten, zu zwei runden Teiglingen formen, dann zwei Fladenbrote ausrollen. Backpapier auf zwei Backblechen auslegen und die Teiglinge ausrollen. Für weitere 30 min gehen lassen. 

Den Ofen auf 200 Grad Umluft oder 220 Grad Ober/Unterhitze vorheizen. Ein feuerfestes Gefäß mit einem halben Liter kochendem Wasser auf den Ofenboden stellen. 

Nun mit den Fingern kleine Mulden in den Teig stechen. Mit etwas Öl bestreichen und den Schwarzkümmel darüber streuen. In den Ofen schieben und backen. Nach 5 Minuten die Temperatur um 20 Grad reduzieren und die Brote für 20 min backen.

Anrichten 

Das Brot aufschneiden und jeweils mit dem Aufstrich bestreichen. Den Melonenrettich schälen und in feine Scheiben schneiden. Die rote Zwiebel in feine Scheiben schneiden. Diese auf den Tartines platzieren. Mit einigen Blättern glatter Petersilie garnieren. 

 

 

La Chandeleur – Lichterfest und Tag des Crêpes

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In ganz Frankreich dürften heute reichlich Menschen in der Küche gestanden und Crêpes gewendet haben. Es ist der 2. Februar, 40 Tage nach Heiligabend, und das bedeutet La Chandeleur, das Lichterfest, in Deutsch Lichtmess und nicht zu vergessen, damit verbunden, der Tag des Crêpes. 

Ein christliches Fest, welches seinen Ursprung im Heidnischen hat, ist La Chandeleur. Lateinisch festa candelarum,  das Fest der Kerzen, wurde das heidnische Lichtfest als nahendes Ende des Winters gefeiert. 

Vom Licht zum französischen Crêpe ist der Weg am Ende nicht weit. Die runden, goldgelb gebackenen Kreise ähneln der Sonne, die wieder Licht in die Dunkelheit nach einem langen Winter bringen soll. Sie kündet von neuem Wachstum, Leben und den helleren Tagen. 

Beim Wenden der Crêpes kann man sich auch noch im Glückhaben üben. Wer mit der rechten Hand die Pfanne mit dem Crêpe hält, es darin wendet, natürlich kühn in der Luft, und gleichzeitig in der linken Hand ein Goldstück hält, vermutlich tut es auch ein herkömmliches Bezahlmittel ;-),  dürfte das Jahr über mit Glück und Reichtum überschüttet werden.

Bei uns hat sich der Gatte versucht, während ich die ebenfalls goldgelbe Füllung zubereitet habe. Das erste Crêpe ist natürlich immer für den Koch bestimmt, so haben wir das auch gehandhabt.

Unser Crêpeteig ist was für Erwachsene und kann ein hübsches Dessert ergeben. Der Teig hat eine Portion Lieblings-Armagnac bekommen. Die Füllung besteht aus einem Orangen-Püree, das sich mit Ricotta vermählt hat. 

Es sieht danach aus, als ob 2018 ein gutes Jahr werden kann, wir tun das Unsere dafür 🙂 und stärken uns einstweilen mit ein paar Crêpes!

Bon Appetit!

beschwipste Crêpes mit Orangen-Ricotta-Füllung
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Prep Time
30 min
Cook Time
1 hr
Prep Time
30 min
Cook Time
1 hr
Ingredients
  1. für das Orangenpüree
  2. 3 Bio-Orangen
  3. 100 ml Wasser
  4. 3 EL Agavensirup
  5. für ca. 6-8 große Crêpes
  6. 200 g Weizenmehl
  7. 50 g Maisstärke
  8. 4 Eier
  9. 450 ml Milch
  10. 1 EL Vanillepaste
  11. 2 cl Armagnac
  12. 50 g Butter
  13. 150 g Ricotta
Instructions
  1. Die Orangen waschen und in Stücke schneiden. In einem Topf, zusammen mit dem Wasser und dem Agavensirup zum Kochen bringen und dann bei mittlerer Hitze ca. 1 Stunden köcheln lassen bis die Orangen weich sind.
  2. Abkühlen lassen, dann pürieren und in ein Glas abfüllen.
  3. Eier, Milch, Vanillepaste und Armagnac in einer großen Schüssel verrühren. Mehl und Maisstärke dazugeben und alles gut verrühren, bis der Teig glatt und ohne Klümpchen ist.
  4. In einer anti-haft-beshichteten Pfanne die Butter zerlassen und dann jeweils eine kleine Kelle Teig hineingeben. Goldgelb von beiden Seiten ausbacken.
  5. Das Orangen-Püree mit dem Ricotta in einer Schüssel verrühren. Jeweils etwas davon auf ein Crêpe streichen und servieren.
Notes
  1. Die Crêpes schmecken am besten frisch!
Confiture de Vivre https://www.confiture-de-vivre.de/

