grüner Spargel mit zitroniger Rouille und Foodies in Venedig

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was berichten. Das kann ich und will es auch gern. 4 Tage liegen hinter mir und meinem Allerliebsten, der mir mit dieser Reise einen besonders schönen (halbrunden) Geburtstag bescherte. Vier Tage, an denen unser Geist auf Erholungs – und Auflademodus geschaltet war.

Wir hatten das beide nötig und so kam die Reise genau zur richtigen Zeit. Im Übrigen in jederlei Hinsicht. Wenn ich mir überlege, dass die Stadt (und sie ist nicht wirklich groß) im Sommer von noch unvorstellbar mehr Touristen heimgesucht wird, dann bin ich mehr als froh darüber, den „dünn besuchten“ April gewählt zu haben.

Venedig haben wir uns erlaufen und so jeden Stadtteil für uns einnehmen können. Auch uns hat Venedig in seinen Bann gezogen, gänzlich ohne Gondelfahrt, jedoch mit jeder Menge überraschenden Kontakten und gefundenen Hideaways fern der Touristenströme.

Und so haben wir unzählige Brücken überquert, sind durch die schmalsten Calle gestiefelt und haben (fast) keine Kirche ausgelassen. Wir sind wie Vianello und Brunetti mit dem offenen Wassertaxi durch die Kanäle gebraust als müssten wir den nächsten venezianischen Mord aufklären und haben in dem ein oder anderen Bàcaro einen Wein genommen und die Cicchetti probiert.

Überhaupt – es gibt vergleichsweise wenig Information über die venezianische Küche, zu Spezialitäten und zu Traditionen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die cucina tipica veneziana reichhaltig und überragend lecker ist. Deshalb haben wir beschlossen, dass wir Venedig für Foodies einen ausführlichen Beitrag in der Premierenausgabe des Journals widmen werden, um andere Foodies zu inspirieren, ein paar (hoffentlich) wertvolle Tipps zu geben und damit Lust auf einen Venedig-Besuch zu machen.

Zuhause angekommen warten nun reichlich Bilder, die bearbeitet werden wollen, Rezeptideen, die ausprobiert werden wollen und natürlich der Tagesjob. Ein bisschen schwelge ich noch in Gedanken an die leckeren kleinen Häppchen (Cicchetti) und deshalb gibt’s auch gleich ein paar mit Bresaola. Der Marktverkäufer pries hiesige Erdbeeren und grünen Spargel und so gab’s ein flottes Ankommensgericht.

Die Erdbeeren haben keine Sonne gesehen sondern wachsen in einem Tunnel – abgefahrene Vorstellung – ich habe ihnen deshalb ein bisschen Hitze gegönnt und sie im Ofen gebacken. Die sind für viele Gerichte super geeignet und halten in einem Glas im Kühlschrank mehrere Wochen.

Den grünen Spargel gibt’s mit Zitronen-Rouille, einer französischen Art der Mayonnaise, nur, dass ich sie sehr viel dünner und leichter zubereitet habe, eher wie eine dickere Vinaigrette. Ein paar kleine hartgekochte Wachteleier und gehobelter Parmigiano Reggiano obenauf und fertig.

Und nun darf der Frühling sein blaues Band wirklich dauerhaft durch die Lüfte flattern lassen.

für die gebackenen Erdbeeren:

1 Pfund Erdbeeren, gewaschen, abgetrocknet, geviertelt und ohne Blüte

4 EL Zucker

100 ml Balsamico

1 EL Kartoffelstärke

Den Ofen auf 250° Celsius vorheizen. Die Erdbeeren mit Zucker, Balsamico und Stärke vermengen und in eine feuerfeste Form geben. Für ca. 20-25 Minuten backen. Ab und an umrühren. Die Erdbeeren geben Saft ab, der eindickt. Aus dem Ofen nehmen, in ein Schraubglas füllen und abkühlen lassen.

Für die Cicchetti ein paar geröstete Brotscheiben (ich habe in Scheiben geschnittene Scones genommen, die waren noch im Tiefkühlfach) mit Bresaola belegen. Etwas von den Erdbeeren darauf geben und mit einem kleine Spießchen fixieren.

Für den grünen Spargel mit Zitronen-Rouille:

für 2 Personen

1 Pfund grüner Spargel, die etwas harten Enden abschneiden (und davon einen Fond kochen, für z.B. ein Spargelrisotto)

1 Eigelb

60 ml Olivenöl

Saft von einer halben Zitrone

Salz und Pfeffer

1 Prise Zucker

Parmesan, gehobelt, Menge nach Gusto

2 Wachteleier, hartgekocht, aufgeschnitten oder fein gehackt (alternativ Hühnereier)

Den Spargel für 10 Minuten dämpfen. In der Zwischenzeit die Rouille vorbereiten. In einer Schüssel das Eigelb mit dem Mixer aufschlagen. Tropfenweise das Olivenöl zugeben und kräftig mixen. Nun den Saft der Zitrone langsam einfließen lassen und weiter mixen. Am Schluss mit Salz und Pfeffer würzen und mit etwas Zucker abschmecken.

Den Spargel auf einem Teller anrichten. Die Rouille darüber geben und mit dem gehobelten Parmigiano und den Eiern garnieren.

Veröffentlicht von Sandy

kulinarische Reisejournalistin, Foodfotografin, Frankreich und dem guten Leben zugetan, mit Vorliebe für Essen und Wein

6 Kommentare

  1. Ein Foto schöner als das andere. Der pure Sonnenschein! In allen Ecken Frühling! Das macht richtig Freude!

    Und mit einem *kulinarische Venedig* in der Erstausgabe könnt ihr nix falsch machen. Schließlich ist Essen, Appetit und Geschmack auch allerengstens verbunden mit Atmosphäre!

    • Danke für das tolle Feedback! Ich freue mich schon sehr auf unser Journal und hoffentlich viele Leser. Liebe Grüße

  2. Liebe Sandy,

    von mir die herzlichsten Geburtstagsgrüße nachträglich zu deinem halbrunden Ehrentag!!!!!!!!!!! Ich dachte an euch/dich, die Gänge über unzählige Brücken und das Bestaunen der vielen Kirchen und Gassen in Venedig… Ich war doch sehr angetan von dem Geschenk deines Mannes an dich, es hat mich erinnern lassen, nur sind die Erlebnisse in dieser doch etwas schwer zu beschreibenden Stadt etwas lange her… ich habe mir daher vorgenommen Venedig auch noch einmal aufzusuchen und meine etwas gestörte Erinnerung von einst aufzufrischen, und gut zu wissen, das auch in dieser Wasserstadt das Kulinarische nicht zu kurz kommt… ich werde mir daher in kürze, wenn es dir recht ist, ein paar Tipps von euch beiden einfangen, wo man denn so in Venedig den Gelüsten frönen kann… Nochmals alles Gute für dich, und hoffentlich bald auf einen Kaffee mit mehr Informationen über euer schönes verlängertes Ausflugswochenende… Liebe Grüße Ivonne

    • Vielen Dank für deine Wünsche und sehr lieben Worte! Sehr gern können wir das machen und ich berichte dir ein wenig. Liebe Grüße

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