Œufs en cocotte oder – wie zaubere ich noch fix eine hübsche Idee zum Osteressen

Die letzten Tage war ich beruflich wieder ordentlich „on the road“ – von einem zum anderen Auftraggeber, auf der Strecke gelegen und wieder Fusseln an den Mund gequatscht – was der Job nun mal so mit sich bringt.

Wenn ich an solchen Tagen nach Hause komme, passiert nicht mehr viel Weltbewegendes – einfach nur noch die Dienstklamotte abwerfen, in die Schluffi-Hose steigen (ja, ich brauch das manchmal und es belästigt das Auge meines Mannes nicht – er hat auch eine und ich liebe sie) und was schönes Essen.

Der geneigte Leser mag sich vielleicht manchmal denken – steht so eine Food-Blogeuse wirklich jeden Tag stundenlang in ihrer la petite cuisine und zaubert mehrere Gänge mit erlesensten Zutaten zu edelsten Kreationen? Nein, bei Gott, das tut sie nicht – ich jedenfalls nicht. Zugegebenermaßen verbringe ich einen geraumen Anteil meiner Zeit in der Küche. Aber an so „ich will mich nur noch mit einer heißen Suppe in meiner Sofaecke verkriechen“-Abenden läuft das anders.

Entweder gibt es einen flotten Salat, und das dauert dann auch keine Ewigkeit in der Küche, ein paar belegte Brote oder eine kleine Pasta. Auch wenn mich das Werkeln in der Küche meistens entspannt, wenn ich platt wie eine Flunder bin, dann wird’s in der Küche nicht besser. Ein einfaches, frugales Mahl ist das Richtige.

Früher, zu Hause, wurde sehr viel eingekocht, eingeweckt und eingefroren. Ich bin auf dem Land groß geworden. Von meiner Oma kenne ich die Vorratswirtschaft. Häufig ergab sich das einfach so, da immer Mengen gekocht wurden, dass mindestens noch vier, fünf Personen unverhofft hätten am Tisch Platz nehmen können. Die kamen natürlich meistens nicht und so wurden Suppen, Eintöpfe und Bratenreste eingefroren. Bei wenig Zeit hatte man Zugriff auf prima Essen ohne Riesenaufwand.

Meiner Großmutter ermöglichte das, dem, (ich sag’s hinter vorgehaltener Hand und er wird’s hoffentlich nicht lesen) in der Cucina etwas unbeholfenen Gatten, ein Essen zu zaubern, auch wenn sie außerhäusig war.

Ich habe mir das auch angewöhnt und portioniere für den Liebsten und mich für derlei Tage.

Um das Osterwochenende nicht in Stress ausarten zu lassen und um mich meinem Berg an „Will-ich-Lesen-Kochbüchern“ ausführlich widmen zu können, habe ich wieder Vorratswirtschaft betrieben. So werden nur kleine, feine Dinge dazu vorbereitet und ich kann mit meinem Mann die Zeit genießen und entspannt die Familie besuchen.

Eine witzige, ganz leicht zu machende Osteridee, die auch zu einem Brunch ganz wunderbar passt,  sind die Œufs en cocotte – gebackene Eier im Gläschen. Die Variationsbreite ist nahezu unbegrenzt. Ich liebe Spinat und Fisch, deshalb gibt’s sie mit Baby-Spinat und Lachsforelle. Außerdem gibt’s Mini-Eier von Großvaters Zwerg-Italienern und Wachteleier – die sehen einfach so bezaubernd aus.

Wir werden uns einen Tag mal wieder von meiner Großmutter bekochen lassen, ich steuere den Nachtisch bei.

Was gibt’s bei euch zum Osterfest – gibt’s Traditionen oder wird improvisiert? Oder seid ihr vielleicht ganz und gar verreist und lasst euch anderswo bekochen?

Für alle Kurzentschlossenen, die auch gern was im Glas servieren wollen, hier das Rezept.

Œufs en cocotte

für 8-10 kleine feuerfeste Gläschen (ich nutze die „Eierkocher“ aus der Wagenfeld-Linie von Jenaer Glas)

500 g Baby-Spinat, gewaschen und verlesen

2 Lauchzwiebeln, gewaschen und fein gehackt

150 g geräucherte Lachsforelle (alternativ Räucherlachs), in kleine Stücke geschnitten

10 Wachteleier

100 ml süße Sahne

50 g Butter

Salz, Pfeffer

1 Prise Muskatnuss

In einer Pfanne die Butter zerlassen und den Spinat darin anschwenken. Wenn er in sich zusammengefallen ist, einen Teil der Lauchzwiebeln dazu geben und auf kleiner Flamme kurz mitschwitzen lassen (klingt toll, oder?). Einen kleinen Schuss der Sahne dazu geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und dann beiseite stellen.

Die Gläser heiß auswaschen. In einem Topf Wasser für das Wasserbad erhitzen. Die Gläser zur Hälfte mit dem Spinat befüllen. Darauf die Fisch-Stückchen legen. Nun jeweils ein Ei aufschlagen und über den Fisch geben. Das Ei mit der Sahne begießen. Dabei darauf achten, dass das Eigelb frei bleibt. Mit etwas Pfeffer und Muskatnuss bestreuen und im Wasserbad köcheln lassen, bis das Eiweiß gestockt ist und das Eigelb noch weich ist und glänzt.

Dazu gern ein Scheibchen einfaches Kastenweißbrot oder, ganz französisch, ein knuspriges Baguette essen. Damit kann man gut in’s Eigelb tunken.

Veröffentlicht von Sandy

kulinarische Reisejournalistin, Foodfotografin, Frankreich und dem guten Leben zugetan, mit Vorliebe für Essen und Wein

6 Kommentare

  1. Schöne Fotos hast Du da! und diese Gläschen habe ich auch noch daheim. Ich hatte mal ein Rezept mit Ei und Tomaten gekocht (und verbloggt) Hat uns gut gefallen. Zu Ostern sollte ich das mal rauskramen – oder einfach Deines nachkochen 🙂 Ich habe nämlich null Bock, mich auch noch an den Feiertagen zu stressen (meine Woche lief ähnlich wie Deine ;-)) Traditionell gibt es nur am Karfreitag was: nämlich Frankfurter Grüne Sauce, dazu Fisch und Salzkartoffeln. Ansonsten lassen wir es dieses Jahr ruhig angehen. Wir brauchen einfach mal Zeit zum Durchschnaufen. Und wenn ich an die Einkauferei an einem Samstag vor Ostern denke, wird mir eh schwummrig…

  2. Pingback: Blogs aus Thüringen bei ebuzzig.de – Ranking für April 2012 | world wide Brandenburg

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