über die Kunst des Aufhebens

Nun erstrahlt mein geliebter Blog in neuem Kleide! Ich feue mich und bin ganz wild, meine vielen Gedanken hier unter zu bringen. Und da haben wir auch schon den Bezug: neues Kleid, etwas unter bringen – Aufheben eben. Ich bin eine Künstlerin im Aufheben. Was hat das mit Essen zu tun? Viel, sehr viel sogar – eine hohe Korrelation mit praktischer Signifikanz 🙂

Es soll Menschen geben, die machen Frühjahrsputz und bereinigen sich dann auch von dem einen oder anderen Anhängsel, werfen weg, misten aus und spüren dabei einen erhabene Befreiung. Ja, in Ansätzen war das bei mir auch schon der Fall.

Mein Liebster und ich beschlossen, das Wochenende zu nutzen und den überquellenden Kleiderschränken den Garaus zu machen. Das heißt, meine Mann beschloss Selbiges, ich war ein Bestandteil, ein gewünscht aktiver.

Ich bin nicht dafür bekannt, Dinge gern wegzuwerfen, ich hebe gern auf, besonders Schuhe, Taschen und allerlei Anziehkram, mit dem Gedanken: Man könnte das noch mal brauchen und dann gibt es unter Garantie das genau Gewünschte nicht oder nicht mehr – wie ärgerlich! Leider führt dieses Verhalten dazu, dass der Überblick verloren geht. Der gestrige Tag war also geprägt vom „Time to say goodbuy“ – feeling und so wanderten unglaubliche 10 Paar Schuhe und noch unglaublichere 6 megagroße Tüten angesammelter Damenobertrikotagen in die Altkleidersammlung. Tatsächlich haben wir die Produkte meiner Aufhebens-Freude auch umgehend entsorgt, um nicht einen ungesteuerten Rückfall herauf zu beschwören. Die eine oder andere Träne wurde während des Prozesses vergossen, ja, Scheiden tut weh. Und so trennte ich mich, nach langem Aufhebens (man beachte die Doppeldeutigkeit), von meiner nunmehr 12 Jahre alten, über alles geliebten, Kaninchenfell-Weste. Ich gebe zu, das wäre schon längst dran gewesen, nicht mal das leidige Müffeln hat mich davon angehalten, sie recyceln zu lassen. Adieu!

Wie nun gekonnt aufheben? Der Gatte wusste eine Lösung. So solle doch, beim Erwerb eines Neu-Produkts, ein altes dafür ausrangiert werden. Keine schlechte Idee!

Ein paar ausgesuchte, besondere Erinnerungsstücke dürfen weiter bleiben und werden gut aufgehoben, meine erste selbst erworbene, richtig teure Handtasche, die Handtasche, die ich vom Liebsten nach der Knie-OP bekam und die so wundervoll an die Krücken passte und die, die so herrlich orange strahlt und in der man praktisch wohnen kann so groß wie sie ist.

Ich werde üben.

So peu à peu vergrößert sich auch meine Sammlung an Utensilien, die der geneigte Food-Fotograph braucht und so ist eine gewisse Kunst des Aufhebens unabdingbar. Ich zähle eine stattliche Anzahl beschriftete Kisten mein Eigen, in denen von Servietten und Deckchen über Bänder und Dosen hin alles untergebracht ist. Die Kochbücher sind geordnet, die Teller, Schälchen und Becherchen stehen hübsch im Regal.

Und hier wollen wir den Haken zum Aufheben und der Kulinarik schlagen. Wenn meine Freundin Villa nicht auch eine begeisterte Aufheberin wäre, wäre mir ein besonderer Schatz gar nicht zuteil gworden.

Ein kostbares Kleinod mit den trefflichsten Rezepten aus einer längst vergangenen Zeit, aufgehoben über viele Jahre, darf ich jetzt aufheben. Und so wurde aus den geschenkten Quitten ein Mus gebacken und mit Goldparmäne und Kaiser Wilhelm Apfelcurd hergestellt und Kuchen gebacken.

So lässt sich das Beste der Früchte bestens aufheben. Beschenkt wurde ich außerdem mit Ebereschenmarmelade, die zur vorbereiteten Pastinakensuppe optimal passte.

Für alle Verwunderten, ja, man kann Ebereschen (oder Vogelbeeren) essen, nicht roh, dann gibt es böses Bauchweh (man stirbt nicht davon), aber als Confiture ist sie etwas ganz Besonderes.

Dank der neuen Eismaschine, meiner lieben Cortina, kann ich jetzt Eis herstellen, welches sich problemlos einige Tage aufheben lässt. Genügend Kürbispüree hatte ich eingefroren und ein Kürbiseis mit karamellisierten Pecannüssen  erschien mir die richtige Wahl.

Zum Eis wollte sich der „Hearts and Minds winning Chocolate Cake“ von Molly Wizenberg gesellen, zu finden in „A homemade life“.

Das durfte er. Auch der Kuchen kann aufgehoben werden, gut verpackt einfrieren und bei Bedarf auftauen, kurz im Ofen erwärmen und genießen.

