über die Gelassenheit und hausgemachten Frischkäse

Sérénité – hat mir meine virtuelle Freundin Nathalie, ihres Zeichens Französin von Hause aus, vorgeschlagen. Zur Erklärung: Mein Jahresthema, also meine Jahres-Entwicklungs-Aufgabe ist die Gelassenheit – zumindest der Weg dorthin. Der Mensch will wachsen – ich auch. Als frankophile Allemannin suche und finde ich gern wohlklingende französische Entsprechungen, deshalb die Anfrage bei Nathalie.

Nun mag man denken, flugs gefragt, erzeugt eine schnelle und einfache Antwort. Die Franzosen kennen aber eine ganze Reihe an Worten, die einen ähnlichen Zustand beschreiben, jedoch scheint Gelassenheit ein sehr deutscher Ausdruck zu sein.

Sérénité ist offenkundig nun das, wonach ich suche und strebe – ein schönes Wort für eine große Herausforderung. Zusätzlich bedeutet es auch Ruhe, Ausgeglichenheit, Freude und Zufriedenheit. Na, wenn das nicht zu mir passt!

Seit einiger Zeit übe ich mich ja in der Kunst der eigenen Joghurtherstellung, das Brot kommt aus dem heimischen Herd und eigene Würste habe ich auch schon in den dafür vorgesehen Darm gepresst.

Wieso nicht an Käse denken, das heißt, zunächst an Frischkäse, das mit der Reifung ist ja nicht ohne. Der Joghurt eignet sich schließlich hervorragend, um Frischkäse entstehen zu lassen. Da ist auch schon der Rückbezug zur Gelassenheit – der Käse braucht eine Weile – bis er die gewünschte Konsistenz hat, will er geknetet und ausgedrückt werden und ein wenig vor sich hinhängen – nichts für den schnellen Arbeiter! So übe ich mich in Ruhe und warte und nutze die Zeit zur Kontemplation.

Eine Stippvisite in München am letzen Wochenende nutzte ich zum Gang – äh, mäandern :) über den Viktualienmarkt und habe ein paar leckere kulinarische Kleinode erstanden – frisch geriebenen Meerrettich, Salzkapern, Obazda, Hagebuttenmark und Weißwürste.

Zuhause angekommen, wurde gleich der nächste Frischkäse angesetzt. Jetzt hab ich Blut geleckt oder besser Milch – jedenfalls habe ich mich auf die Suche nach einem lokalen Ziegenmilch-Lieferanten gemacht und auch einen aufgetrieben. Was mit Kuh geht, muss auch mit Ziege möglich sein. Ein entsprechendes Buch wartet im Regal auf mich, hatte ich mir aus Frankreich schließlich schon im letzen Jahr ein Buch über das Käsen mitgebracht.

Notwendige Utensilien wie Seihtücher und Abtropfbecher sind auch vorrätig, dann kann’s losgehen. Vorerst gibt es Variationen mit Kuhfrischkäse aus eigenem Joghurt, alles schön der Reihe nach und mit Geduld.

Hier das Rezept für den Frischkäse:

zunächst für den Joghurt:

für 500 g Joghurt

750 ml frische Milch (ich bevorzuge 3,5% Fettanteil, nicht sparen!)

1 Beutel Joghurt-Ferment (im Reformhaus besorgen)

In einem Topf die Milch und das Ferment mischen und langsam erwärmen. Dabei darauf achten, dass die Milch nicht mehr als 37˚erreicht. Dann kleine Gläser oder Porzellangefäße mit der Milch befüllen. Ich stelle sie dann in die Joghurt-Maschine und lasse sie 12 Stunden stehen. Es ist auch möglich ohne Maschine. Dafür die Behälter an einem warmen Ort, nahe der Heizung, stehen lassen. Das braucht ebenfalls ca. 12 Stunden.

Wenn die Milch zu Joghurt geworden ist, diesen abkühlen lassen. Dazu die Behälter in den Kühlschrank stellen.

für den Frischkäse:

den Joghurt aus den Behältern in ein Käseseihtuch bringen. Alternativ kann man ein sauberes Geschirrtuch nehmen, jedoch empfiehlt sich die Anschaffung eines solchen Tuches. Den Joghurt in das Tuch bringen. Das Seihtuch verdrehen, sodass die Masse verschlossen wird und am besten Aufhängen. Dabei eine Schüssel darunter stellen, sodass die Flüssigkeit abtropfen kann. Mindestens 12 Stunden hängen lassen und dabei immer mal wieder etwas ausdrücken.

Nach der Zeit das Seihtuch öffnen und den Frischkäse mit einem Löffel entnehmen. In einer Schüssel oder einem Glas kann der Frischkäse gut mehrere Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Der Frischkäse schmeckt sowohl herzhaft als auch süß. Ich habe kleine Tartines gemacht, und habe dafür einen Teil vom Frischkäse mit Meerrettich gemischt und Apfel darüber gerieben. Die andere Variante ist mit kleinen Salzkapern und Zitronenabrieb.

Freudvolle Genüsse in Ruhe und Gelassenheit!

Ach ja, und weil’s so gut passt – Uwe organisiert ein Blogevent Cookbook of Colors – 12 Monate -12 Farben. Der Januar ist weiß – wie der Frischkäse. Das will ich ihn mal wissen lassen.

Veröffentlicht von Sandy Neumann

Food&Travel Bloggerin, Foodfotografin, französisch im Herzen, mit Vorliebe für gutes Essen und Wein

14 Kommentare

  1. Pingback: etwas Leichtigkeit @ Confiture de Vivre

    • Hallo Vanessa,
      schön, wenn dir die Gerichte und die Bilder gefallen! Ich freue mich, wenn du wieder vorbei schaust! Beste Grüße, Sandy

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  4. Hallo Sandy, ich bin über Uwes Blog auf Dich aufmerksam geworden. Ganz ganz tolle Fotos und schöne Rezepte, die Du da hast. Wirklich gelungen. Da musste (nocheinmal) gesagt werden. Viele Grüße Alex

    • Hallo Alex,
      vielen Dank! Ich freue mich, wenn es dir gefällt und vielleicht Lust auf die Rezepte macht.

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  8. Hallo Sandy,
    wo bitte bekomme ich ein Käseseihtuch? Du hast mir Lust gemacht, es auch mal zu versuchen …
    Danke und herzlichen Gruß!
    Peter

    • Hallo Peter, vielen Dank für dein Interesse. Ich habe das Tuch mal bei Manufactum gekauft, glaube aber nicht, dass es das im Moment gibt. Einige hochwertige Haushaltwarengeschäfte führen es auch ab und an, die auch Einweck-Utensilien verkaufen.

      Eine schnell und unkomplizierte Möglichkeit ist ein nicht ganz so dickes Geschirr-Handtuch – so habe ich das früher auch gemacht. So kannst du Käse machen bis du das richtige Seihtuch gefunden hast.
      Grüße, Sandy

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