Zur Trüffelsuche in der Provence

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Rambo gehört zu den besten Nasen rund um Monteux, unweit von Carpentras. Er ist noch keine zwei Jahre alt aber schon mächtig erfolgreich.  Wir sind zusammen mit Lucy vom Hotel Crillon le Brave unterwegs zur Famille Jaumard von La truffe du Ventoux . Es steht unsere erste Cavage an (streng heißt es le cavage – also der ) – eine Trüffelsuche. Das schwarze Gold zieht uns schon lange in seinen Bann und nun ist es soweit. Die Famille Jaumard ist eine Familie von Rabassiers – das ist der provenzalische Name für diejenigen, die Trüffel kultivieren. Auch wir wollen heute erfolgreich sein und hoffen inbrünstig, dass Rambo uns tatkräftig dabei unterstützt. Die halbe Nacht habe ich bereits von den schwarzen Knollen geträumt und Jȇrome, der Chefkoch des Hotels, hat das noch befeuert mit seinen Rezeptvorschlägen.

Auf dem Anwesen der Jaumards angekommen, empfängt uns Alexis, einer der Söhne von Eric, dem Familienoberhaupt, um uns zunächst die Grundlagen nahe zu bringen. Von Mitte November bis Mitte März hat der schwarze Trüffel – Tuber melanosporum Saison und im Département Vaucluse dreht sich alles um Trüffel. Die Famille Jaumard besitzt einige Steineichenwälder und handelt mit den Trüffeln und daraus gewonnenen Produkten wie Öl, Aufstriche und Pasteten. 

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Gleich zu Anfang müssen wir uns von romantischen Märchen verabschieden. Heutzutage werden Trüffel tatsächlich kultiviert und dafür ist Arbeit notwendig. Die Wurzeln der Steineichen werden mit dem Pilz geimpft und dann braucht es Zeit und sehr gute Wachstumsbedingungen. Der Pilz geht mit den Baumwurzeln einen Symbiose ein. Er gibt dem Baum Mineralien und Wasser, der Baum revanchiert sich und versorgt den Pilz. Ein kalkhaltiger, eher magerer Boden, zusammen mit kühlen Wintern, ohne Frost und warmen Sommern mit gelegentlichen Niederschlägen, bringt dann Trüffel hervor.

Zusammen mit Alexis, Marion und Rambo machen wir uns auf den Weg in den nahen Eichenwald. Rambo tänzelt aufgeregt um die Beine von Alexis und scheint ebenfalls in heller Vorfreude. Marion erklärt mir, dass die Suche mit Rambo noch sehr herausfordernd sei, weil der junge Hund sehr verspielt ist und man ständig aufpassen müsse, weil er extrem schnell an die Knollen kommt und sie gern auch mal selbst frisst.

Ein Grund, weshalb heute nahezu gar nicht mehr mit Trüffelschweinen nach den schwarzen Diamanten gesucht wird, ist die Gefräßigkeit ebendieser. Die Hunde, so sie denn gut ausgebildet sind, sind einfacher zu handhaben.

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Rambo schlägt das erste Mal an und beginnt wie wild zu schnüffeln und zu scharren. Alexis hat Mühe, ihn zurück zu halten und nimmt selbst die Fouji zur Hand. Mit der Trüffelharke legt er die Stelle frei und befreit den ersten Pilz. Rambo ist fast nicht zu halten und erst ein Leckerli aus Alexis‘ Hosentasche beruhigt ihn etwas.

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Marion nimmt den Trüffel an sich, sodass Alexis Rambo besser an der Leine halten kann und hält mir den Trüffel hin. Gut sei er gewachsen, sagt sie und kratzt ganz vorsichtig an der feinen, zerfurchten Oberfläche. Die Linien innen sind bereits dunkel, ein Zeichen für, dass der Trüffel reif ist. Die Hunde, spricht sie weiter und ihr Blick ist bereits auf den weitersuchenden Rambo gerichtet, schlagen nur an, wenn der Trüffel seine Reife erreicht hat. 

Wir gehen weiter und Rambo gebärdet sich wieder völlig aufgeregt. Leider stehen wir vor einer Stelle, die aussieht, als wäre uns bereits jemand zuvor gekommen. Und so ist es tatsächlich. Alexis legt die Stirn in Falten und wir merken, dass er nicht nur höchst verärgert und wütend ist, sondern ein Hauch Traurigkeit in seiner Stimme mitschwingt. Zunehmend sind Diebe unterwegs und schleichen sich, zumeist nachts, in die Steineichen-Gärten und stehlen die Trüffel. Diese sind in der Regel nicht umzäunt und auch andere Formen von „Bewachung“ sind praktisch nicht umsetzbar. Damit müsse man immer rechnen, sagt auch Marion, so bitter das auch sei. Auf den Märkten werde auch mit Dienstgut gehandelt und mafiöse Strukturen gäbe es reichlich. Wie nah wir daran sind, erfahren wir einen Tag später.

Sie kommt an dem Tag bereits vom ersten Trüffelmarkt der Saison in Carpentras, der Ort, an dem die Preise festgelegt werden. Die können zur Hochsaison und dann, wenn die Qualität besonders hoch ist, bis zu 800€/Kilogramm liegen.  

Nun will ich mein Glück auch versuchen und eine schwarze Knolle finden. Es ist gar nicht so leicht, Rambo und nebenbei die Harke zu halten. Er zerrt und drängt weiter und wir werden fündig.

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Zurück auf dem Hof der Jaumards erwartet uns bereits ein Apéritif und die Jaumards haben für uns gekocht. Wir genießen die ersten Mini-Tartines und es folgen frisches Rührei mit reichlich gehobeltem Trüffel, ein gefülltes Hühnchen, Camembert und zum krönenden Abschluss eine Creme Brûlée mit Trüffeln.

Ich kann nicht genug bekommen und bin schon in Gaumenvorfreuden auf das große Trüffelmenü von Jêrome, das uns am nächsten Abend im Hotel erwarten soll.

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Mit einem nicht enden wollenden Trüffelgeruch in der Nase geht es zurück nach Crillon le Brave und ich muss ein Nickerchen in meinem provenzalischen Zimmerchen genießen. Der Mistral ist stärker geworden und meine eiskalten Hände muss ich unter der Decke wären, bevor es zum nächsten Abenteuer geht.

Das Hotel Crillon le Brave organisiert in der Saison von Mitte November bis Mitte März verlängerte Trüffel-und Weinwochenenden. Ein abwechslungsreiches Programm mit Weinverkostungen, unter anderem in Châteauneuf-du-Pape, der Trüffelsuche mit den Jaumards, einer Koch-Demonstration zu Trüffelrezepten und ausgewählten Trüffelmenüs erwartet alle Interessierten, die gern die provenzalischen Genüsse des Winters erleben möchten.

 

Diese Reise wurde teilweise unterstützt durch das Hotel Crillon le Brave. Die Kosten für Anreise und Bewirtung haben wir selbst getragen. Unsere Meinung bleibt unsere eigene und von Unterstützungsleistungen unabhängig.

Veröffentlicht von Sandy

Food&Travel Bloggerin, Foodfotografin, französisch im Herzen, mit Vorliebe für gutes Essen und Wein

4 Kommentare

    • Liebe Amy,

      ja, ganz genau! Wir mochten es auch, besonders die ruhe. Im Sommer geht es ja recht turbulent zu. Liebe Grüße, Sandy

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