La Croustade aux pommes et à l’Armagnac

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Bevor es zu Monsieur Marribon-Ferret nach Gondrin ging, hatte ich keinen blassen Schimmer, welch‘ göttliche Spezialität mich Ort erwarten sollte. 

Wir sollten la Croustade aux pommes et à l’Armagnac – eine Süßspeise aus der Gascogne- kennenlernen und hautnah erfahren, wie diese zubereitet wird. 

Accents du Sud Ouest heißt die kleine Pâtisserie, fast unscheinbar an der Avenue Jean Moulin gelegen. Aber das kannten wir ja schon. Eine Reise durch das Département Gers ist tiefenentspannt, langsam und sehr erholsam. Kleine Orte reihen sich beschaulich aneinander und lassen einem Zeit, sich umzuschauen und die wunderschöne Landschaft in Ruhe zu genießen.

„Quelle bonne odeur“- was für ein wunderbarer Geruch 

Wir treten ein und uns umfängt ein wahrhaft betörender Geruch von Armagnac. Und das morgens um halb neun. Da wir bereits geübt sind und einige Armagnacs degustiert haben, wirft uns auch das nicht um. Mich fröstelt etwas und ich bin geneigt, Monsieur Marribon-Ferret um einen Schluck aus seinem Armagnac-Arsenal zu bitten, verkneife es mir aber, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Als wir dann ins Gespräch kommen, ist auch diese Sorge schnell ausgeräumt. Ich hätte mich nicht zieren müssen.

Zurück zur Croustade. Mit zarten, sehr vorsichtigen Fingern streichelt Monsieur den Teig und zieht ihn dabei langsam immer weiter über die Tischkante. Hauchdünn liegt der bereits drauf, doch es reicht noch nicht. „Bis er fast durchsichtig ist“, sagt er, „man muss die Zeitung durchlesen können“. Wir schauen ehrfürchtig und noch immer etwas benebelt von der frühmorgendlichen Kälte und dem Armagnac Odeur in der Bäckerei. Der Ventilator hat schon einen „Teig-Tisch“ getrocknet und so können wir die nächsten Arbeitsschritte sehen. Immer wieder werden die von einem klingelnden Telefon unterbrochen und es laufen die Bestellungen für die Croustade ein. 

„la tradition familiale“ – Familientradition am Wochenende 

Es ist Wochenende und la Croustade aux pommes et à l’Armagnac gibt es zum Dessert nach einem ausgedehnten familiären Mittagessen. Wir sind mittlerweile bei den Armagnac-Äpfeln angekommen. Die werden über Nacht eingelegt, ich vermute allerdings, wesentlich länger. Ich koste einen und der Geschmack  erinnert mich an die Früchte aus dem Rumtopf meiner Urgroßmutter. Verstohlen drehe ich mich zum Gatten um und murmele etwas von ‚erstmal ein Croissant essen nachher und einen Kaffee trinken‘. Der grinst nur und meint, ich solle mich nicht so haben, wäre ja schließlich sonst auch „verkostungsfest“…

Monsieur zieht seine „Pistolen-Sprühflasche“ mit Armagnac aus dem Ärmel und besprüht nun die Äpfelchen auf der Croustade. Das sieht ganz harmlos hübsch aus und ich überlege, ob ich das zu Hause nicht auch mal probieren sollte, so statt Fensterputzmittel… Gott, der Armagnac-Geruch lockert die Zunge. 

