Copy Cats und eine Kürbis-Karotten-Tarte

Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf, meine eigenen Vorstellungen davon, was schön ist, was ich mag oder nicht oder was ich anziehen will. Das ging in den wenigsten Fällen überein mit dem, was andere für mich vorgesehen hatten.

Schon als Kind trug ich Sachen meiner Großmutter auf und als Teenager fing ich an, mir eine sixtiesmäßige Außenwelle in meinen schulterlangen Bob zu föhnen. Ich mochte mich und mein eigenes und am meisten grummelte ich, wenn es mir jemand gleich machte. Kennt ihr das auch? Du hattest als junges Mädchen ein neckisches, neues pinkfarbenes Shirt an und 3 Tage später die anderen Mädels auch? Du hast dir einen Pony schneiden lassen und es dauerte nicht lange, die Banknachbarin kam auch mit neuem Schnitt daher?

Mit 14 hatte ich Schachbrett-gemusterte Leggins und ratet, was passierte – ja, auch diese Schönheit der Mode modische Verfehlung wurde kopiert. Das hat mir gestunken. Ich wollte keinen Zwilling, schlimm genug, dass ich die gleichen Sachen wie meine 5 Jahre jüngere Schwester tragen sollte.

Nun, diese Zeiten sind vorbei aber auch heute schleichen Copy Cats auf leisen Sohlen durch unser Leben. Manche schreiben offenkundig ab und denken, es wird nicht gemerkt und tun dann ganz erstaunt. Manche klauen Ideen, für die sich andere heftig den Kopf zerbrochen haben und verkaufen sie als ihre eigenen.

Es gibt ganze Nationen, die besonders gern imitieren – ihr wisst schon.

Oftmals ist es schwierig herauszufinden, was Henne und was Ei ist. Als ich im letzten Jahr mit der Fotografie begann, habe ich Bücher gelesen und angefangen, Settings und Bildaufbau nachzufotografieren.

War das jetzt schon Klau? Mmh… Manchmal kommt der Klau ja auch im Gewand der Inspiration daher. Eine scharfe Trennung scheint quasi unmöglich. Blöde Sache das, oder?

Gerade im Bereich der Food-Blogging-Szene erscheint es mir vielfach schwerer, das zu erkennen. Ich habe schon so einige Seiten gesehen, da konnte ich keinen Unterschied erkennen bei Fotos und Rezepten. Und oft genug gibt’s keine Credits bei Bildern oder Rezepten. Wie schade! Die Vielfalt ist doch die wahre Bereicherung.

Ganz salomonisch und psychologisch hintersinnig habe ich mich gefragt: Was ist das „Gute“ im „Schlechten“?

Ist das Kopieren die, vielleicht, höchste Form der Anerkennung? Drückt es Wertschätzung und Bewunderung aus?

Ich danke an dieser Stelle Meeta und Hélène, die, unwissentlich, meine unerschöpfliche Inspiration der Food-Fotografie waren und anfänglich ordentlich herhalten mussten. Nach dem Lesen von Blogs und Buch wurde probiert und gewerkelt und der Liebste total kirre gemacht mit dem alten Holz.

Um für mich selbst am Ende erfolgreich zu sein, sehe ich nur einen Weg – den eigenen finden – den eigenen Weg und den eigenen Stil.

Sind euch schon Copy Cats begegnet und wie geht ihr damit um? Grummelt ihr da auch, ärgert euch und unternehmt ihr etwas?

Ich habe für die Tarte ein bisschen „geklaut“ – im französischen Jahresheft der Saveurs. Kürbis und Karotten wollten bei mir unbedingt einen Apfel dabei haben und als frankophile Käseliebhaberin geht nichts über einen Roquefort (mit gesprochenem „e“). Die Saveurs schlägt vor, Kürbis und Karotten zu kochen, ich habe die Hälfte im Ofen geröstet, das gibt wesentlich mehr Geschmack und Aroma.

Und weil der Kürbis und die Karotten so herrlich orange sind, sage ich „go orange for Oranje“ und reiche ein Bild aus diesem Beitrag bei Simone zur Pumpkin orange challenge ein.

Kürbis-Karotten-Tarte mit Blauschimmelkäse

für 4
eine herbstliche Tarte, bei der der fein-nussige Geschmack des Kürbis durch den Blauschimmelkäse fein unterstützt wird.

Zutaten

  • 1 Packung Blätterteig
  • 400g Hokkaidokürbis (gewaschen, die Kerne entfernt, in kleine Würfel geschnitten)
  • 3-4 Karotten (gewaschen, ohne Grünes, in feine Streifen geschnitten)
  • 1 Apfel (gewaschen, geviertelt)
  • 100g Frischkäse
  • 100g Blauschimmelkäse (z.B. Roquefort oder Saint Agur)
  • 4 Eier
  • Salz (vorzugsweise Fleur de Sel)
  • Pfeffer (frisch gemahlen)

Zubereitung

Den Ofen auf 200º Celsius vorheizen.
Die Hälfte des Kürbis und der Karotten und den Apfel auf einem Backblech auslegen. Etwas Olivenöl darüber träufeln und für 20 min im Ofen rösten.
Während dessen in einem Topf mit kochendem, gesalzenem Wasser die andere Hälfte vom Kürbis und von den Karotten für 15 min köcheln. Danach das Wasser abgießen und Kürbis und Karotten in eine Schüssel geben.
Den gerösteten Kürbis, die Karotten und den Apfel aus dem Ofen nehmen und in die Schüssel zum gekochten geben.
Mit einem Pürierstab die Zutaten zu einem Püree verarbeiten.
Die Eier mit dem Frischkäse verrühren und das Püree und den Käse dazugeben.
Salzen und Pfeffern. Nochmals alles gut durchrühren.
Eine runde Tarte-Form 20x24 cm mit dem Blätterteig auslegen. Dabei das Papier nicht entfernen, es dient gleich als Backpapier. Mit einer Gabel einige Male in den Teig stechen.
Bei 180º Celsius ca. 30-40 min backen.
Danach aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen. Die Tarte aus der Form nehmen und in Stücke schneiden.