Für das Kürbis – Eis, adaptiert nach Holly Herricks Rezept für Roasted Pumpkin Ice Cream:

1 Hokkaido -Kürbis

300 ml Milch (3,8% Fett)

500 ml süße Sahne

175 g Rohrohrzucker

6 Eigelb

1 Vanilleschote

1 TL Ginger&Bread von Herbaria

für die kandierten Pecannüsse:

2 EL Butter

125 g Pecannüsse

1 TL Zucker

Zunächst den Ofen auf 200 ° vorheizen. Den Kürbis halbieren und die Kerne entfernen. Die Hälften auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen (mit dem Fruchtfleisch nach unten). Den Kürbis für eine Stunde backen, dann herausnehmen und abkühlen lassen. Mit einem Löffel das Fruchtfleisch entnehmen. 175 g Fruchtfleisch wird für das Eis benötigt, alles andere kann eingefroren werden und als Basis für das nächste Eis oder eine leckere Suppe genommen werden.

Das Püree im Kühlschrank kalt stellen.

Nun die Milch und die Sahne zum Kochen bringen. Die Vanilleschote ausschaben und das Mark und die Schote in die Milch-Sahne geben. Auf mittlerer Hitze köcheln lassen. Während dessen in einer Schüssel die Eigelbe und den Zucker aufschlagen, das Kürbis-Püree und das Ginger&Bread Gewürz hinzu geben. Die Vanilleschote entfernen und die Milch-Sahne nach und nach, unter ständigem Rühren, zur Ei-Masse geben. Die Masse komplett zurück in den Topf geben. Auf mittlerer Hitze, mit einem Holzlöffel rühren bis die Masse langsam vom Löffelrücken läuft.

Komplett abkühlen lassen.

Unterdessen in einer Pfanne die Butter zergehen lassen. Die Pecannüsse und den Zucker dazu geben und schwenken. Ca. 3 Minuten köcheln lassen bis die Nüsse karamellisiert sind.

Die Eismasse in der Eismaschine nach Anweisung des Herstellers zubereiten. 5 Minuten vor Ende der Zeit die Pecannüsse dazu geben. Das Eis ist zum sofortigen Genuss fertig, kann in einem gut verschlossenen Behälter auch noch einige Tage aufgehoben werden. Dazu sofort einfrieren.

 für den Chocolate-Cake:

200 g dunkle Schokolade

100 g Butter

200 g Zucker

5 Eigelb

1 Prise Salz

1 EL Mehl

Den Ofen auf 190 Grad Celsius vorheizen.

Die Schokolade mit der Butter in einem Topf im Wasserbad schmelzen lassen. Wenn alles geschmolzen ist, den Topf aus dem Wasserbad nehmen. Den Zucker dazugeben und mit einem Mixer verrühren. Nun nach und nach die Eigelb dazugeben und weiter rühren. Eine Prise Salz hinzufügen. Zum Abschluss einen Esslöffel Mehl dazugeben und verrühren.

Eine Springform (25 cm Durchmesser) mit etwas Butter einfetten. Den Teig hineingeben und glatt streichen. Die Springform in den Ofen (mittlere Schiene) stellen. Bei 190 Grad Celsius zunächst 20 Minuten backen. Mit einem kleinen Holzstäbchen in den Teig stechen. Es sollte kein Teig mehr haften bleiben. Wenn doch, dann nochmals 5 Minuten backen.

Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen. Den Kuchen in Stücke schneiden und mit dem Eis servieren.

Veröffentlicht von Sandy

kulinarische Reisejournalistin, Foodfotografin, Frankreich und dem guten Leben zugetan, mit Vorliebe für Essen und Wein

6 Kommentare

  1. Wenn ich mich mal zu solchen Aktionen motivieren kann bin ich danach immer sehr zufrieden – denn es lohnt sich – Platz für Neues zu machen ;o)

    Ich werde nach Weihnachten die Küche renovieren und ein wenig aufmotzen ;o) da wird auch wieder aussortiert… ;o)

    Grüße die Strickoholikerin

    • Ja, in der Küche fällt es mir etwas leichter. Das Endergebnis vom Wochenende war auch positiv;) Es braucht manchmal nur etwas Überwindung. Bist du mit dem Projekt Keksstempel voran gekommen? Beste Grüße

  2. Ebereschen habe ich noch nicht verarbeitet, aber Hagebutten um so öfter. Hiftengelee heißt das im Thüringer Wald und ist auch was ganz Besonderes.

    Bald beginnt ja dein großes Food-Blogger-Abenteuer in Amerika, ich bin sehr gespannt auf deine Berichte und Fotos.
    Habt eine feine Zeit dort.

    Herzliche Grüße

    • Hagebutten habe ich noch nicht probiert. Wäre auch mal was… Ich bin schon etwas aufgeregt, aber eher so freudig und erwartungsvoll, was alles kommen wird und welche Menschen ich treffe. Auf jeden Fall werden alle Interessierten teilhaben können. Liebe Grüße

  3. Pingback: Kürbis-Gnocchi mit Pfifferlingen und Rosmarin-Butter | Confiture de Vivre

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