Wie viele er davon jeden Tag verkaufe, frage ich nach und frage noch mal, weil Monsieur ganz schön in seinem Gascogne-Akzent nuschelt. 400 Stück gehen jeden Tag über die Ladentheke und ich staune erneut. Er habe in der Woche Unterstützung, fügt er hinzu und wieder klingelt das Telefon. 

Wir sehen derweil den Croustades beim Fertig-Backen zu. Zurück vom Telefon wird es Zeit für Monsieur Marribon-Ferret, die nächsten Croustades aus dem Ofen zu holen und für uns, weiter zu reisen.

Wer gern selbst zuschauen will, findet hier einige bewegte Bilder und den Kontakt. 

Accents du sud Ouest

Jérome Marribon-Ferret

64, avenue Jean Moulin

32330 Gondrin

Tél. 05 62 68 43 88

contact@croustadegasconne.fr

Und wer Lust hat, die Gegend zu entdecken, reist mit uns für 7 Tage „Entdecke deine Sinne“Genuss-und Entschleunigung Ende September in die Region und lässt sich von den kulinarischen Besonderheiten verführen. 

La Croustade aux pommes et à l'Armagnac
Serves 4
eine süße Spezialität aus der Gascogne
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Prep Time
26 hr
Cook Time
20 min
Total Time
26 hr 20 min
Prep Time
26 hr
Cook Time
20 min
Total Time
26 hr 20 min
Ingredients
  1. für eine Tarteform ca. 26 cm Durchmesser
  2. 250 g Mehl 550
  3. 120 ml Wasser
  4. 1 EL Schmand
  5. 1 Ei
  6. 1 Prise Salz
  7. alternativ: Filoteigblätter
  8. 5 Äpfel, säuerlich, geviertelt, dann in feine Scheiben geschnitten
  9. 1 Messerspitze Vanillemark
  10. Armagnac
  11. 125 g Butter
  12. 250 g Puderzucker
Instructions
  1. Die Äpfel, zusammen mit dem Armagnac, dem Vanillemark und ca. 30 g Zucker in eine Schüssel geben. Über Nacht durchziehen lassen.
  2. Mehl, Wasser, Schmand, Ei und Salz zu einem Teig verkneten und über Nacht abgedeckt im Kühlschrank ruhen lassen.
  3. Am nächsten Tag den Teig verarbeiten. Dafür wird er auf einer bemehlten Arbeitsfläche leicht ausgerollt, um dann sehr vorsichtig und beständig auseinander gezogen zu werden bis er ganz dünn ist. Dann für zwei Stunden trocknen lassen.
  4. Die Butter zerlassen. Den Teig mit Butter bestreichen. Danach mit der runden Tarteform Kreise ausstechen. Mit Puderzucker bestreuen und einige Teigkreise übereinander stapeln. Die Tarteform einfetten und dann die gestapelten Teigkreise hineinlegen und festdrücken. Mit Äpfeln belegen, zuckern und mit Armagnac beträufeln.
  5. Dann die restlichen Kreise darauf drapieren.
  6. Den Ofen auf 180 °C Umluft vorheizen. Die Croustade für 20 min backen bis sie goldbraun ist.
  7. Entnehmen und lauwarm servieren.
Notes
  1. Am besten schmeckt ein Klecks Schlagsahne und ein Glas Armagnac dazu.
Confiture de Vivre https://www.confiture-de-vivre.de/

Flammkuchen Thuringia

Rezept-Sandy-Neumann-Confiture-de-vivre-Flammkuchen-ThüringenBekanntermaßen liegt mein kulinarisches Erbe zunächst einmal in Thüringen. Kloß mit Soße ist das Erste, was man bekommt, wenn man selber beißen kann. So war das auch bei mir. Zuhause gab es sonntags einen Braten und eben grüne Klöße und mit 4 Jahren war ich bereits Meisterin im Kloß-Quirl-Ablecken und Schüssel-Halten! Kein Sommer verging, ohne dass der Rost jedes Wochenende brannte. Jawohl, Rost brennt, heißt es in Thüringen! Frühzeitig wurde ich, nicht immer freiwillig, in die Kunst der Thüringer Küche eingewiesen und erlernte so manch einen Kniff und Trick, der sich durchaus schon bezahlt gemacht hat. Mit Speck fängt man Mäuse, mit gutem Essen einen Mann 😉  Weiterlesen