Veröffentlicht von Sandy

kulinarische Reisejournalistin, Foodfotografin, Frankreich und dem guten Leben zugetan, mit Vorliebe für Essen und Wein

9 Kommentare

  1. Lovely orange image Sandy! And o yes, the copycat issue… I know what you mean with certain blogs all looking alike and you’re wondering who took that photo? there almost interchangeable. But like you said there is also a fine line between getting inspiration and following your own path and just blatantly copying stuff. i think most of the time you can spot the difference easily between those two…. I’ve not had people copy stuff from me one on one, if you don’t count stealing things as some form of copy but that’s a whole other story. I think it remains an issue and will probably only get worse with the current digital world!

  2. Hallo Sandy,
    „copycats“ ist ein klasse Ausdruck, den ich so noch gar nicht kannte! Den werde ich nächste Woche erstmal meiner Kollegin vorstellen, die ebenfalls Motorradbekleidung entwirft. Im Laufe der Zeit ist mir da schon alles mögliche passiert, so dass mich wohl kaum noch was überraschen kann, was aber rein gar nichts daran ändert, dass ich in diesem Punkt sehr sensibel bin. Besonders „hübsche“ Beispiele waren 1:1 Kopien, die wir bei Mitbewerbern im Programm fanden oder ein Produzent, der mit uns ins Geschäft kommen wollte und ganz stolz seine eigenen Designs präsentierte, unter denen ich auch eine Jacke von mir und Entwürfe anderer wieder erkannte. Wobei ich gar nicht weiß, was ich schlimmer finde: das fehlende Bewusstsein, dass es sich um eine fremde Urheberleistung handelt oder der wissentliche Betrug um wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Und eh ich hieraus noch ein ganzes Blogthema mache, lieber hier ein Link über den Plagiarius Preis. Die Ausstellung hatte ich mir letztes Jahr angeschaut und danach noch mehr geschluckt. http://www.plagiarius.com. Dort heißt es übrigens auch: Nachahmen und Nacheifern ist zweierlei. Denn zum Lernen finde ich es wiederum völlig legitim bzw sogar notwendig, zunächst Arbeiten anderer nachzuahmen um dann aber seinen eigenen Stil zu entwickeln.
    Und jetzt hoffe ich mal, dass ich dich nicht zu sehr zugetextet hab 😉
    Liebe Grüße,
    Eva

  3. Liebe Sandy,

    auch ich zerbreche mir manchmal den Kopf darüber, was es heißt, Inspiration aus etwas zu ziehen oder etwas zu kopieren. Gerade bei Rezepten habe ich ja meinen ganz eigenen Stil. Und ich freue mich immer sehr, wenn meine Rezepte inspirieren, jedoch hab ich was dagegen, wenn jemand meine Ideen, Rezepte, Anrichteweisen eins zu eins kopiert und als seine verkauft. Gerade auf regionaler Ebene ist dies schlecht für mich, da ich ja auch in der „echten Welt“ als Privatköchin ( und Rezepte-Entwicklerin) arbeite… Und natürlich ziehe auch ich Inspiration aus Blogs, Kochbüchern, Magazinen, Restaurantbesuchen, etc. Jedoch nur was Farben und Geschmackskombinationen angeht. Nie ein Rezept auch nur ansatzweise komplett! Aber ohne Inspiration, die man umwandelt in etwas Eigenes, wäre die Welt doch weniger bunt… Doch der Grad ist wahrlich schmal…

    P.S.: Ich hab auch schon bei Dir geklaut! Das Wort „Lieblingsmensch“ als Bezeichnung für den eigenen Mann hab auch ich mir in meinen Texten zu eigen gemacht! Ich habe aber erst viel später gemerkt, dass es ursprünglich von Dir stammt und durchs Lesen Deiner Texte in meinem Kopf umherschwirrte… 🙂

  4. @ ALLE Vielen Dank meine Lieben. Ich schätze es sehr, dass ihr so treu hier vorbei schaut und keine Mühe scheut, eure Gedanken in so umfangreiche Worte zu fassen und hier zu hinterlassen! Eure Rückmeldungen sind mir ein wunderbares Feedback und ich hoffe, das ich euren „Nerv“ damit treffe.

    Lieb Grüße, Sandy

  5. Hallo Sandy :),

    das Rezept klingt wirklich sehr lecker. Toll, wie du den Rezepten immer deine „eigene Würze“ gibst :). Mach weiter so …

    LG Corinna

  6. Yes it reminds me of the subject we talked about when we had lunch recently. HAHA!

    Sandy, thanks for your kind words. Glad to have found you and very happy to see you progress with your photography. I am loving how our firnedship is developing and look forward to many more talks and ideas! Lovely images!

  7. Pingback: "Happy Relaxing Weihnachten" Workshop - so war's bei uns | Confiture de Vivre

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