Rituale und Neuerungen

Relativ entspannt gestaltete sich unsere Anreise ins „gelobte Land“. Die gesamte Route du Sud, also sowohl die „La Catalana“ als auch die „La Languedocienne“ sind momentan eine Großbaustelle. Nicht auszumalen, wie in diesem Jahr der Sommer ausgesehen hat.

Ich erinnere spontan gruselige Erfahrungen mit dem „Samedi noir“ vor einigen Jahren…:(

Aktuell nahezu 100 km Straßenverengungen, 2 statt 3 Spuren – kein Spass bei 30 Grad Außentemperatur. Als nächtliche Reisende zwischen den Welten gab’s für uns Blinkelichter soweit das Auge reichte, mit der Option für epileptische Anfälle – kein Dauerlicht, sondern Dauer-Geblinke.

Ein teures Photo wird uns wohl die contrôle de la vitesse bescheren, merde aber was soll’s!

Unser Hausberg, der Canigou, der magische Berg der Katalanen, hüllte sich gestern in Wolken und trägt auch schon eine Schneespitze. Auch hier hält langsam aber sicher der Herbst Einzug.

Das Ankommen war wieder ein Nach-Hause-Kommen.

Begrüßungen allerorts, der erste Gang durch’s Dorf, erste Einkäufe.

Und neue Erfahrungen, neue Bekanntschaften, gleich am ersten Tag. In einer kleinen Seitengasse, nahe der Mairie von Leucate Village war Madame gerade zu Gange, ihre „produits non traités“ zu präsentieren, mit einer Zurückhaltung, die auch die meine erforderte.

Nach einem freundlichen „Bonjour Madame, vous permettez“ meinerseits und ihrerseits einem „Avec plaisir“ und strahlendem Lächeln, habe ich dieses bezaubernde Stilleben eingefangen.

Jetzt ist die Zeit für Mandeln, Feigen-Confiture, Tomates Noir und Reine Claude, einer Pflaumensorte, die äußerst schmackhaft ist und mich sofort meine Tarte-Rezepte im Kopf durchgehen ließ.

Heute konnte ich erste Vorbereitungen zur Weinlese beobachten. Die alten, abgestorbenen Reben werden natürlich weiter verwendet. Das Holz wird zur Befeuerung von Räucheröfen und zum Grillen genutzt. Wer einmal einen derart geräucherten Fisch probiert hat, der weiß, weshalb Gott offensichtlich in Frankreich (ich vermute wohl auch hier im Süden) seinen „Hauptwohnsitz“ hat…

Mein Mann ist dabei, seinen Auftrag im Nachgang des „Visa pour l’Image“ in Perpignan vorzubereiten. Das jährlich stattfindende Festival für Photo-Journalismus ist mittlerweile über die Grenzen von Frankreich hinaus bekannt. „Unseren Süden“ zu porträtieren, andere mit „unseren Augen“ sehen zu lassen, ist eine phantastische Herausforderung.

Ich, wir, lieben unsere zweite Heimat und fühlen uns schon jetzt wieder vollends angekommen. Zu meiner Liebe gehören auch die köstlichen kleinen, Roquerones, säuerlich in Öl eingelegte Anchovis. Sie gehören für mich zum Salade à la Catalane à ma façon einfach dazu.

Jetzt gibt’s einen kleinen Apéritif und in den nächsten Tagen einige spannende Vorhaben, à plus tard!

 

Veröffentlicht von Sandy

kulinarische Reisejournalistin, Foodfotografin, Frankreich und dem guten Leben zugetan, mit Vorliebe für Essen und Wein

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